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Stiftungen : Viel Geld für Bildung, Kultur und Soziales

  • -Aktualisiert am

Vorstand der „Stiftung Polytechnische Gesellschaft”: Klaus Ring Bild: F.A.Z. - Michael Kretzer

Die „Stiftung Polytechnische Gesellschaft“, eine der reichsten ihrer Art in Deutschland, hat sich in Frankfurt vorgestellt. 3,7 Millionen Euro will die Stiftung im nächsten Jahr für gemeinnützige Projekte ausgeben.

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          Die neue „Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main“ hat mit ihrer Arbeit begonnen und kann dafür in diesem Jahr aus den Erträgen des Stiftungskapitals 3,7 Millionen Euro ausgeben. Das kündigte der Vorstand der Stiftung an. In einem ersten Projekt sollen Frankfurter Jugendliche und junge Erwachsene gefördert werden, die in besonderem Maße Verantwortung für ihren Stadtteil übernehmen wollen. Außer eigenen Projekten fördert die Stiftung auch die Arbeit von Einrichtungen - zunächst beispielsweise das Evangelische Hospital für Palliative Medizin und das Hospiz Sankt Katharina.

          Wie Klaus Ring, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, erläuterte, wurden die Pläne am Donnerstag den 310 Mitgliedern der Polytechnischen Gesellschaft vorgetragen. Die Stifterversammlung habe die Vorhaben einstimmig befürwortet. Die Polytechnische Gesellschaft, deren Präsident Ring ist, ist ein Verein verdienter Frankfurter Bürger; gegründet wurde er 1816.

          Geld aus dem Verkauf der Frankfurter Sparkasse

          Das Stiftungskapital beträgt Ring zufolge zunächst rund 320 Millionen Euro. Im März nächsten Jahres kämen noch einmal bis zu 80 Millionen Euro hinzu. Das Geld stammt aus dem im vergangenen Jahr getätigten Verkauf der angeschlagenen Frankfurter Sparkasse an die Landesbank Hessen-Thüringen. Die Sparkasse hatte zu 60 Prozent der Polytechnischen Gesellschaft und zu 40 Prozent der Stadt gehört. Insgesamt bekam die Polytechnische Gesellschaft 435 Millionen Euro aus dem Verkauf. Davon erhielten die sechs Tochtergesellschaften der Vereinigung - etwa die Stiftung Blindenanstalt - rund 35 Millionen Euro. Der Rest kommt der im November 2005 eingerichteten Stiftung zugute.

          Wie Roland Kaehlbrandt, im Vorstand für die Projektarbeit zuständig, sagte, will die Stiftung die „Übernahme von Verantwortung“ in der Stadt stärken, Bildungschancen verbessern, Erfindergeist fördern, die Geschichte und das kulturelle Erbe Frankfurts stärker ins Bewußtsein heben, den Zusammenhalt der Bürger stärken und Menschen in Not helfen. Noch im Herbst sollen sich junge Leute zwischen 17 und 27 Jahren bewerben können, die sich in ihrem Stadtteil besonders engagieren. Mit Hilfe eines Projektstipendiums von 3000 bis 4000 Euro und fachlicher Beratung durch Mitglieder der Polytechnischen Gesellschaft sollen diese „Stadtteil-Botschafter“ ihre Ideen zugunsten ihres Viertels in die Tat umsetzen können, wie Kaehlbrandt ankündigte.

          Unterstützt werden sollen bald auch Eltern mit Kleinkindern. „Der Bedarf an Informationen bei den Eltern ist groß, etwa hinsichtlich der sprachlichen Entwicklung ihrer Kinder.“ Gedacht ist für das nächste Jahr an einen „Lernsommer“ für Kinder. Möglich sind zudem Patenschaften für Museen in Stadtteilen. Daneben unterstützt die Stiftung die Arbeit anderer. Außer dem Hospiz - dort können Todkranke menschenwürdig sterben - und dem Palliativhospital - dort werden Schwerkranke behandelt - wird das Museum für Angewandte Kunst gefördert. Es bekommt Geld für die Rekonstruktion von Räumen in der Villa Metzler. Des weiteren wird Geld für die Einrichtung der Marcel-Reich-Ranicki-Stiftungsprofessur für Deutsche Literatur in Tel Aviv bereitgestellt. Wie zu dieser Partnerstadt Frankfurts sollen mit Hilfe der Stiftung auch die Beziehungen zu den anderen Partnerstädten intensiviert werden.

          Förderung des Hospizes und des Palliativhospitals

          Die Förderung des Hospizes und des Palliativhospitals nannte Ring eine „besonders wichtige Entscheidung“. Angesichts einer immer stärker alternden Gesellschaft würden Einrichtungen unterstützt, die Modellcharakter für andere Städte hätten. Der Stiftung sei besonders an der Förderung solcher beispielhafter Initiativen gelegen.

          Wie Johann-Peter Krommer sagte, sollen die Erträge aus dem Stiftungskapital nach und nach auf etwa zehn bis elf Millionen Euro im Jahr steigen. Krommer war Leiter des Vorstandssekretariats in der Frankfurter Sparkasse und ist nun im Stiftungsvorstand für die Finanzen zuständig. Ring sagte, „vermögende Frankfurter“ könnten auch Zustiftungen tätigen, ohne Mitglied der Polytechnischen Gesellschaft zu sein. Angelegt wird das Stiftungskapital überwiegend in Renten, Aktien und Immobilien.

          Gemessen an ihrem Kapital, belegt die neue Stiftung Kaehlbrandt zufolge in Deutschland den elften Platz unter den Privatstiftungen. In Frankfurt und Hessen habe sie einen der ersten Plätze inne. Unter den „Bürgerstiftungen“, deren Kapital von mehreren Menschen und nicht von einem einzigen Förderer komme, sei sie die größte in Deutschland. Ihren Sitz hat die Stiftung am Schaumainkai. Außer den drei Vorstandsmitgliedern sind für die Stiftung drei weitere Mitarbeiter tätig. Ring hob hervor, daß alle Projekte auf ihre Wirksamkeit überprüft würden. „Denn wir wollen Erfolg haben.“

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