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Studienstart in Corona-Zeiten : Großes Opening im Autokino

  • -Aktualisiert am

Drive-in-Festakt: Die Frankfurt School of Finance and Management hieß ihre Studienanfänger im Autokino Gravenbruch willkommen. Bild: Frankfurt School of Finance and Management

Wegen der Pandemie können die Universitäten in Hessen ihre Erstsemester meist nicht persönlich begrüßen. Dabei lebt die Orientierungsphase von der Begegnung. Also ist Kreativität gefragt.

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          Für die Studienanfänger der Frankfurt School of Finance and Management hat das Semester im Autokino begonnen. Die private Wirtschaftshochschule hatte zum „großen Opening“ in die Freiluft-Lichtspiele Gravenbruch geladen, Eis und Popcorn inklusive. Den Abstands- und Hygieneregeln ließ sich auf diese Weise leicht Genüge tun – vorausgesetzt, es wurden keine infektiologisch bedenklichen Fahrgemeinschaften gebildet. Denn einen Shuttleservice hatte die Hochschule nach eigenen Angaben nicht eingerichtet. Gut besucht war die Veranstaltung jedenfalls, vermutlich auch deshalb, weil es hierfür kein digitales Ausweichangebot gab.

          Auf Online-Informationen setzen jedoch die meisten Unis in diesen Tagen, wenn es gilt, die neuen Studenten zu Beginn der Vorlesungszeit willkommen zu heißen: Große Versammlungen in Hörsälen, Info-Messen und Partys kommen angesichts der rasant steigenden Corona-Infektionszahlen nicht in Frage. Wieder einmal zwingt die Pandemie zum Verzicht auf eingespielte Rituale, und alle Beteiligten müssen sich für die Semestereröffnung Neues einfallen lassen – vom Unipräsidenten bis zum studentischen Tutor.

          So ging es auch Leon Steurer, Lehramtsstudent im neunten Semester an der Universität Frankfurt. Seit vier Jahren organisiert er mit anderen Ehrenamtlichen die Orientierungsphase für neue Kommilitonen, kurz: O-Phase. „Normalerweise begrüßen wir die Erstis in dem größten Hörsaal, den wir bekommen können“, sagt er, „dieses Jahr musste fast alles digital stattfinden.“ Zu dem viertägigen Programm meldeten sich in der Regel bis zu 650 Studenten an. Diese teile man dann in Gruppen zu je 30 Studienanfängern nach Lehramtsstudiengang und Fachbereich auf und lasse sie von drei bis vier Tutoren betreuen.

          „Auch auf dem Unigelände mussten Masken getragen werden“

          Das Programm, das sich Steurer und sein Team ausgedacht haben, lebt von der Begegnung: „Vom zweiten Tag an gibt es immer ein gemeinsames Frühstück. Im Idealfall bringen die Erstis Lachs und Trauben mit.“ Es folge ein Programm aus Informationsveranstaltungen und Kennenlernspielen auf dem Campus und in der Frankfurter Innenstadt. „Wir veranstalten eine Campus- und Stadtrallye. Es gibt Quiz- und Memoryspiele, eine Pantomimestation und anderes mehr.“ Abends sitze man zu Livemusik im studentischen Café Koz. „Viele gehen auch noch feiern, nach Alt-Sachsenhausen oder so.“

          Das alles ging diesmal nicht. Generell sei es schwierig gewesen, ein Programm für die Studienanfänger zu organisieren, sagt Steurer. „Wir waren sehr skeptisch, ob wir das überhaupt machen können, weil links und rechts sehr viel wegfällt.“

          Eine O-Phase hat es dann doch gegeben. Aber stark reduziert: „Wir haben zuerst eine Umfrage unter 100 Erstis gemacht. Von denen wollten sich 96 wirklich treffen. Deshalb haben wir uns an die Uni gewandt und mussten durch diesen Verwaltungsapparat.“ Die Universität habe dann ein Sicherheitskonzept mit Lüftungs- und Abstandsregeln aufgestellt. „Auch auf dem Unigelände mussten Masken getragen werden.“

          Zum zweiten Mal ausgefallen

          500 Studenten hatten sich dieses Jahr für die Orientierungsphase der Lehramtler angemeldet. Sie wurden zwar wieder in Gruppen aufgeteilt, aber jede Gruppe konnte nur an einem Tag zusammenkommen. „Um 18 Uhr war dann auch schon Schluss. Ob die Erstis sich danach privat getroffen haben, weiß ich nicht“, sagt Steurer.

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