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Straftaten in Frankfurt : Zeil weiter im Fokus

Unterwegs: Polizisten laufen über die Zeil. Bild: Lucas Bäuml

Die Frankfurter Zeil hat nicht den besten Ruf. Am Abend und in der Nacht nehmen viele Bürger die Fußgängerzone als Brennpunkt wahr. Die Polizei sieht das anders.

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          Der Angriff auf eine transsexuelle Person auf der Zeil ist nur die jüngste Tat, die sich auf der Einkaufsstraße ereignet hat, aber nicht die einzige. Seit Jahren schon wird die Zeil zumindest am Abend und in der Nacht von vielen als Brennpunkt wahrgenommen. Die Polizei selbst hatte sie als solchen klassifiziert, als sie vor drei Jahren einen Vorstoß gewagt hat, am Brockhausbrunnen eine Videoüberwachungskamera aufstellen zu lassen. Jetzt, da die Zeil in den Abendstunden von vielen mehr denn je als No-Go-Area wahrgenommen wird, heißt es bei der Polizei, die Zeil sei gar kein Brennpunkt mehr. Allenfalls ein „Treffpunkt junger Menschen, die sich abends und nachts zunehmend dort aufhalten“.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Polizei stützt diese Aussage vor allem auf die Entwicklung der Fallzahlen, die im vergangenen Jahr laut einem Sprecher rückläufig gewesen sei. Für die Zeil selbst gibt die Behörde jedoch keine Zahlen bekannt, allenfalls „für den innerstädtischen Bereich“, womit die Zeil, die Hauptwache und die Konstablerwache gemeint seien. Dort liegt die Zahl von Delikten wie Körperverletzung, sexuelle Übergriffe, Raub und Taschendiebstahl für das Jahr 2019 „im mittleren dreistelligen Bereich“, wie die Behörde mitteilte. Für das Jahr 2020 werden die Zahlen noch nicht veröffentlicht. Der Sprecher betont: „Natürlich haben wir die Kriminalität dort im Blick.“ Warum es gerade zur Zeil keine separaten Zahlen gibt, begründet die Polizei damit, dass sie „grundsätzlich keine Zahlen zu einzelnen Straßen“ herausgebe. Zudem lasse sich „eine Darstellung für einen Zeitraum von mehreren Jahren aus verschiedenen Gründen nicht realisieren“.

          Das verwundert, denn in der Vergangenheit hat die Polizei durchaus Fallzahlen einzelner Kriminalitätsbrennpunkte veröffentlicht – vor allem dann, wenn sie sich davon Nutzen versprach, wie etwa im Zusammenhang mit der geplanten Videoüberwachung im Bahnhofsviertel. Von 1100 Straftaten sprach die Polizei etwa für den Hotspot Taunus-/Elbestraße. Auch für die Allerheiligenstraße wurden damals Zahlen zur Kriminalität bekannt.

          Auch Angriffe auf Polizei

          Wie auch immer die Zahlen auf der Zeil im Langzeitvergleich aussehen mögen – entscheidend für die Frage, ob sich ein Ort zur No-Go-Area entwickelt, sind sie ohnehin nicht allein. Auch entscheidet die Polizei nicht darüber, ob bewusst bestimmte Bereiche der Stadt gemieden werden, weil sich Passanten dort nicht sicher oder zumindest unbehaglich fühlen. Dieser Eindruck setzt sich allein beim Bürger fest.

          Für die Zeil gilt, dass sie sich schon seit mehreren Jahren mehr und mehr zum Treffpunkt von Jugendlichen und jungen Erwachsenen entwickelt hat – und das mit erheblichem Aggressionspotential. Die Polizei selbst ist mehrfach Opfer von solchen „Mobs“ geworden, zuletzt Anfang November, als sich abends mehrere hundert Personen auf der Einkaufsstraße versammelt hatten und die Polizisten mit Steinen, Flaschen und Eiern bewarfen. Auch in der Nacht zuvor war es zu Krawallen gekommen, als eine Polizeistreife einen Streit zwischen zwei Männern schlichten wollte. Um was für Männer es sich dabei handelt, dazu äußert sich die Polizei offiziell nur zurückhaltend. Innerhalb der Behörde wird dem Vernehmen nach offener darüber gesprochen, dass es oft Jugendliche und Heranwachsende mit Migrationshintergrund seien.

          Eine zunehmende Rolle spielt zudem das Phänomen, dass oft sogenannten Influencern oder Youtubern gefolgt wird und sich daraus größere Versammlungen ergeben. Aber auch Delikte, die sich losgelöst von solchen Gruppendynamiken ergeben, ereignen sich auf der Zeil. Neben den Taschendiebstählen sind das vor allem auch Raubdelikte. So wurde beispielsweise Anfang dieses Jahres eine Frau an der Zeil/Ecke Konstablerwache mitten am Tag an einer Apotheke überfallen und schwer verletzt, als sie gerade vom Wochenmarkt kam.

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