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Im Gespräch: Leiter des Priesterseminars in Frankfurt : „Sitzt, passt und hat Luft“

  • Aktualisiert am

Der Regens von Sankt Georgen: Pater Stephan Kessler bildet Priesteranwärter aus. Bild: Eilmes, Wolfgang

Pater Stephan Kessler bildet am Jesuiten-Kolleg Sankt Georgen Priester aus. Es werden Jahr für Jahr weniger. Auch deswegen müsse sich einiges ändern, findet er. Für ihn hat Religion den „Geschmack von Freiheit“.

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          Wie sind Sie zum Priesterberuf gekommen, sind Sie katholisch aufgewachsen?

          Nein, in einem eher agnostischen Elternhaus, in einer ländlichen Region im Saarland. Diese dörfliche Gemeinschaft war stark kirchlich geprägt. Ich war aber nie Messdiener, was der üblichen katholischen Jünglingssozialisation entsprochen hätte. Solange die Andacht in der Kapelle am anderen Ende des Dorfes stattfand, durften wir als Kinder schlicht länger draußen spielen. Religion hatte den Geschmack von Freiheit. Aber ich bin auch nicht areligiös erzogen worden, meine Eltern haben durchaus mit mir gebetet. Die Welt des Glaubens war mir also nicht fern.

          Gab es ein Erweckungserlebnis?

          In keinster Weise. Zum Priesterberuf kam ich letztlich als Oberstufenschüler, der philosophische Texte las und dabei auf Sinnfragen und dann auch auf religiöse Fragen stieß. Das hat mich nicht mehr losgelassen.

          Sie haben sich als junger Mann für den Zivildienst entschieden und zudem ein Jahr in Indien Sozialarbeit geleistet. Sind Sie ein pazifistischer Gutmensch?

          Nein. Ich war damals der Auffassung, dass ich dieser Zivilisation in einem Altersheim besser dienen kann als an der Waffe. Außerdem wollte ich als Zivi in München ins Kino und ins Theater. Frieden und ein Leben in versöhnter Verschiedenheit sind das höchste Gut. Das heißt, den Frieden mit dem ganzen Herzen zu suchen, aber auch Grenzen zu ziehen und für Werte einzustehen. Pazifismus ist irreal in einer Welt, in der es knallharte Auseinandersetzungen gibt.

          Sie traten 1986 in den Jesuitenorden ein. Was war das Motiv dafür?

          Ich hatte das Studium abgeschlossen, ich hatte eine Stelle an der Uni, aber ich dachte: Das kann’s mit 25 oder 26 doch nicht sein. Dann fing ich an zu überlegen. Mönch? Hätte mich fasziniert, aber ich bin keiner.

          Warum nicht?

          Weil ich in der Stadt lebe und das Christentum für eine Stadtreligion halte. Nicht dass ich das Land verachtete, aber Paulus dachte niemals daran, auf dem Land zu predigen. Natürlich muss Kirche vor Ort sein, aber mit dem ganzen Apparat wirklich überall?

          Mönch also nicht, aber warum die Jesuiten und nicht die Franziskaner oder Benediktiner?

          Ich hatte in Indien Jesuiten kennengelernt, die mich beeindruckten, weil sie an die Ränder gingen, auch an die Ränder des Sozialen, ungeachtet der Religion.

          Sie leiten seit 2005 das Priesterseminar Sankt Georgen. Freuten Sie sich, als Sie zum Regens ernannt wurden?

          Nein. Zunächst mal schlief ich drei Nächte nicht. Priester sind heute ja ein geschlagener Stand. Mit der Ausbildung kann man wenig Lorbeer gewinnen. Ich möchte kein Mitleid mit der Kirche haben, aber sie ist im Moment nicht prägend.

          Warum?

          Es ist eine Menge aufzuarbeiten, die Missbrauchsfälle waren nur das eine. Auch da gibt es ein Gewaltproblem - nicht nur als Übergriffigkeit, sondern bezogen auf die geistliche Macht: Wo sind die Kriterien, die guten Kontrollen? Das Drama um Franz-Peter Tebartz-van Elst ist dafür ein Analog. Hier entgleisen Dinge, weil in asymmetrischen Beziehungen ausgehebelt werden kann, wer Kritik übt.

          Was müsste sich ändern?

          In der Priesterausbildung ganz viel. In Deutschland sitzen wir in einer Falle, weil wir zu viele theologische Ausbildungsorte und zu kleine Seminare haben. Ein gutes Seminar, in dem man einander kritisiert und einander aufbaut, braucht eine Gemeinschaft von 30 bis 40 Leuten.

          Und es sind?

          Es sind landauf, landab manchmal weniger als zehn. Da können Sie nicht wirklich wachsen und reifen. Und weil wir nicht immer die Stärksten anziehen, ist es noch mal schwieriger.

          Er findet, dass Priesterseminare früher „stramme klerikale Kasernen“ waren.
          Er findet, dass Priesterseminare früher „stramme klerikale Kasernen“ waren. : Bild: Eilmes, Wolfgang

          Wie viele Seminaristen haben Sie im Moment?

          Im Moment 25 aus vier Bistümern, die im Seminar wohnen, plus sieben, die gerade an einem anderen Ort studieren. Aber im nächsten Jahr werden es schon wieder weniger sein.

          Also Ausbildungsorte zusammenlegen?

          Das ist schwierig, aber angesagt. Priesterseminare und theologische Fakultäten gehören gemäß Konkordat zusammen. Wenn ein Bischof ein Priesterseminar schließt, entfällt der Grund, die jeweilige Fakultät zu erhalten. Meine Idee ist, dass in Deutschland angesichts so weniger Priesterkandidaten drei bis vier überdiözesane Seminarstandorte ausreichen. Die ersten drei Jahre könnte man an einem überdiözesanen Priesterseminar studieren, das eine qualifizierte menschliche und geistliche Ausbildung ermöglicht. Für die folgenden vier Semester der Vertiefungsphase steht dann ein Wechsel des Studienorts an: in der Regel an der Fakultät des Heimatbistums. Dort braucht es dafür neue, flexiblere Formen der Seminarausbildung.

          Warum braucht es größere Einheiten?

          In größeren Gemeinschaften sind die Lernfelder besser. Da finden sich eher literarisch Bewanderte, sportlich Interessierte, politisch Engagierte und abstrakt-metaphysische Denkkünstler. Das ist es. Aber wenn Sie von allem nichts haben und nur neun Leute, wie sollen die fünf Jahre lang aneinander reifen?

          Wie gehen Sie damit um, dass manche Ihrer Seminaristen 19 Jahre alt sind und andere 40?

          Um ehrlich zu sein, gehe ich gar nicht besonders damit um. Wir pflegen in Frankfurt einen sehr individuellen Stil, das Seminar hat die nötigen Regeln, setzt auf Selbstverantwortung. Ohnehin hat sich die Priesterausbildung in den letzten dreißig Jahren enorm professionalisiert. Zu früheren Zeiten waren das stramme klerikale Kasernen.

          Wie unterscheiden sich die Seminaristen von heute in Zahl und Qualität von denen, die damals mit Ihnen anfingen?

          Weil ich als Ordenschrist die Seminarausbildung nicht gemacht habe, kann ich Ihnen das nicht genau sagen. Das Problem für jemanden, der heute Priester werden will, ist doch: Welche Identität kann ich mir zulegen, was gibt mir berufliche Sicherheit? Kann ich für mich die ehelose Lebensform frei wählen? Werde ich dadurch ein Mensch, der mehr lieben kann, und nicht ein absonderlicher Kauz?

          Es werden immer weniger, die diese Fragen für sich positiv beantworten.

          Wenn Sie die Zeitungen aufschlagen, lesen Sie von den Austritten. Sie lesen von dem inneren Dissens, den es in der Kirche zu Recht und zu Unrecht gibt. Wie soll ein Student da die institutionelle Rückversicherung finden? Als Ausbildungsleiter muss ich natürlich gegensteuern. Eines ist jedenfalls sicher: Alte klerikale Formen werden es nicht sein. Für die Kirche von morgen können wir uns nicht an den Sozialgestalten eines vergangenen Katholizismus festhalten.

          Würden Sie sagen, dass diejenigen, die sich heute für den Priesterberuf entscheiden, konservativer sind als früher?

          Wer heute eintritt, tritt entschiedener ein, überlegter, mit einem festen Bild. Er sucht Sicherheit in einer Institution, die soziologisch gesehen im freien Fall ist.

          Das klingt ziemlich depressiv.

          In keinster Weise. Das Vertrauen aufzubauen, das verlorengegangen ist, wird schwer. Dennoch bin ich überzeugt, dass die Botschaft trägt, für die das Christentum und der Priester stehen. Aber es wird vielleicht nicht mehr so flächendeckend und nicht in der bisherigen Repräsentanz bestehen können. Das Wort „Pfarrei“ kommt vom griechischen „paroikousa“ - kein Haus haben, nicht zu Hause sein in dieser Welt. Ich denke, dass manche Standards geändert werden müssen, weil sie nicht mehr der gesellschaftlichen Realität entsprechen.

          Was heißt das?

          Wir sind keine Volkskirche mehr.

          Aus, Ende?

          Überhaupt nicht. Christen haben etwas zu künden, das sonst keiner beiträgt. Der Mensch ist ja heillos religiös. Deswegen muss er aber nicht in die Kirche gehen, das erleben die Kirchen derzeit bitter. Damit die Kirche mit ihrer Lehre, mit ihrem Angebot wieder gehört wird, muss sie die Verhältnisse von Menschen kennen. Deshalb müssen wir viel experimenteller werden, wir müssen in Milieus gehen, ohne sie zu bepredigen, sondern um sie zu erfahren. Das ist schon Mission.

          Lehren Sie das Ihre Studenten?

          Das ist ein leider bisher unverwirklichter Traum, den Studenten zu sagen: „Gehen Sie durch die Stadt und suchen Sie die Orte, an denen heute dem unbekannten Gott geopfert wird. Betreten Sie keine Kirche und keinen religiösen Ort, sondern gehen Sie dahin, wo Menschen viel Menschliches investieren, und bleiben Sie wortlos einfach mal da.“ Genau hier muss Kirche ansetzen und nicht einfach nur ihr System reproduzieren. Dazu braucht es Menschen, die rausgehen, und auch das kann man in einer Gruppe besser lernen.

          Hat Papst Franziskus der Kirche einen Aufschwung gebracht?

          Innerlich ja, aber ich glaube nicht, dass es sich in Zahlen niederschlägt. Doch die Menschen spüren, dass ihm das Wort „Ehekrach“, bei dem auch einmal die Teller fliegen, nicht fern ist. Die Stimme des Papstes ist wichtig, aber nicht die einzige. Wir glauben an Jesus Christus, nicht an den Papst.

          Zurück zur Priesterausbildung. Was ist die Voraussetzung?

          Ein Priesterseminar ist dazu da, um herauszufinden, ob jemand „aptus et idoneus“, also geeignet ist. Ich übersetze das mit „Sitzt, passt, wackelt und hat Luft“.

          Als Regens müssen Sie vermutlich Ermunterer sein, aber auch aufpassen, dass niemand Priester wird, der möglicherweise krumme Sachen macht.

          Ja. Natürlich will ich ermutigen, aber ich muss auch Grenzen aufzeigen und setzen. Es klingt kitschig, aber manchen muss ich sagen: „Ich glaube, dass Sie nicht glücklich werden“, dass es eben nicht passt, dass da jemand sich und andere überfordert.

          Wie häufig kommt das vor?

          Immer mal wieder. Mein Ideal ist es, das nicht erst am Ende der fünf Jahre zu kommunizieren, wenn ich größte Bedenken habe, sondern spätestens ein Jahr vorher und mit benennbaren Gründen. Niemand hat ein Recht auf Weihe. Ich lege dem Bischof ein Votum vor, aber der Bischof kann sich auch anders entscheiden.

          Gibt es Spätzünder?

          Die gibt es. Neulich hatten wir einen, der war kein Prüfungsheld, dafür besitzt er andere Qualitäten. Auch das Apostelkollegium war ja kein „Winning Team“, sondern eher ein bunter Haufen.

          Kommt es vor, dass Studenten von sich aus gehen?

          Ja. Ich erinnere mich an einen, der vor nicht allzu langer Zeit sagte, er habe erkannt, dass der Priesterberuf nichts für ihn sei und dass er eine Familie gründen wolle. Da war jetzt nicht die Freundin schon im Hintergrund, das gibt es auch. Wenn jemand kommt und sagt: „Ich muss austreten, ich habe mich verliebt“, dann sage ich: „Moment mal. Fünf Jahre müssen Sie nicht bleiben, aber dieses Semester schon noch. Sie sind aus vernünftigen Gründen hierhergekommen, Sie werden, wenn es sein muss, auch aus vernünftigen Gründen wieder gehen, aber nicht Knall auf Fall.“

          Sie haben gesagt, die heutigen Priesterseminaristen seien entschiedener. Sie haben auch gesagt, es kämen nicht immer die Besten. Klingt nicht gut, wenn man beide Äußerungen zusammennimmt.

          Dann kann einem ziemlich mulmig werden. Deshalb bin ich je länger desto mehr ein Fan von jungen Leuten, die sich nach dem Abitur in der Welt umsehen. Einer hat Altenpflege für polnische KZ-Überlebende gemacht und dabei Polnisch gelernt. Ein anderer hat in Argentinien ein Jahr lang Mikrokredite an Bauern vermittelt, dabei lernt man, „Nein“ zu sagen.

          Die Jesuiten gelten als die Schlauen. Wie viel Wert legen Sie auf intellektuelle Brillanz?

          Niemand muss hier den Nobelpreis gewinnen. Intellektuelle Brillanz an sich halte ich gar nicht für erstrebenswert. Ein Priester muss sich beweisen können in Situationen, in denen er menschlich herausgefordert ist, vom Hospiz über die Aidskranken und das Gefängnis bis zu den Obdachlosen an der Liebfrauenkirche. Dazu braucht er Theologie. Dennoch müssen Seminaristen die zehn Semester mit einer gewissen Leichtigkeit hinbekommen, immer gerade so am Rand entlangzuschrammen reicht nicht.

          Sind Priesterseminaristen bessere Menschen, oder gibt es wie in jedem Betrieb Neid, Missgunst, Konkurrenz?

          Die „invidia clericalis“, der klerikale Neid, ist eines der Hauptlaster der Priester, nicht nur in den Sündenkatalogen des Mittelalters. Seminaristen sind Menschen mit einem hohen Ich-Ideal, was eben auch die Problematik des Scheiterns mit sich bringt. Außerdem sind wir hier lauter Männer, die ihre Identität suchen. Das kann kreativ sein, aber auch missgünstig.

          Wie machen Sie Männern klar, dass es toll ist, auf Sexualität zu verzichten?

          Das ist ja gar nicht toll.

          Eben.

          Aber sie verzichten ja nicht auf Sexualität. Ich bin ein Mann und bleibe es, auch wenn ich zölibatär lebe. Es leben ja mehr Menschen zölibatär, als man gemeinhin denkt, gerade im angeblichen Single-Paradies Frankfurt.

          Aber die leben ja unfreiwillig zölibatär.

          Zum Teil auch freiwillig, weil sie beispielsweise ihrem Beruf folgen. Ehelos zu leben heißt für mich, herauszufinden, ob ich der Lebensform Jesu nachgehen und sie akzeptieren kann. Wenn ich mich in einer Beziehung binde, ist das meines Erachtens nicht anders als in einer zölibatären Lebensform, wobei ich zugebe, dass die unnatürlicher ist. Doch die Ehe ist ja auch ein Wagnis, denn es könnte hunderttausend Schönere, Bessere geben.

          Die Sexualethik der katholischen Kirche hält er für „etwas verschwurbelt“.
          Die Sexualethik der katholischen Kirche hält er für „etwas verschwurbelt“. : Bild: Eilmes, Wolfgang

          Wenn ein Seminarist zu Ihnen kommt und sagt, er habe sich in den Semesterferien verliebt und mit einer Frau geschlafen, muss er sein Studium abbrechen?

          Er muss sehen, wo er hinwill. Wenn das drei Monate vor dem Ende seines Studiums passiert, würde ich ihn zwar nicht relegieren, aber schon sagen: „Jetzt müssen wir uns was überlegen, denn da zeigt sich etwas in Ihnen durch die Nähe zu dieser Frau, die Sie gesucht oder gewährt haben.“ Einem jüngeren Semester würde ich empfehlen, darüber nachzudenken, was ihm die Erfahrung eines sexuellen Kontakts, der ihn stark bindet, bedeutet und ob er den Weg weiter gehen kann und will. Übrigens kommen ja nicht nur unberührte Jünglinge hier an.

          Sind Ihnen die mit Erfahrungen lieber?

          Das macht keinen Unterschied. Am Ende kommt es darauf an, erfahren zu haben, wer man als Mensch, als Mann und als Christ ist in seiner emotionalen, affektiven und sexuellen Bedürftigkeit. Wir sind nicht auf die Gürtellinie fixiert. Zölibatäre Lebensweise ist mehr als verknauserte Enthaltsamkeit.

          Werden die Seminaristen darauf vorbereitet, dass sie sich möglicherweise nach der Priesterweihe verlieben?

          Menschen, die sich für den Priesterberuf entscheiden, gehen oft mit einem hohen Ich-Ideal auf die Sache zu und neigen dazu, diese Fragen auszublenden. Ich spreche ex officio ausdrücklich und sehr deutlich darüber, damit dafür eine Sprache gewonnen wird und die Seminaristen sehen, der Regens hat keine Probleme damit, die Dinge beim Namen zu nennen. In der katholischen Kirche haben wir ja doch eine etwas verschwurbelte Sexualethik, die wir oft nicht klar kommunizieren können.

          Ist Homosexualität ein Tabuthema in der Ausbildung?

          Das darf es nicht sein. Das Papier, das Papst Benedikt zu Beginn seines Pontifikats zu Weihesakrament und Homosexualität erlassen hat, nennt das klare Kriterium: Bin ich bereit zur Enthaltsamkeit, und kann ich mich frei von sexualisierten Milieus bewegen? In Zeiten des Internets muss ja niemand mehr einen dusseligen Bahnhofskiosk aufsuchen, das ist in jedem Zimmer, und das muss man offen ansprechen.

          Ein junger Mann kommt zu Ihnen und sagt: „Ich interessiere mich für das Priesteramt, aber ich sage es Ihnen gleich: Ich bin schwul.“ Wie reagieren Sie?

          Ich frage ihn, ob er bereit ist, ehelos enthaltsam zu leben. Und es gibt in dem erwähnten Schreiben Benedikts ein weiteres Kriterium: Muss ich meine Sexualität zum Thema meiner Verkündigung machen? Die Kirche steht für die Verkündigung der Botschaft Jesu Christi und nicht der eigenen Sexualität.

          Das heißt, er soll nicht darüber reden?

          Nicht davon verkündigen. Das heißt, er muss dazu für sich eine Sprache finden und korrekte Beziehungen zu Frauen und Männern und Kindern aufbauen können. Als derjenige, der ein Votum abgibt, halte ich es nicht für legitim, so nach der persönlichen Sexualität zu fragen, dass jemand in die Situation kommt, möglicherweise lügen zu müssen. Das wird in den Bistümern unterschiedlich gehandhabt. Nach mehreren Jahren gemeinsamen Seminarlebens wissen Sie, wie jemand lebt.

          Muss ein Priester heute psychisch robuster sein als früher?

          Ja. Auch weil sein Job viel weniger akzeptiert ist. Die zölibatäre Lebensform macht einen leicht zum Outcast. Ein Pfarrer, der erklärt, dass er wegen einer Frau geht, erfährt doch heute in seiner Gemeinde breite Unterstützung bis zum Applaus.

          Die Geschichte der Jesuiten ist begleitet von allerlei Zuschreibungen bis hin zu Verschwörungstheorien. Begegnet Ihnen das noch?

          Wir sind nicht mehr so gut, dass man uns Verschwörungen zutraut.

          Die Fragen stellten Werner D’Inka und Peter Lückemeier.

          Zur Person

          Stephan Kessler wird 1959 in Bad Ems geboren. Während seines Studiums der Theologie, Anglistik und Geschichte in Freiburg und in Dublin leistet er ein Jahr Sozialarbeit in Indien.

          Im Jahr 1986 Eintritt in den Jesuitenorden und ordensinterne Ausbildung. 1991 Priesterweihe durch Bischof Karl Lehmann, 1992 Promotion in Freiburg mit einer Arbeit über Papst Gregor den Großen.

          Seit 2005 leitet Pater Stephan Kessler als Regens die Priesterausbildung des überdiözesanen Seminars Sankt Georgen in Frankfurt, an dem er auch als Dozent für Historische Theologie unterrichtet.

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