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Umweltschützer Thomas Schlimme : „Störfallbetriebe von Griesheim nach Höchst verlagern“

Schnüffler un´ Maagucker: Thomas Schlimme Bild: Privat

Mindestens 500 Meter sollen künftig zwischen Frankfurter Industrieparks und neuen Wohnungen liegen. Umweltschützer Thomas Schlimme hält es für willkürlich, den Abstand von den Grenzzäunen aus zu messen. Zudem sieht er noch andere Mängel.

          Thomas Schlimme ist Sprecher der Bürgerinitiative „Schnüffler un’ Maagucker“ in Frankfurt. In dieser Rolle beaobachtet er seit vielen Jahren die Industrieparks Griesheim und Höchst.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Stadt Frankfurt hat sich mit der chemischen Industrie auf einen Sicherheitsabstand von 500 Metern zwischen den drei Industrieparks und neuen Wohnbauten geeinigt. Sind Sie als kritischer Begleiter der Industrieparks im Frankfurter Westen damit zufrieden?

          Ich finde es merkwürdig, dass für diese Übereinkunft der Werkszaun als Grenze dient. Ich bezweifle, dass das rechtlich standhält.

          Was spricht dagegen, den Sicherheitsabstand vom Werkszaun aus zu messen?

          Die tatsächliche Gefahr geht von einer Anlage aus, besser gesagt von bestimmten Teilen einer Anlage. In dieser Hinsicht muss man den Abstand zu Wohnungen sehen. Vom Werkszaun selbst geht keine Gefährdung aus. Außerdem vermisse ich Aussagen zur Gefährlichkeit gewisser Stoffe, mit denen in den Industrieparks gearbeitet wird.

          Nun liegen die Betriebe ja innerhalb der Industrieparks und somit weiter von Wohnungen weg als 500 Meter. Ist die Grenzzaun-Regel insofern nicht sogar ein Vorteil für die Anlieger?

          Nein. Es gibt mit Sicherheit Anlagen auf der Welt, die brauchen einen Sicherheitsabstand von 2000 Metern, dagegen genügen bei anderen 200 Meter gemessen an der Seveso-Richtlinie, und um die geht es ja. Die jetzt von der Stadt und der Industrie getroffene Übereinkunft läuft nach meiner Ansicht darauf hinaus, die Richtlinie auszuhebeln.

          Warum?

          Weil sie in meinen Augen eben eine willkürliche Grenze festlegt. Die Richtlinie hebt aber auf die tatsächliche Gefahr ab. Daraus folgt für mich, dass der Abstand zwischen Chemiebetrieben und Wohnbebauung individuell festzulegen ist.

          Sie beobachten die Industrieparks im Frankfurter Westen für die Bürgerinitiative „Schnüffler un’ Maagucker“ seit vielen Jahren. Wo sehen Sie in Höchst das größte Gefahrenpotential: in dem von der Chemie geprägten Norden des Industrieparks oder im Süden, wo die Pharmaindustrie vorherrscht?

          Das ist für Außenstehende schwer zu sagen. Ich möchte aber den Blick auf etwas anderes lenken: Wir dürfen Güterwaggons nicht aus den Augen verlieren, die auf Gleisanlagen nahe der Werksgrenze in Höchst stehen oder fahren. Und dann gibt es noch einen Gefahrenpunkt, der für meine Begriffe unterschätzt und aus rechtlicher Sicht nicht gesehen wird. Das ist die Nähe zum Flughafen.

          Worauf wollen Sie hinaus?

          Es gibt das Szenario eines Absturzes oder einer Kollision zweier Flugzeuge in der Luft, nach der Teile auf Chemiebetriebe fallen könnten. Rechtlich wird von einer Art Trichter links und rechts der Landebahnen ausgegangen. Alles, was innerhalb des Trichters liegt, ist demnach nicht zulässig. Deshalb musste die Ticona aus Kelsterbach weg. Die Industrieparks liegen aber außerhalb des Trichters. Deshalb werden in den Worst-case-Szenarien in den Genehmigungsverfahren für die Anlagen die von mir angesprochenen Möglichkeiten nicht berücksichtigt. Das ist rechtlich sauber, aber in der Sache falsch.

          Welche Folgen der Übereinkunft sehen Sie dessen ungeachtet für die betroffenen Stadtteile?

          In Höchst werden Wohngebäude in einer Nähe zum Industriepark möglich, die ich für problematisch halte. Griesheim ist aber von der 500-Meter-Regel stärker betroffen. Sie droht die Entwicklung des Stadtteils weiter zu beeinträchtigen. Aus meiner Sicht gäbe es aber eine Lösung. Wenn die wenigen Störfallbetriebe, die es im Industriepark Griesheim noch gibt, nach Höchst verlagert würden, könnten anschließend im Industriepark Griesheim ungefährliche Gewerbebetriebe angesiedelt werden. Zudem wäre dann auch der Bau einer neuen Schule in der Nähe möglich. Gleiches gilt für den Wohnungsbau.

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