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Oeder Weg in Frankfurt : Streit um den Straßenraum

Viel rote Farbe für Radler: Der Oeder Weg ist seit Sommer in Teilen fahrradfreundlich umgebaut. Das ist erst der Anfang, aber schon der ist hoch umstritten. Bild: Michael Braunschädel

Die Stadt Frankfurt plant, Nebenstraßen wie den Oeder Weg im Nordend oder den Kettenhofweg im Westend fahrradfreundlich umzugestalten. Das Konzept dafür trägt die Handschrift einer Frau.

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          Sie kennt sie alle, die Argumente jener, die sich empören, dass die Stadt beschlossen hat, Radfahrern auf zentralen Straßen Raum zu geben, damit sie möglichst sicher unterwegs sind: Beatrix Baltabol, Architektin und studierte Stadt- und Verkehrsplanerin, unterstützt die Initiative Radentscheid. Jene Initiative, die vor knapp vier Jahren beschlossen hatte, Unterschriften für ein fahrradfreundlicheres Frankfurt zu sammeln. 40 000 konnte sie binnen kürzester Zeit der Stadt vorlegen. Und die reagierte. Das Stadtparlament beschloss im August 2019, die „Fahrradstadt Frankfurt“ zu schaffen, wozu die Umgestaltung von elf Straßen zu „fahrradfreundlichen Nebenstraßen“ gehört. Der zunächst provisorische Umbau der Straßen begann im Sommer mit dem Oeder Weg im Nord­end. Im Dezember beschloss der Ortsbeirat im Westend die Umgestaltung von Grüneburg- und Kettenhofweg.

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seitdem sind jene alarmiert, die den Autoverkehr rollen sehen wollen wie zuvor. Von „Fahrrad-Anarchie“ ist die Rede, davon, dass die Initiative Radentscheid Lobbypolitik betreibe, dass Fußgänger gefährdende Fahrradautobahnen und Radrennstrecken entstünden. Dem Einzelhandel würden so die Kunden vertrieben, mithin sei das urbane Leben gefährdet. Unzumutbarer Parksuchverkehr entstehe in den angrenzenden Straßen, alles zulasten der dort Wohnenden. Lautstark wird kritisiert, dass eine Minderheit der Mehrheit der Bevölkerung ihre Ansprüche aufzwinge. Das sind noch die harmloseren Vorwürfe. Im Westend haben Stadtteilpolitiker, die sich für den Umbau des Grüneburgwegs ausgesprochen haben, Morddrohungen erhalten. Baltabol versucht auf Vorwürfe mit Sachargumenten zu reagieren. „Schade“, sagt sie, dass viele nicht einmal versuchten, sich auf die geplanten Veränderungen einzulassen. Trotz wachsender Einwohnerzahl würden ausschließlich auf das Auto ausgerichtete Verkehrskonzepte der Sechziger- und Siebzigerjahre bemüht. Dabei will keine der führenden Parteien im Römer in diese Vergangenheit zurück.

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