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Öffentlicher Nahverkehr : Auch Feldmann gegen RMV-Tarif

Vorerst keine Tarifreform: Eine Auswertung des bisherigen Modellversuches steht noch aus. Bild: Jonas Wresch

Auch Frankfurts Oberbürgermeister lehnt Fahrpreiserhöhungen ab. Zugleich stoßen Zeit und Stil der Absage auf Kritik.

          Auch der Frankfurter Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzende des Rhein-Main-Verkehrsverbundes, Peter Feldmann (SPD), will Fahrpreiserhöhungen durch ein mögliches neues Tarifsystem des RMV nicht akzeptieren. Die Ticket-Preise müssten gedeckelt werden, sagte er dieser Zeitung: „Niemand soll mehr zahlen als bisher.“ Der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) hatte am Donnerstag vorgerechnet, dass sich Fahrten auf wichtigen U- und S-Bahn-Strecken in der Mainmetropole für viele Fahrgäste mit dem neuen Preissystem erheblich verteuern würden. Das hatten erste Zwischenergebnisse des auf drei Jahre angelegten Pilotversuchs RMV-Smart, in dem das neue Tarifsystem getestet werden soll, ergeben. Dabei wird von einer Testgruppe aus Handynutzern ein entfernungsabhängiges Tarifmodell ohne Tarifzonen erprobt. Vorrangiges Ziel von RMV-Smart ist, die Preissprünge an manchen Tarifgrenzen zu kappen.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Oesterling kündigte an, Frankfurt werde das neue Modell nicht unterstützen. Wie zu hören ist, stoßen Zeitpunkt und Stil der Frankfurter Intervention bei vielen Kommunen im Umland auf scharfe Kritik. Auch die RMV-Geschäftsführung soll vor vollendete Tatsachen gestellt worden sein. „Da ist die alte Frankfurter Arroganz wieder zum Vorschein gekommen“, äußerte ein führender Kommunalpolitiker, der nicht namentlich genannt werden wollte. Er verwies darauf, dass der Versuch erst in diesem Sommer begonnen hatte, eine belastbare erste Auswertung sei laut RMV erst im nächsten Frühjahr zu erwarten gewesen. Der Pilotversuch hätte ohne großes Getöse nachgebessert werden können.

          Keine Tarifreform auf absehbare Zeit

          Im Frankfurter Römer wird der Vorgang auch als Niederlage Feldmanns gegen seinen Parteifreund Oesterling wahrgenommen. Feldmann hatte den Pilotversuch während einer Pressekonferenz präsentiert. Die Beseitigung des Tarifsprungs, der vor allem Einpendlern nach Frankfurt genutzt hätte, war Teil seiner Charmeoffensive gegenüber dem Umland, das Frankfurt auch durch die Ausweisung neuer Wohngebiete entlasten soll. Auch vor diesem Hintergrund war die Beseitigung der Tarifsprünge für Frankfurt von strategischer Bedeutung.

          Feldmann kündigte gestern an, er werde intern im RMV für attraktive und günstige Fahrpreise kämpfen und sich für eine Kappung der Preissprünge an Tarifgrenzen starkmachen. Dass es dazu noch kommen kann, wird in den RMV-Gremien bezweifelt. „Mit seiner brutalen Intervention hat Frankfurt dafür gesorgt, dass es auf absehbare Zeit zu keinerlei Tarifreform im RMV kommen wird“, war zu hören.

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