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Subventionen : Frankfurt ist ein teurer Spaß

Subventionsspitzenreiter: Je Patient legt die Stadt im Höchster Klinikum 281 Euro drauf Bild: F.A.Z.

Zuschüsse, Subventionen, Ausgleich des Jahresminus: Die Frankfurter Kommunalpolitiker verteilen das Steuergeld quasi überall. Das Schlechte ist: Sie geben Riesenbeträge aus. Das Gute: Irgendwann profitiert jeder davon.

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          Der Vorschlag aus dem Kulturdezernat ist legendär geworden. Von wem er stammt, ist nicht mehr herauszufinden, erzählt wird er aber immer noch: Frankfurt solle seine Oper einfach schließen und jedem an einer Aufführung Interessierten genau den Betrag auszahlen, mit dem die Stadt jeden Besuch bisher bezuschusst hat. Mit dem Geld könnten Opernfreunde dann nach Wien fliegen, sich dort in die Staatsoper setzen und anschließend noch fein essen gehen.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Was kurios klingt, ist von der Wahrheit nicht ganz so weit entfernt wie Frankfurt von Wien. Wirft man einen Blick auf die Zahlen der Spielzeit 2006/2007, stellt man fest, dass die Stadt - und damit der Steuerzahler - für jeden Besuch von Oper und Schauspielhaus im Schnitt rund 191 Euro hinzugezahlt hat. Das lässt sich errechnen: Die beiden Sparten sind unter dem Dach der Städtischen Bühnen GmbH zusammengefasst; die GmbH gab nach Angaben von Geschäftsführer Bernd Fülle in der vergangenen Spielzeit 67,5 Millionen Euro aus und nahm 9,9 Millionen Euro ein - erwirtschaftete also ein Minus von 57,6 Millionen Euro. Weil im selben Zeitraum etwa 302.000 Besucher in die beiden Häuser kamen, ergibt sich rechnerisch die oben genannte Pro-Kopf-Subvention.

          Fülle hat noch mehr Zahlen parat. Betrachtet man die beiden GmbH-Sparten differenziert, so zeigt sich, dass die Stadt einen Besuch der zu 72 Prozent ausgelasteten Oper im Schnitt sogar mit rund 201 Euro, einen Besuch des zu 74 Prozent ausgelasteten Schauspiels aber nur mit rund 174 Euro subventioniert hat. Die Tickets kosteten im Schnitt 38 Euro (Oper) und 24 Euro (Schauspiel) - obwohl sie, um die Kosten zu decken, 239 Euro beziehungsweise 198 Euro hätten kosten müssen.

          Je Besucher unterstützt die Stadt die Oper Frankfurt mit 201 Euro

          Jahresminus beim Palmengarten

          Doch der Bühnen-Geschäftsführer watet keineswegs allein im Minus. Auf welche der gut 2000 Seiten des Frankfurter Haushalts man auch blickt: Zuschüsse, Verrechnungen, Ausgleich des Jahresminus. Zum Beispiel bei den Städtischen Kliniken Höchst. Dort wird mit einem Jahresdefizit von etwa neun Millionen Euro kalkuliert. Das klingt ziemlich abstrakt. Sehr konkret hingegen wird die Summe, teilt man sie durch die Zahl der stationären Patientenaufenthalte von rund 32.000 für 2008. Rein rechnerisch bezuschusst die Stadt somit jeden Aufenthalt mit rund 281 Euro - und das, obwohl nur etwas mehr als 50 Prozent der Patienten aus Frankfurt kommen.

          Wer das ungerecht findet, weil auch Patienten aus Frankfurt in der Regel schon Krankenkassenbeiträge zahlen, stößt schnell auf weitere Subventionsfälle. Je länger man blättert in den beiden dicken Bänden, desto öfter stellt man fest, dass die Stadt die immensen Steuereinnahmen quasi überall verteilt. Das kostet zwar eine riesige Menge Steuergeld - irgendwann kommt aber jeder in den Genuss einer Subvention.

          Nicht zuletzt der Tierfreund. Laut Haushaltsplan nämlich schreibt der Frankfurter Zoo in diesem Jahr ein Minus von 6,7 Millionen Euro und wäre in der freien Wirtschaft mit einer solchen Bilanz bald insolvent. Doch auch hier springt die Stadt ein und gleicht das Minus einfach mit Steuergeld aus. Bei etwa 914000 Besuchern (2007) ergibt sich eine durchschnittliche Subvention der Tiger-, Nilpferd- und Robbenhaltung von 7,33 Euro je Besuch. Wollte der Zoo kostendeckend arbeiten, müsste er statt acht Euro Eintritt für einen Erwachsenen zirka 15,50 Euro kassieren.

          Ähnliches gilt übrigens auch für den Palmengarten. Geplantes Jahresergebnis 2008: ein Minus von 7,2 Millionen Euro. Besucherzahl 2007: rund 761.000. Jeder Besuch wird demnach im Schnitt mit 9,46 Euro unterstützt. Statt der derzeit fünf Euro müsste ein Erwachsener also annähernd 14,50 Euro an Eintritt entrichten. Dass sich das auf die Besucherzahlen auswirken würde, steht fest.

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