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Streit um Sanierung : „Stückwerk und Provisorium“ an der Hauptwache

Handlungsbedarf: Die Hauptwache in der Frankfurter Innenstadt mit der darunter liegenden B-Ebene soll seit Jahren verschönert werden. Bild: Frank Rumpenhorst

Die IHK befürchtet eine sich lange hinziehende Sanierung der Hauptwache in der Frankfurter Innenstadt. Sie warnt sogar vor Lagern von organisierten Bettlergruppen. Die verabredete temporäre Verbesserung reiche nicht aus.

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          Gerade erst hat sich die Stadt Frankfurt mit großer Mehrheit auf eine temporäre Verschönerung der Hauptwache geeinigt, da sorgt ein Einwurf der Industrie- und Handelskammer für Aufregung. Es drohten nun „Stückwerk und ein Provisorium“, heißt es in einem „Politikbrief“, den die Industrie- und Handelskammer zum Thema Hauptwache verschickt hat. Die IHK bezweifelt, dass eine provisorische Gestaltung den Platz attraktiver macht. Aus dem Brief geht hervor, dass sich die Instandsetzung der Gebäudetechnik in der unterirdischen Ebene bis mindestens 2030 verzögern wird. Bis zu deren Fertigstellung könne weder mit der Neugestaltung des oberirdischen Platzes noch mit der Sanierung der B-Ebene selbst begonnen werden. Die Grundsanierung der Hauptwache werde erst in 15 Jahren fertig sein.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Aufgeschreckt durch diesen Brief, will der CDU-Politiker Albrecht Kochsiek wissen, ob die Befürchtungen der IHK zutreffen. „Woran sind wir? Was sind die nächsten Schritte?“, fragte Kochsiek im Planungsausschuss und gestand ein, dass er „maximal verwirrt“ sei. Er sei davon ausgegangen, dass ein Wettbewerb durchgeführt werde, dessen Ergebnis dann auch relativ schnell realisiert würde. „Ich fühle mich veräppelt“, sagte er an die Adresse von Planungsdezernent Mike Josef (SPD). Der entgegnete, die Stadt habe Punkte identifiziert, die auch unabhängig von der Technischen Gebäudeausrüstung der unterirdischen Bahnstation angegangen und verbessert werden könnten. Beispielsweise werde schon im Sommer mit der Pflanzung von Bäumen begonnen. Zunächst werde die Stadt aber die Bürger an der Planung beteiligen.

          Lager von organisierten Bettlergruppen?

          Weil sich die Instandsetzung der B-Ebene und der unterirdischen Bahnstation noch lange hinziehen, will die Stadt den Platz zunächst durch temporäre Maßnahmen verschönern. Die IHK hält von der verabredeten provisorischen Verbesserung allerdings wenig. Die Umgestaltung des großen Treppenabgangs zur B-Ebene in eine kleine Veranstaltungsarena reiche nicht aus, um die dringend erforderliche deutliche Verbesserung des Gesamteindrucks der Hauptwache zu erreichen, heißt es in dem Brief: „Eine solche Arena birgt die Gefahr, dass dieser Ort verstärkt zum Lagern von organisierten Bettlergruppen und zum öffentlichen Alkoholmissbrauch genutzt wird, sofern dies nicht konsequent kontrolliert und unterbunden wird.“

          Die Aufenthaltsqualität habe in Zeiten deutlich zunehmenden Onlinehandels eine noch größere Bedeutung für den Einzelhandel als bisher schon. Von zentraler Bedeutung sei ein Gesamtkonzept für eine attraktive Neugestaltung des Platzes und seiner B-Ebene. Die IHK wünscht sich ein besseres „Platzgefühl“, eine flächige Begrünung, Wasserspiele und mehr Außengastronomie, beispielsweise auch durch mobile Kaffeebars im Sommer. Sie rät dazu, das Management der B-Ebene an ein professionelles Unternehmen zu vergeben, das Erfahrungen mit der Führung von Einkaufszentren hat.

          In dem Brief äußern sich auch drei Einzelhändler. Hans-Jürgen Dröge, Filialgeschäftsführer von C&A, bezeichnet die Hauptwache als Eingangstor zur Zeil, das nicht erst in 15 Jahren fertig sein dürfe. Uwe Beckmann, der das Uhrengeschäft Wempe führt, fürchtet, dass die Innenstadt durch den Sanierungsstau an der Hauptwache Kunden ins Umland verliert. Frank Bertsch, Filialgeschäftsführer von Galeria, meint, dass viele Gäste die Innenstadt an der Hauptwache betreten. „Diesen Ort, der oftmals der Ort der ersten Begegnung ist, sollen die Menschen in guter Erinnerung behalten.“

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