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Studieren während Corona : „Manchmal habe ich vergessen, dass gerade das Semester läuft“

  • -Aktualisiert am

Lernen im Grünen: Tom Niklas Meyer und seine Freundin auf dem Westend-Campus der Goethe-Uni. Bild: Maximilian von Lachner

Viele Studenten schreiben gerade Klausuren – und treffen ihre Kommilitonen zum ersten Mal seit langem wieder persönlich. Zusammen schauen sie zurück auf ein außergewöhnliches Semester.

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          Die U-Bahnen in Schanghai sind normalerweise brechend voll. Mitte Januar habe man bis zum anderen Ende der Bahnen schauen können, so leer seien sie gewesen, berichtet Mona Volk. Die angehende Sinologin hat bis dahin zusammen mit anderen Studenten der Goethe-Uni ein Auslandssemester in der chinesischen Großstadt verbracht. An diesem sonnigen Tag im Juli sitzt sie mit ihren Kommilitonen unter einem Baum auf dem Campus Westend. Ihre Klausur haben sie hinter sich gebracht, jetzt machen sie Mittagspause.

          Nach der Rückkehr an die Heimat-Uni haben sie sich drei Monate lang nur per Webcam gesehen, jetzt gibt es viel zu erzählen. Am 11. Januar hätten sie ihre Zeugnisse vom Auslandssemester bekommen, sagt Volk. China sei zu dem Zeitpunkt teilweise schon im Lockdown gewesen. Neben ihr sitzt Elena Ganz, die im Nebenfach BWL studiert. Die vergangenen Monate hat sie bei ihren Eltern in Freiburg verbracht. „Ich musste mich erst einmal wieder an den Trubel zu Hause gewöhnen, im Studentenwohnheim habe ich mein eigenes Zimmer und mehr Ruhe.“ Welche Auswirkungen das neue Coronavirus haben könnte, habe sie sich im Januar nicht vorstellen können. „Wir haben das alle nicht so richtig ernst genommen, ich habe gedacht, die Chinesen übertreiben in ihrer Angst.“

          Mit einem digitalen Semester hat keiner der Sinologiestudenten gerechnet. „Es musste deutlich mehr Zeit eingeplant werden, weil so viel geschrieben werden musste“, sagt Elena Ganz. Den erhöhten Arbeitsaufwand in ein System zu bringen und den Überblick zu behalten sei ihr schwergefallen. „Manchmal habe ich vergessen, dass gerade das Semester läuft, weil ich ja nie zur Uni gegangen bin.“ Zudem sei während der Seminare immer mal wieder die Internetverbindung abgebrochen, was das konzentrierte Zuhören sehr erschwert habe.

          Kampf um die Bibliotheksplätze

          Ein paar hundert Meter weiter sitzt Tom Niklas Meyer mit seiner Freundin im Schatten. Ihnen gegenüber liegt das verwaiste IG-Farben-Haus. Beide haben dicke Ordner mit Notizen, Bücher und ein iPad um sich herum verteilt und sind in ihren Lernstoff vertieft. „Zusammen hinsetzen und lernen ist einfacher, als allein zu Hause zu hocken“, sagt Meyer. Der Einundzwanzigjährige studiert Wirtschaftswissenschaften im 4. Semester. Er ist froh, dass zumindest die Bibliotheken nach einigen Wochen wieder freigegeben waren. Um dort einen Platz zum Lernen zu bekommen, müssen sich die Studenten vorher im Internet anmelden.

          Das Prozedere entwickle sich jede Woche aufs Neue regelrecht zu einem Kampf, erzählt Meyer. In der Nacht von Montag auf Dienstag werde um Mitternacht die Online-Anmeldung geöffnet. „Teilweise sitzt man bis kurz nach eins am Rechner und aktualisiert so lange die Seite, bis es endlich geklappt hat oder alle Plätze belegt sind.“ Wer trotz allem einen Platz ergattert habe, müsse sich außerdem auf verkürzte Öffnungszeiten einstellen.

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