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Stadtentwicklung : Frankfurt soll wachsen – aber wo?

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Bei der Frankfurter Stadtentwicklung gibt es keine Einigkeit. Bild: Marina Pepaj

Wie und wo Frankfurt wachsen soll, ist eine Streitfrage – ein Konsens scheint schwer möglich zu sein. Der Römer ist gespalten, Bürger rufen zum Protest auf.

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          Auf mehr als 800.0000 Einwohner könnte Frankfurt bis 2030 wachsen, schon heute fehlen nach Angaben der Stadt 40.000 Wohnungen, um den steigenden Bedarf zu decken. Darüber, wie und an welchen Orten die Stadt wachsen kann, wird seit geraumer Zeit diskutiert. Und unter den Parteien im Rathaus scheint ein Konsens nur schwer möglich zu sein. 19.000 Wohnungen könnten beispielsweise durch Aufstockung und Dachausbau von Bestandshäusern in Frankfurt entstehen. Diese Zahl hat das Integrierte Stadtentwicklungskonzept 2030+ (Istek) ermittelt. Der Kauf und die Entwicklung von neuen Flächen würde sich in diesen Fällen also erübrigen. Doch schon über diesen Punkt herrscht Uneinigkeit, wie in der Stadtverordnetenversammlung deutlich wurde.

          Der CDU-Stadtverordnete Albrecht Kochsiek etwa stört sich an folgender Formulierung: „Unerwünschte Bestandsaufwertung, insbesondere in Gründerzeitquartieren, sollen vermieden werden.“ Er finde diese Haltung „merkwürdig und sehr ideologisch“. „Nach diesem Motto dürfte nirgendwo aufgestockt werden.“ Elke Tafel-Stein (FDP) ist ähnlicher Meinung. „Nicht überall funktioniert eine Nachverdichtung so wie in der Platensiedlung.“ Dieses Quartier gehört der städtischen Wohnbaugesellschaft ABG, viele Häuser seien aber auch in privatem Besitz – dort sei eine potentielle Nachverdichtung schwieriger umsetzbar. „Es gibt keine Anreize für private Vermieter. Durch die unsäglichen Milieuschutzsatzungen wird das Problem noch verschärft“, meint sie. Tafel-Stein hält ein Förderprogramm und weitere finanzielle Anreize für sinnvoll.

          „Monostrukturen ohne Aufenthaltsqualität“

          Ulrich Baier (Die Grünen) befürchtet, dass durch das Credo „Bauen, Bauen, Bauen“, das einst Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) ausrief, lebenswerte Stadtteile zur Ausnahme werden könnten. „Eine höhere Dichte erfordert mehr Qualität beim Bau.“ Die jüngsten Wohnquartiere seien vor allem „Monostrukturen ohne Aufenthaltsqualität, Treffpunkte für die Bewohner oder öffentlicher Nutzung in den Erdgeschossen“. Eyup Yilmaz (Linke) warnt unterdessen vor Verdrängung und Gentrifizierung durch Aufstockung von Wohnhäusern. „Sie beweisen, wie wenig Ahnung Sie von dieser Stadt haben“, sagte Yilmaz zu Kochsieks Äußerungen. Nachverdichtungen in der Wallauer- und Knorrstraße im Stadtteil Gallus zeigten derzeit, wie bezahlbarer Wohnraum vernichtet werde. „Ein katastrophales Beispiel für diese Praxis, und das mitten im Milieuschutzgebiet.“

          Doch auch die Entwicklung von Neubaugebieten an den Stadträndern sorgte bereits im Vorfeld für Spannungen. Die CDU möchte an einem möglichen Neubaugebiet in der Nähe des Main-Taunus-Zentrums festhalten. Den Vorschlag, dort Häuser zu bauen, hatte vergangenes Jahr unter anderem der Chef des Regionalverbands Thomas Horn (CDU) gemacht. Von Nils Kößler, Parteikollege und Fraktionschef im Römer, kommt nun Zuspruch. Die Stadt habe dieses Vorhaben zu schnell zu den Akten gelegt. Planungsdezernent Mike Josef (SPD) wirft er vor, die Idee „beerdigt“ zu haben, wie zuerst die „Frankfurter Neue Presse“ berichtete. Josef selbst äußerte sich in der Vergangenheit eher skeptisch zu den Plänen. Das Gebiet, das zwischen der Gemeinde Sulzbach und dem Frankfurter Stadtteil Unterliederbach liegt, sei nicht gut genug an den öffentlichen Nahverkehr angebunden.

          Im geplanten neuen Stadtteil entlang der Autobahn 5, der im Volksmund „Josefstadt“ genannt wird, hingegen würde eine neue S-Bahnstation gebaut und die U-Bahnlinie 6 soll bis dorthin verlängert werden. So die Vorstellung im Istek. Gegen das Bauvorhaben regt sich aber seit Monaten Widerstand – in den Rathäusern der Nachbarkommunen und von einigen Anwohnern. Die Bürgerinitiative „Heimatboden“ hat indes für Mitte September zu einer Protestaktion in Form einer Menschenkette aufgerufen. Man wolle ein „Mahnzeichen gegen die Betonwut und Zerstörung wertvoller Agrarflächen“ setzen.

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