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Synagogen : Dem Abriß entgangen

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Ein Jahr nach der Einweihung: die Westend-Synagoge 1911 Bild: Insitut für Stadtgeschichte

Alle vier großen Synagogen in Frankfurt sind in der Pogromnacht vom 9. November 1938 gestürmt und angezündet worden. Nur die Westend-Synagoge ist danach nicht abgerissen worden und hat überdauert.

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          Die Westend-Synagoge ist erstaunlicherweise nach dem 9. November 1938 nicht abgerissen worden wie die anderen drei großen Synagogen in Frankfurt. Wie die 1860 eingeweihte Hauptsynagoge an der damaligen Börnestraße an der ehemaligen Judengasse, die am Ende von den Liberalen in der Einheitsgemeinde, der Israelitischen Gemeinde, genutzt worden war.

          Wie die außen im Stil der italienischen Renaissance gehaltene und innen nach orthodoxem Ritus gestaltete Börneplatz-Synagoge, vollendet 1882 und Versammlungshaus der Orthodoxen in der Einheitsgemeinde. Und wie die Synagoge an der Friedberger Anlage, gebaut 1907 für die besonders streng orthodoxen Mitglieder der Israelitischen Religionsgesellschaft, die nicht der Frankfurter Einheitsgemeinde angehören wollten.

          Rund um die Uhr bewacht

          Alle drei Häuser, aber auch die 1910 von den Liberalen errichtete Westend-Synagoge sind in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 von marodierenden SA-Horden in Brand gesetzt worden. Die Aufräum- und Abrißarbeiten mußten übrigens die Frankfurter Juden selbst bezahlen. Steine aus der Hauptsynagoge am Börneplatz wurden als Baumaterial für eine Einfriedungsmauer des Hauptfriedhofs an der Eckenheimer Landstraße genutzt.

          Die Synagoge im Westend ist heute das zentrale Gotteshaus der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt
          Die Synagoge im Westend ist heute das zentrale Gotteshaus der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt : Bild: F.A.Z. - Wolfgang Eilmes

          Heute abend erinnert sich die hiesige jüdische Gemeinde wie immer am Abend vor dem 9. November in der Westend-Synagoge an die „Reichskristallnacht“, wie diese von Reichspropagandaminister Goebbels im ganzen Reich inszenierte mörderische Nacht später im Volksmund genannt wurde. Ein derartiger Pogrom ist mittlerweile in Deutschland unvorstellbar, was indes nicht bedeutet, daß der Westend-Synagoge keine Gefahr mehr droht. Wie alle jüdischen Einrichtungen gilt auch die heutige Hauptsynagoge der Frankfurter Gemeinde als potentielles Attentatsziel fanatischer Rechtsradikaler und Islamisten und wird deshalb rund um die Uhr von der Polizei bewacht. Schwere Betonpoller rund um das Gebäude sollen verhindern, daß Terroristen in unmittelbarer Nähe der Synagoge ein Sprengstoff-Fahrzeug abstellen.

          Warum ist die Westend-Synagoge während der Nazi-Zeit nicht völlig ausradiert worden wie ihre Schwestersynagogen? Nicht, wie es zuweilen heißt, wegen des Kastellans Valentin Bachmann, der - übrigens ein treuer Katholik - sich gegenüber den SA-Trupps weigerte, die Türen zu öffnen. Das war gewiß ein mutiges Verhalten, hat aber den Nazi-Pöbel nicht daran hindern können, sich gewaltsam Zutritt in das Gotteshaus zu verschaffen. Die Brandstifter gossen Benzin in die Synagoge und steckten das Gebäude an. Routinemäßig rückte die Feuerwehr an und durfte - so sagt es die Legende - auf ausdrücklichen Befehl des Frankfurter NS-Oberbürgermeisters Friedrich Krebs sogar löschen. Krebs soll ein Übergreifen der Flammen auf benachbarte Wohnhäuser befürchtet haben. Doch historisch gesichert ist diese Version nicht.

          Nur die Mauern blieben stehen

          Als Gotteshaus konnte und durfte die Westend-Synagoge hernach nicht mehr dienen, sie beherbergte vielmehr Kulissen der Oper Frankfurt, nachdem die Israelitische Gemeinde Grundstück und Gebäude im April 1939 wider Willen der Stadt Frankfurt hatte übereignen müssen. Wie auch ihre anderen Immobilien, also die drei erwähnten Synagogen, das Philanthropin mit seiner Schule oder das jüdische Krankenhaus an der Gagernstraße. Weil mit den Luftangriffen zunehmend Bombengeschädigte neu ausgestattet werden mußten, richtete die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) in der Westend-Synagoge ein Möbellager ein. Bis schließlich nach einer Bombardierung am 20. März das Gebäude vollständig ausbrannte, wobei die Mauern stehenblieben und die Synagoge seltsamerweise, so erzählen jedenfalls Zeitgenossen, von außen unversehrt gewirkt habe.

          Warum sind diese Außenmauern nicht abgerissen worden wie bei den anderen drei Synagogen in der Frankfurter Innenstadt? Es gibt darüber nur Vermutungen, keine gesicherten Beweise. Möglicherweise dachten einige Nazi-Oberen von vornherein an eine säkulare Nutzung der Synagoge, die von ihrem Äußeren her nicht als offensichtlich jüdisches Gotteshaus ins Auge fällt und deshalb leicht auch als NSDAP-Zentrale hätte Verwendung finden können. Offenbach ist der Beweis dafür, daß solch eine vorausschauende Nichtzerstörung vorgekommen ist. Dort hatten sowohl Funktionäre der Hitlerpartei wie auch ein örtlicher Kinobesitzer ein Auge auf die Synagoge an der Goethestraße geworfen, weshalb das Gebäude nicht zerstört wurde.

          Michael Lenarz vom Jüdischen Museum Frankfurt hält es für durchaus möglich, daß auch die Synagoge im Westend unter dem Gesichtspunkt einer späteren Nutzung von den Nationalsozialisten geschont wurde. In der Tat hatte, wie der Historiker Arno Lustiger berichtete, die Frankfurter NSDAP bei Oberbürgermeister Krebs beantragt, die geschändete Synagoge als Kulturhaus nutzen zu dürfen. Krebs stellte die Sache zurück - bis nach dem Endsieg.

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