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: Still ruht der Römer nun schon in der dritten Woche

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Der Magistrat der Stadt Frankfurt hat sich auch in den am Freitag zu Ende gehenden dreiwöchigen Weihnachtsferien unspektakulär verhalten. Keine Reiseabenteuer in der Südsee, kein Surfen auf Hawaii, keine Safaris in Südafrika.

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          Der Magistrat der Stadt Frankfurt hat sich auch in den am Freitag zu Ende gehenden dreiwöchigen Weihnachtsferien unspektakulär verhalten. Keine Reiseabenteuer in der Südsee, kein Surfen auf Hawaii, keine Safaris in Südafrika. Ob Edwin Schwarz, Petra Roth oder Franz Frey: alle blieben sie entweder daheim, oder sie reisten in bewährte Ferienquartiere. Planungsdezernent Schwarz, der sich noch in der Vorweihnachtszeit fast ermattet in die zahllosen Sitzungen zu schleppen schien, steht seit einer Woche vergnügt auf Skibrettern und soll in Zermatt behende die Hänge hinabwedeln - übrigens ein Skigebiet, das er schon im vergangenen Jahr erprobt hatte. Die Mehrheit der Frankfurter Sozialdemokraten nutzte derweil ihre Ferienhäuser. Von einer großspurigen Toskana-Fraktion allerdings keine Spur: Sportdezernent Joachim Vandreike tummelte sich in seiner "Datscha" am Untermain, und Kulturdezernent Hans-Bernhard Nordhoff weilte in seinem Haus in Ligurien, aus dessen Garten er immerhin eigenes Olivenöl nach Frankfurt zu bringen pflegt, so daß zumindest ab und zu das Essen vom Flair italienischer Lebensweise profitiert.

          Und die Daheimgebliebenen? Sozialdezernent Franz Frey holte Alltägliches nach - und macht nach eigenen Angaben seiner Enkelin mit einem Stofftier den Kater, schaute "Herr der Ringe Teil 3", bestaunte, wie sich bei Holiday on Ice andere auf glattem Untergrund grazil bewegen, und rüttelte am Freitag, 2. Januar, verdutzt am Rollgitter seines Dezernats, um anschließend den "Herr der leeren Schreibtische" zu mimen. Nur Franz Zimmermann, der dank seiner liberalen Partei und deren bewährten Dreikönigstreffen ohnehin keine Ferien in der ersten Januarwoche kennt, rieb sich in den vergangenen Tagen amüsiert die Hände: "Stellen Sie sich vor, ich bin im Augenblick neben dem Baudezernat auch zuständig für die Planung und die Kämmerei - dann könnte man so einiges machen." Könnte. Doch die Frankfurter Stadträte sind zahm und sittsam, zumindest ist das ihr öffentliches Bild. Man sollte nicht daran rütteln. Und manch einer, wie etwa Kämmerer Horst Hemzal, hat auch gestern pflichtbewußt sein Büro aufgesucht.

          Nächste Woche geht es für die Hauptamtlichen im Magistrat dann wieder richtig rund - zunächst mit täglichem Sekttrinken. Gleich Montag beginnt die FDP den Reigen der Neujahrsempfänge, Donnerstag bittet die Stadt selbst in den Kaisersaal, die SPD präsentiert den Münchner Oberbürgermeister Christian Ude, und einen Tag später bietet die Industrie- und Handelskammer Häppchen und Small talk, von den zahlreichen Generalkonsulaten und Banken in der Stadt einmal ganz abgesehen. Gut, daß sich Oberbürgermeisterin Petra Roth in den vergangenen drei Wochen, bis auf einen Weihnachtsbesuch bei ihrer Mutter in Bremen, zu Hause entspannt hat, mit Lektüre, wie es in ihrem Büro heißt, darunter Fontanes "Vor dem Sturm".

          "Das ist nicht metaphorisch gemeint", beteuert Büroleiter Felix Semmelroth. Dabei hätte ein bißchen mehr Bewegung - "wir wollen den weltweit gefeierten Choreographen William Forsythe unbedingt in Frankfurt halten" - dem Magistrat auch in den drei Ferienwochen eigentlich ganz gut zu Gesicht gestanden. "Das Thema ist immer präsent", heißt es dazu etwas einsilbig aus dem Kulturdezernat, "da ist noch keine Lösung gefunden". Und die Oberbürgermeisterin läßt ihren Büroleiter bekräftigen, daß sie sich dafür stark mache, wenn irgend möglich, einer überregionalen Kooperation beizutreten, um Forsythe, "diesen Künstler von Weltrang", in Frankfurt zu halten. Dessen Engagement an 200000 Euro jährlich scheitern zu lassen "läßt sich nicht verantworten", so Semmelroth. "Das sprengt auch keinesfalls das städtische Konsolidierungsprogramm."

          Und dann kündigt Semmelroth noch an, daß sich mit dem Thema Forsythe gleich am Dienstag die sogenannte Koordinationsrunde des Viererbündnisses beschäftigen werde. Vorausgesetzt, das Land, das sich bereit erklärt hatte, sich bis zum 31. Dezember mit 1,3 Millionen Euro für das Projekt zu engagieren, nicht bis dahin abgewunken habe. "Kein Problem, dann macht das doch der Offenbacher Oberbürgermeister Gerhard Grandke", meint dazu Franz Frey. "Ich bin auch bereit, nach Offenbach zu fahren." Vielleicht könnte er seinen Magistratskollegen damit ganz neue Reiseziele für die nächsten Weihnachtsferien eröffnen. MECHTHILD HARTING

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