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Studie : „Bluthochdruck durch Fluglärm“

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Drei Monate lang haben 53 Menschen aus der Umgebung des Flughafens für eine Studie ihren Blutdruck gemessen und ihre Schlafqualität dokumentiert. Der Kardiologe Martin Kaltenbach warnt vor zusätzlichen Lärmbelastungen.

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          Nächtlicher Fluglärm erhöht laut einer Studie die Gefahr des Bluthochdrucks und damit eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls. Die detaillierten Untersuchungsergebnisse eines Doktoranden, die demnächst in einer wissenschaftlichen Zeitschrift publiziert werden, wird Martin Kaltenbach, ehemals Chefarzt für Kardiologie am Universitätsklinikum, im Regionalen Dialogforum vorstellen, das Anwohner über mögliche Folgen eines Ausbaus des Frankfurter Flughafens informieren will.

          Diejenigen, die über den Ausbau des Frankfurter Flughafens zu entscheiden hätten, müßten zur Kenntnis nehmen, daß viele Tausend Menschen dann vermehrt Lärm ausgesetzt würden und mit gesundheitlichen Schäden zu rechnen sei, vor allem mit Blutdruckerhöhungen und einer weiteren Zunahme von Herzkreislauf-Erkrankungen, sagt Kaltenbach. Seiner Ansicht nach reduziert sich letztlich alles auf die Frage: „Mehr Arbeitsplätze um den Preis von mehr Lärm?“

          Geistige Beeinträchtigung von Kindern durch Lärm

          Jede Form des Flughafenausbaus bedeute mehr Kapazität und damit mehr Flugbewegungen. „Jedes zusätzlich landende Flugzeug ist ein zusätzlich startendes.“ Damit verbunden sei mehr Lärm in der gesamten Rhein-Main-Region. Als Grundergebnis der wissenschaftlichen Arbeit unter seiner Anleitung faßt Kaltenbach zusammen: Eine Lärmbelastung von 50 Dezibel (A) in der Nacht fördere die Enstehung von Bluthochdruck; die Herzfrequenz werde kaum beeinflußt. Ein überraschender Befund sei darüber hinaus, daß nach einer gewissen Belastung mit Lärm die Fähigkeit nachlasse, die anschließende Ruhe wahrzunehmen. Ein vergleichbares Phänomen sei aus der Streßforschung bekannt, so Kaltenbach. An der drei Monate dauernden Studie hatten sich 53 Menschen aus der Umgebung des Frankfurter Flughafens beteiligt.

          Täglich haben die erwachsenen Probanden morgens und abends ihren Blutdruck gemessen und zudem Schlafqualität und Lärmempfinden in der jeweiligen Nacht dokumentiert. Zum Vergleich wurden zwei Gruppen mit je nach Wetterlage stark wechselnder Fluglärmbelastung gebildet: Die „Westgruppe“ - benannt nach der Windrichtung und der damit vorgegebenen Startrichtung - war deutlich länger Fluglärm in einer Größenordnung von 50 Dezibel (A) ausgesetzt als die „Ostgruppe“ und zeigte statistisch signifikant höhere Blutdruckwerte. Dieser Anstieg werde vermutlich über eine vermehrte Ausschüttung von Streßhormonen verursacht, sagt Kaltenbach. Die Menschen hätten um so schlechter geschlafen je mehr Lärm sie ausgesetzt gewesen seien.

          Auch auf die Lernfähigkeit von Schülern wirke sich Fluglärm negativ aus, sagte der Kardiologe unter Hinweis auf große europäische Studien. Durch den Bau der neuen Landebahn in der geplanten Variante Nordwest würden ihm zufolge 350.000 Menschen mit 55 und mehr Dezibel (A) belastet und damit in einer Größenordnung, die zu einer meßbaren Beeinträchtigung geistiger Fähigkeiten von Kindern führe und damit eindeutig im „roten Bereich“ liege. Er appelliert daher an die Verantwortlichen, zu prüfen, ob die angestrebten Ziele nicht schonender durch überregionale Verkehrsplanungen zu erreichen seien, zum Beispiel durch eine Konzentration von Frachtflügen, Charterflügen und Flügen der Billigfluggesellschaften in Hahn.

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