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Studie zu Frankfurter Wohnvierteln : Wo die jungen Leute wohnen

Nicht hip, aber günstig: Das Gallus hat am besten abgeschnitten. Bild: Gyarmaty, Jens

Eine Studie zeigt, welche Viertel in Frankfurt bei Studenten und Berufsanfängern begehrt sind. Das Gallus steht hoch im Kurs, kaum einer will ins Westend. Das Nordend ist überaltert, aber trotzdem angesagt.

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          Das Gallusviertel ist bei jungen Leuten in Frankfurt besonders beliebt, aber um das Westend machen sie einen Bogen: Das geht aus einer Studie des Projektentwicklers GBI AG hervor, der die Wohnsituation für die Gruppe der 20 bis 25 Jahre alten Einwohner in Berlin, München, Hamburg, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf untersucht hat. Unter anderem wurden Daten der kommunalen Ämter ausgewertet, aber auch die Baustruktur, die Nachfrage nach WG-Zimmern und die Gastronomie-Dichte flossen in die Betrachtung ein.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          In Berlin ist Kreuzberg besonders angesagt, in München sind die Ludwigs- und die Maxvorstadt begehrt. In Frankfurt liegen auf den ersten Plätzen die Stadtteile Gallus, Nordend-Ost, Nordend-West, Bockenheim, Sachsenhausen-Nord, Niederrad, Ostend, Rödelheim und Sachsenhausen-Süd. Erst auf dem zehnten Rang folgt das südliche Westend. Das nördliche Westend liegt gar nur auf dem 19. Platz, noch hinter Höchst und Eschersheim.

          Viele Ein-Personen-Haushalte im Bahnhofsviertel

          Franziska Neumann aus der Forschungsabteilung der GBI AG führt das schlechte Abschneiden des Westends auf das hohe Preisniveau zurück. Für eine Wohnung in Zentrumsnähe seien die jungen Leute zwar auch bereit, mehr zu zahlen als am Stadtrand. „Erst wenn die Mieten in einem Stadtteil generell so hoch sind, dass sie das begrenzte Budget der jungen Leute überschreiten, werden diese Lagen zunehmend unattraktiv.“ Weil die höchsten Mieten im Westend verlangt würden, wendeten sich die jungen Leute ab.

          51.200 Frankfurter sind zwischen 20 und 25 Jahre alt. Die meisten davon leben in Bockenheim: 5,3 Prozent der Frankfurter leben dort, aber 6,7 Prozent der Zwanzig- bis Fünfundzwanzigjährigen. Es folgen Gallus, Griesheim, Niederrad und Sachsenhausen-Nord. Die „jüngsten“ Stadtteile sind jedoch das Bahnhofsviertel, die Innenstadt, Höchst und Hausen. Dort ist der Anteil der Jungen an der Stadtteilbevölkerung zweistellig. Aber auch in Bockenheim, Niederrad und im Gallus liegt er im hohen einstelligen Bereich. Im östlichen Nordend ist der Anteil der Jungen mit 6,1 Prozent einer der niedrigsten in Frankfurt überhaupt, selbst im Westend ist er höher. Nur in Nieder-Erlenbach, Kalbach-Riedberg und Bornheim leben, bezogen auf die gesamte Stadtteil-Bevölkerung, weniger 20 bis 25 Jahre alte Menschen. Die Quartiere, die bei einer jungen Bevölkerungsschicht hoch im Kurs stehen, weisen auch einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Ein-Personen-Haushalten auf, der Spitzenwert liegt mit 71,6 Prozent im Bahnhofsviertel.

          376,50 Euro für ein WG-Zimmer im Gallus

          Besonders stark gewichtet hat die GBI die Nachfrage nach WG-Zimmern. Bockenheim und – mit großem Abstand – die Innenstadt und Bornheim schnitten bei diesem Faktor besonders gut ab. Im Gallus ist die Nachfrage nach WG-Zimmern zwar niedriger als in anderen Stadtteilen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis sei aber besser, sagt Stefan Brauckmann, der die GBI-Forschungsabteilung leitet. „Es ist günstiger, ohne dass es billig ist.“ Der Preis für ein WG-Zimmer liegt mit 376,50Euro fast elf Prozent unter dem Durchschnitt. Am günstigsten sind WG-Zimmer in Fechenheim (300 Euro) gefolgt von Niederursel, Preungesheim und Nied. Auch die Miete ist im Gallus günstiger als in den meisten anderen beliebten Innenstadtvierteln. Mit 8,80 bis 9,10 Euro je Quadratmeter wohnt man am günstigsten in Harheim, Sossenheim und Fechenheim. Allerdings gibt es in diesen Stadtteilen kaum WG-Gesuche oder Angebote.

          Auch gute Ausgeh-Möglichkeiten machen ein Viertel für junge Leute attraktiv. Die höchste Kneipen-Dichte, gemessen an der Fläche des Stadtteils, gibt es in der Altstadt mit 142 Betrieben je Quadratkilometer, gefolgt vom Bahnhofsviertel (118 Betriebe). Die auf den vorderen Plätzen plazierten Stadtteile weisen im Vergleich dazu ein geringeres Gastronomieangebot auf – im östlichen Nordend gibt es 50 Kneipen und Restaurants je Quadratkilometer, im Gallus nur 27, in Bockenheim 28 Lokale. Diese Quartiere locken die jungen Leute somit hauptsächlich mit anderen Argumenten. Aber über dem Stadtteil-Mittelwert von 15 Gastronomiebetrieben je Quadratkilometer liegen sie immerhin.

          Drei Viertel der Zuziehenden sind junge Leute

          Die Entfernung zu Hochschulen hat die GBI bewusst ausgeklammert: Man habe den Schwerpunkt nicht nur auf Studenten legen wollen, sagt Brauckmann, denn auch für Berufseinsteiger müsse eine Stadt attraktiv sein. Um junge Leute anzuziehen, seien internationale Konzerne mit attraktiven Arbeitsplätzen besonders wichtig. Frankfurt gewinne aktuell jedes Jahr mehr als 10.000 Einwohner dazu und verdanke dieses Plus zu mehr als drei Vierteln der 18 bis 29 Jahre alten Bevölkerungsgruppe. In der Mainmetropole hat Brauckmann überrascht, wie wenige Stadtteile zu den sehr attraktiven zählen. Der Abstand zwischen den ersten Fünf zum Rest sei groß. Dass die GBI im zum Gallus zählenden Europaviertel selbst Appartements errichtet hat, habe auf das nach streng wissenschaftlichen Methoden ermittelte Ergebnis keinen Einfluss gehabt.

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