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Streit um neuen Gebetsraum : Muslime widersprechen Radikalismus-Vorwurf

Die Pläne für eine Moschee in Frankfurt-Ginnheim sorgen für Diskussionsstoff. Denn es kursieren Gerüchte, wonach der betreffende Verein „Al Ihsan“ radikale Ansichten hege.

          3 Min.

          Die Geschichte der jungen Männer, die plötzlich nach Syrien ausreisten, hat sich herumgesprochen in Ginnheim. Sie kannten sich, besuchten dieselben Moscheen. Drei Tage bevor sie am 3. Juli 2013 ihre Sachen packten, um im Namen Allahs auf der Seite der Rebellen zu kämpfen, hatten sie dieselbe Veranstaltung besucht. Ein Grillfest im Ginnheimer Wäldchen, das viel mehr war als ein geselliges Miteinander, sondern offenbar auch eine Rekrutierungsveranstaltung für junge Muslime, an der sich vor allem radikale Islamisten beteiligten.

          Katharina Iskandar
          (isk. ), Rhein-Main-Zeitung
          Bernd Günther
          (beg.), Freier Autor

          Der Frankfurter Stadtteil Ginnheim, die „Salafisten-Hochburg“ – so hatte es schon Anfang vergangenen Jahres geheißen, als das Bundesinnenministerium den dort ansässigen Verein Dawa Ffm verboten hatte. Damals war in dem Stadtteil die Falah Moschee durchsucht worden, außerdem Räume von Dawa Ffm.

          Gerüchte: „Al Ihsan“ eine radikale Gruppe

          Und auch jetzt kommt Ginnheim nicht zur Ruhe. Konkrete Anhaltspunkte für weitere Aktivitäten der Salafisten gibt es zwar nicht, aber Ängste in der Bevölkerung. Der Verein „Al Ihsan“ will dort in ein Wohn- und Geschäftshaus einziehen, um eine Begegnungsstätte mit Gebetsraum einzurichten. Einen Anteil der Liegenschaft an der Ginnheimer Hohl hatten die acht Mitglieder zuvor für rund 180.000 Euro ersteigert. Die Summe ist nach Angaben des Anwalts des Vereins überwiegend durch Privatkredite und Spenden der Mitglieder finanziert worden. In anderen Teilen Frankfurts wäre ein solches Vorhaben womöglich ohne größere Diskussionen hingenommen worden. Immerhin ist es die Politik der Stadt, dass Muslime in der Mainmetropole ihre Religion praktizieren können.

          Im Fall von „Al Ihsan“ jedoch gab es von Beginn an Vorbehalte – seitdem Gerüchte kursierten, die Gruppierung habe möglicherweise Verbindungen zur Falah Moschee, die der Stammsitz von Dawn Ffm war. Zusätzlich genährt wurde der Verdacht, es könnte sich bei „Al Ihsan“ um eine radikale Gruppierung handeln, durch eine Facebook-Seite, auf der ein Unbekannter zu Spenden für den Verein aufgerufen und gleichzeitig auf Videos von umstrittenen Predigern verwiesen hatte, beispielsweise dem Anführer von Dawa Ffm, Abdellatif Rouali, und dem bundesweit aktiven Salafisten Abu Nagie.

          „Al Ihsan“ distanziert sich von Extremisten

          „Al Ihsan“ hat sich nach Bekanntwerden der Gerüchte um eine angebliche Verbindung in salafistische Kreise von Dawa Ffm und zu jeglichen anderen radikal-islamischen Personen distanziert. Der Anwalt des Vereins sagte, der Verein wolle Extremismus vielmehr gezielt bekämpfen.

          Die Miteigentümer des Wohn- und Geschäftshauses an der Ginnheimer Hohl hat dieses Bekenntnis jedoch nicht überzeugt. Sie haben dem Verein inzwischen den Einzug per Beschluss verweigert. Der Streit um das Vorhaben wird nun vermutlich die Gerichte beschäftigen. Der Anwalt des Vereins sagt, er werde klagen. Auch wenn es in dem Streit konkret um die Nutzung des Gebäudes und die Auslegung der sogenannten Teilungserklärung geht, so ist der Fall für die Stadt und ihre Integrationspolitik nicht unerheblich. Wie der Anwalt sagt, hat er keine Erklärung für die Vorbehalte der Miteigentümer, „weil es ja keinen direkten Austausch mit den Eigentümern selbst gegeben hat“. Der Vereinsvorstand habe ausdrücklich angeboten, der Eigentümerversammlung, in der der ablehnende Beschluss gefasst wurde, beizuwohnen, um sich vorzustellen und die bestehenden Ängste zu zerstreuen. „Darauf ist man allerdings nicht eingegangen.“

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