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Stempel : Noch lange nicht abgestempelt

Vor allem die elektronische Kommunikation mache der Branche zu schaffen

Doch nicht jeder Flexograf darf die Gutachterstempel und Dienstsiegel anfertigen. Um etwa ein kleines Landessiegel des Bundeslandes Hessen herzustellen, mit denen Verwaltungen, Schulen und Standesbeamten ihre Dokumente versehen, benötigt er vom hessischen Innenministerium eine Erlaubnis. Hierfür muss er ein Muster von Wappen und vorgeschriebener Schrift kaufen, ein Mustersiegel produzieren und einen Antrag stellen. Ist das Land mit seiner Arbeit zufrieden, darf er das kleine Landessiegel produzieren. Um die Siegel fälschungssicher zu machen, gestaltet sie der Flexograf nach ganz bestimmten Vorgaben und Regeln.

Der Stempelmarkt zeigt sich nach Thorns Worten einigermaßen stabil mit einem leichten Trend nach unten. Vor allem die elektronische Kommunikation mache der Branche zu schaffen. Für die Zukunft sei daher entscheidend, wie stark sich elektronische Signaturen durchsetzten. Thorn erwartet aber nicht, dass der Stempel komplett von der Schreibfläche verschwindet. Außerdem tue sich ein neues Tätigkeitsfeld auf, mit dem vor Jahren noch niemand gerechnet habe: „Es werden immer mehr Gütesiegel entwickelt, weil es für Firmen immer wichtiger wird, ihre Umweltfreundlichkeit oder die Qualität ihrer Produkte zertifizieren zu lassen“, sagt Thorn. „Auch hier muss die zertifizierende Stelle ihren Stempel aufdrücken.“

Das Eldorade für Stempler liegt in den USA

Das Geschäft „Stempelmeer“ in Nieder-Eschbach hat sich auf Angebote für Hobbystempler spezialisiert. Inhaberin Silke Junginger hat in ihrem Laden ein umfangreiches Sortiment an Motivstempeln für Erwachsene zur Auswahl. Aber auch Material zum Gestalten von Papier und Karten bietet sie an. Die beliebtesten Motive wechseln je nach Mode: „In den vergangenen Jahren waren zum Beispiel Eulen der Renner“, sagt die Fachhändlerin. „Blumen und Herzen gehen aber immer.“ Stempeln könne man, je nach Kissen und Farbe, fast alles: auch Leinwände, T-Shirts, sogar Glas und Porzellan.

Vor mehr als zehn Jahren hatte Junginger zum ersten Mal Motivstempel auf einer Fachmesse entdeckt: „Ich war fasziniert, was man damit alles gestalten kann.“ So begann sie selbst in ihrer Freizeit zu stempeln und fand schnell heraus, dass es in den Vereinigten Staaten nicht nur deutlich mehr Motivauswahl, sondern auch mehr Stempler gab. Aus ihrem Hobby wurde Profession: Im Herbst 2004 gründete sie mit ihrem Mann Gregor Stockschläder in Oberursel das Geschäft „Stempelmeer“. Und es lief gut: Vor eineinhalb Jahren zogen sie nach Nieder-Eschbach um — und vergrößerten ihren Laden von vorher 70 auf 300 Quadratmeter.

Neue Anhänger für ein altes Hobby

Die vorwiegend weiblichen Kunden kauften Motivstempel aus unterschiedlichen Gründen, sagt die Unternehmerin: die einen, weil sie für eine Hochzeit oder Taufe einmalig Karten gestalten wollen; die anderen, weil sie gerne basteln und das Stempeln als Hobby für sich entdeckt haben. „Viele, die mit dem Stempeln angefangen haben, sagen, dass es auf eine positive Weise süchtig macht“, sagt Junginger. „Irgendwann geht es auch darum, eine möglichst große Auswahl zu haben und besondere Motive zu ergattern. Da schlägt der Sammeltrieb durch.“ Von Kassel bis Heidelberg machten sich regelmäßig Stempelbegeisterte auf den Weg in das Geschäft. Ihre Produkte bezieht sie hauptsächlich von amerikanischen Herstellern.

Heute schreiben viele lieber SMS-Kurznachrichten und E-Mails oder schicken eine Nachricht über Facebook, weil es schneller geht. Doch nach Ansicht Jungingers findet das Hobby in Deutschland neue Anhänger. Die Fachhändlerin sieht darin einen Gegentrend zur elektronischen Kommunikation: „Gerade für Freunde und die Familie machen immer mehr Leute Karten selbst“, sagt Junginger. „Sie investieren gern Zeit und Mühe, um ihre besondere Wertschätzung auszudrücken.“

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