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Umstrittene Studie : Frankfurt und Mainz schneiden bei Kinderbetreuung gut ab

  • Aktualisiert am

Im Kinderzimmer Bild: dpa

Eine Studie sieht zwei Städte in der Rhein-Main-Region beim Betreuungsangebot weit vorn. Aber es gibt Zweifel an der Methodik.

          2 Min.

          In Mainz und Frankfurt sei das Betreuungsangebot für Kleinkinder außer­gewöhnlich gut, behauptet eine aktuelle Untersuchung. Im Vergleich der 50 größten deutschen Städte belege Mainz den zweiten und Frankfurt den vierten Platz. Das teilt das Unternehmen betreut.de mit, das das öffentliche und private Be­treuungsangebot in den Großstädten ana­lysiert hat.

          Freiburg liege demnach bei der Kinderbetreuung auf dem ersten Platz, ge­folgt von Mainz, Stuttgart, Frankfurt, Osnabrück, München, Berlin, Kiel, Karlsruhe und Hannover. Wiesbaden belegt mit Platz 30 eine Position im Mittelfeld. Schlusslichter sind in diesem Ranking Hagen, Mülheim an der Ruhr und Hamm, wo es laut den Verfassern der Studie das größte Verbesserungspotential bei der Kin­derbetreuung gibt.

          Eigene Inserate ausgewertet

          Allerdings ist fraglich, wie aussagekräftig diese Untersuchung ist. Denn zur Bewertung der privaten Angebote wurden die Anzahl der Inserate von Babysittern, Tagesmüttern, Nannys und Leih­omas auf dem unternehmenseigenen Portal betreut.de einbezogen sowie deren Bewertung. Blendet man diese privaten Angebote aus und nimmt nur das Platzangebot in Kitas, den Betreuungsschlüssel und die Kitadichte zum Maßstab, ändert sich die Reihenfolge: Dann steht Stuttgart auf dem ersten Platz, gefolgt von München und Frankfurt. Mainz liegt dann allerdings nur noch auf dem 13. Platz. Wiesbaden behält seine alte Po­sition.

          Wie viele Kitaplätze verfügbar sind, un­terscheidet sich stark von Kommune zu Kommune. Frankfurt überzeuge vor al­lem beim öffentlichen Angebot, stellen die Autoren der Studie fest. Hier sei be­sonders die hohe Kitadichte hervorzuheben, die Eltern und Kindern nicht nur kürzere Wege ermögliche. Sie hätten auch eine größere Auswahl an Einrichtungen in ihrem direkten Umfeld. Beim privaten Betreuungsangebot liege Frankfurt hingegen nur im Mittelfeld. In dieser Kategorie schneide Mainz besser ab: In der rheinland-pfälzischen Hauptstadt sei das private Angebot außergewöhnlich gut.

          Fachkräftemangel ausgeklammert

          Trotz aller Bedenken hinsichtlich der Methodik lassen sich aus der Untersuchung zumindest Schlüsse auf das stationäre Betreuungsangebot ziehen. Die Aus­wertung basiert auf dem Platzangebot und dem Betreuungsschlüssel in Kindertageseinrichtungen sowie der Schul- und Kitadichte. Die genehmigten Plätze in Tageseinrichtungen wie Kitas oder Horten für Kinder wurde ins Verhältnis zur Gesamtzahl der Kinder unter 14 Jahren gesetzt. Der Betreuungsschlüssel er­rechnet sich aus der Anzahl der Betreuungsplätze je pädagogischer Fachkraft, hochgerechnet auf Vollzeitstellen. Als Quelle wurden die Daten der statistischen Bundes- und Landesämter ver­wendet.

          Nicht berücksichtigt wurde in der Aus­wertung, ob die Stellen auch besetzt sind und das Personal tatsächlich verfügbar ist. Allerdings gibt es dazu auch kaum verlässliche Daten: Die Landesarbeitsgemeinschaft der Kita-Eltern in Hessen versucht seit langem, verlässliche Auskunft zu erhalten, wie viele Be­treuer tatsächlich zur Verfügung stehen. Die Lü­cke zwischen der Soll- und der Ist-Kapazität in der frühkindlichen Bildung und Be­treuung werde immer größer, be­mängeln die Eltern. Sie haben das Sozialminis­terium um Auskunft gebeten, wie viele Stellen in Hessen unbesetzt sind und wie groß der Fachkräftebedarf ist. Doch selbst in einzelnen Kommunen ist es schwierig, belastbare Zahlen zu erhalten. Das hängt auch da­mit zusammen, dass die Erzieher nicht zentral, sondern direkt von den einzelnen Trägern angeworben werden, wie das Frankfurter Bildungsdezernat erläutert.

          Die Autoren der Studie machen selbst auf den Erziehermangel aufmerksam: Auch wenn den Kindern eine Kita- oder Hortbetreuung zur Verfügung stehe, gebe es gerade in den Randzeiten häufig Betreuungslücken, die mit der Arbeitszeit der Eltern übereinstimmten. Dann seien oft die Großeltern oder Babysitter ge­fragt.

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