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Studienabbruch : Riskantes Unternehmen

Gipfelstürmer: der Studienabbrecher Reinhold Messner
          3 Min.

          Andreas Meissner aus Bad Homburg studiert an der Technischen Hochschule Aachen Physik – wie der Opa, der es einst sogar zum Doktor gebracht hat. Im ersten Semester lief es überhaupt nicht, eigentlich hätte er da schon abbrechen sollen, sagt Meissner, der in Wirklichkeit anders heißt. Er hat aber weitergemacht, bis zum sechsten Semester, weil er zwischendurch immer mal wieder eine Prüfung bestand. Mehrere seiner Freunde haben inzwischen aufgehört. Meissner weiß noch nicht so recht.

          Timo Frasch
          Politischer Korrespondent in München.

          Wenn das stimmt, was in jüngster Zeit oft zu lesen war, dann sollte er nicht lange zögern: In manchen Berichten erscheint es gerade so, als gebe es für karrierebewusste Akademiker gar nichts Besseres, als das Studium vorzeitig zu beenden. Auch erfolgreiche Unternehmer wie der Mitbegründer von SAP, Hasso Plattner, selbst Ingenieur, weisen regelmäßig darauf hin, dass es in Deutschland viel zu wenige „self-made men“ ohne Abschluss gebe. Meissner hat sich inzwischen auf dem Internetportal Studienabbrecher.com kundig gemacht. Auch dort wird – mit berühmten Gewährsmännern – die Hoffnung geschürt, dass trotz Studienabbruchs eine große Laufbahn möglich ist: Reinhold Messner, Charles Darwin, Bill Gates, Steven Spielberg, Leo Tolstoi – sie alle haben es doch gepackt.

          Der Arbeitslosigkeit entkommen

          Mehr als anekdotischen Wert kann diese wenig repräsentative Aufzählung allerdings kaum für sich beanspruchen: Keiner dieser Männer musste sich je in einem Assessment-Center gegen 500 andere Bewerber durchsetzen, um Einstiegsgehälter feilschen oder sich in einer Unternehmenshierarchie mühsam nach oben dienen. „Es gibt immer Persönlichkeiten, die so stark und kreativ sind, dass sie der universitären Welt von Anfang an enthoben sind“, sagt Ulrich Heublein, Projektleiter bei der HIS Hochschul-Informations-System GmbH. Das seien aber absolute Ausnahmen.

          Tatsächlich ist es für Studienabbrecher weder typisch, eines Tages der reichste Mensch der Welt zu werden, noch ohne Sauerstoffgerät den Mount Everest zu besteigen. Sie haben sich mit den Bergen und Tälern des Arbeitsmarktes abzumühen. Dabei entkommen erstaunlicherweise ebenso viele der Arbeitslosigkeit wie examinierte Studenten, ebenso viele profitieren vom gegenwärtigen konjunkturellen Aufschwung. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen bricht ein gut Teil der Studenten erst dann ab, wenn er schon ein konkretes Berufsangebot vorliegen hat. Zum anderen gelangen Abbrecher überdurchschnittlich häufig durch private Beziehungen an Arbeitsstellen. Manche Frauen wiederum beenden ihr Studium deshalb vorzeitig, weil sie ein Kind erwarten: Sie gelten dann nicht als arbeitslos.

          Darüber hinaus gibt es auf dem Arbeitsmarkt Nischen, in denen Abbrecher nicht ungern gesehen sind, auch wenn die wenigsten Firmen gezielt nach ihnen suchen. Meissner ist nach langer Recherche fündig geworden: Die Hypo Real Estate, ein Immobilienfinanzierungskonzern, adressierte ihre Ausschreibung für eine Ausbildung zum Bankkaufmann ausdrücklich auch an Studienabbrecher. Wohlgemerkt, es ging nicht um eine Festanstellung – Meissner hat sich dennoch beworben.

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