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Suhrkamp-Verlag : „Unseld verhandelt über den Verkauf seiner Anteile“

Auf nach Berlin: So will es Verlagsleiterin Ulla Berkéwicz Bild: AP

Für die Suhrkamp-Leitung ist die Klage von Anteilseigner Joachim Unseld kein Grund, die Umzugspläne zu ändern. Die Klage wird als Fortsetzung der erbitterten Fehde Unselds mit der Witwe seines Vaters verstanden.

          Verwunderung im Hause Suhrkamp: Der Geschäftsführer des Verlags, Thomas Sparr, zeigte sich überrascht über den Vorstoß von Joachim Unseld, der, wie im Gespräch mit der F.A.Z. bestätigt, Klage gegen den geplanten Umzug des Unternehmens von Frankfurt nach Berlin erhebt. Um welche Vorwürfe es genau gehe, wisse man nicht. Die Klageschrift liege noch nicht vor. Das juristische Vorgehen des Gesellschafters, der 20 Prozent der Anteile am Unternehmen hält, komme unerwartet: „Er befindet sich in Verhandlungen über den Verkauf seiner Anteile“, sagte Sparr auf Anfrage, „und hat immer zum Ausdruck gebracht, es sei ihm gleichgültig, ob der Verlag nach Berlin ziehe oder nicht.“ Als Käufer der Unseld-Anteile seien einzig die Mitgesellschafter in Betracht gezogen worden.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Verhindern könne Unseld den Umzug nicht, äußerte Sparr, dies werde von den anderen Gesellschaftern jedenfalls so beurteilt. Der Verlag lasse sich im Januar 2010 in der Hauptstadt nieder, daran ändere sich nichts. Verlagsleiterin Ulla Berkéwicz hält über eine Familienstiftung 51 Prozent der Anteile, der Investor Hans Barlach über eine Medienholding 29 Prozent. Barlach ist ein Befürworter des Wechsels vom Main an die Spree, der von der Witwe des früheren Suhrkamp-Verlegers Siegfried Unseld mit Nachdruck betrieben worden war. Als Hauptverfechter des Abwanderungsplans innerhalb des Hauses gilt Geschäftsführer Sparr.

          Tiefer Riss in der Beziehung Unselds zu Berkéwicz

          Nach Auskunft eines führenden Anwalts für Gesellschaftsrecht, der ungenannt bleiben will, ist die Chance gering, dass durch einen Gang zum Gericht das Vorhaben der Verlagsleitung vereitelt wird. Es sei denn, die Satzung billige Unseld außergewöhnliche Rechte zu, was aber eher unwahrscheinlich sei. Das Verlagshaus wird in Form einer GmbH und Co. KG geführt. Um sich in der komplizierten Konstruktion der Eigner einigermaßen zurechtzufinden, müssten sich auch die Suhrkamp-Mitarbeiter an den Anwalt des Verlags wenden, hieß es aus deren Kreis. Unklar ist, ob sich Unseld auf einen formalen Fehler berufen kann, da die Gesellschafterversammlung, auf der die Entscheidung über den Standortwechsel gefallen ist, womöglich nur unterbrochen, aber nicht beendet wurde. Auch von einem „Nachkarten“ des einst als Firmenerbe vorgesehenen Büchermachers war im Frankfurter Verlagssitz die Rede.

          Verleger Joachim Unseld möchte Suhrkamp in Frankfurt halten

          Die Klage wird als Fortsetzung der erbitterten Fehde Unselds mit der Witwe seines Vaters verstanden. In einem Interview mit der Zeitschrift „Stern“ hatte sich der erfolgreiche Leiter der Frankfurter Verlagsanstalt vor fünf Jahren seine Frustration vom Leib geredet: „Seitdem diese Frau da war, ist alles kaputtgegangen in dem Verhältnis zu meinem Vater.“ Und weiter: „Sie hat die große Liebende gegeben, zunächst war sie Geliebtendarstellerin, dann die Ehefraudarstellerin, jetzt haben wir es mit einer Verlegerdarstellerin zu tun.“ 1978 hatte Siegfried Unseld seinem Sohn zehn Prozent des Verlags überschrieben, sechs Jahre später stockte er auf 20 Prozent auf. Er sollte den Verlag übernehmen, alles war geregelt, er wurde innerhalb des Hauses verantwortlich für die junge deutsche Literatur. 1990 aber kam es zum Bruch, eine Versöhnung fand nicht statt, Siegfried Unseld starb 2002.

          Unterdessen ist noch nicht sicher, wo in Berlin der Verlag sein neues Domizil beziehen wird. Im Gespräch ist das spätbarocke Nicolai-Haus im Bezirk Mitte. In Frankfurt hatte, nachdem die Umzugspläne bekannt geworden waren, eine heftige Diskussion eingesetzt, ob diese Entscheidung richtig sei und wie Frankfurt den Verlag in der Stadt hätte halten können. Als der Entschluss offenbar längst gefasst war, bot die Stadt dem Unternehmen die Liegenschaft am Großen Hirschgraben an, in der zurzeit noch der Börsenverein des Deutschen Buchhandels residiert.

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