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Steigenberger-Vorstandschef : „Der Frankfurter Hof ist nach wie vor unser Flaggschiff“

„Kann man nicht nachbauen“: Willms in der Thomas-Mann-Suite im Frankfurter Hof am Frankfurter Kaiserplatz Bild: Frank Röth

Mitarbeiter mit Tattoos? Vorstandschef Thomas Willms äußert sich im Interview über diese Frage sowie über das Wachstum der Hotelgruppe Deutsche Hospitality, die Strahlkraft der Marke Steigenberger und Häuser ohne Restaurants.

          Herr Willms, Sie arbeiten seit zwei Jahren für die Deutsche Hospitality, die Dachmarke der Steigenberger AG. In der Rhein-Main-Region hat die Gruppe acht Hotels mit 2500 Zimmern. Wie wichtig ist da der mit 300 Zimmern vergleichsweise kleine Frankfurter Hof, das Grandhotel in der Frankfurter Innenstadt?

          Jacqueline Vogt

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Enorm wichtig. Das ist unser Flaggschiff nach wie vor, das Aushängeschild schlechthin. Deshalb muss man ihn gut pflegen und besonders im Auge behalten. Es gibt Hotels, mit denen verdient man viel Geld, und es gibt Hotels, die kann man vorzeigen; idealerweise macht man natürlich beides.

          Sie kennen den Frankfurter Markt noch aus Ihrer Zeit bei anderen Hotelgesellschaften. . .

          . . .ja, ich kam 1983 das erste Mal in die Stadt.

          Wofür stand und steht der Frankfurter Hof in Ihren Augen?

          Als junger Mann habe ich dieses Hotel mit Ehrfurcht betrachtet. Dahin auszugehen, die Freundin auszuführen, war schwer, auch finanziell. Ohne Krawatte kam man auch gar nicht rein, es war etwas Besonderes. So eine Schwellenangst gibt es heute nicht mehr, das Haus hat sich geöffnet, spätestens als die Brasserie Oscars mit eigenem Zugang von der Straße her eröffnet wurde. Heute macht die Mischung aus Hotelgästen und urbanem, städtischem Publikum, aus jüngeren und älteren Leuten die Atmosphäre in diesem Grandhotel so besonders. Das Hotel ist ein Marktplatz der Kulturen, und das ist einfach toll.

          Die Deutsche Hospitality besitzt heute 120 Hotels verschiedener Marken. Bis 2024, haben Sie unlängst auf einem Branchenkongress in Frankfurt angekündigt, sollen es 250 sein. Wie soll das in diesem kurzen Zeitraum geschehen?

          Mit den Hotels, die gerade im Bau sind, haben wir aktuell sogar 150 Häuser. Weiter und vor allem schneller wachsen wollen wir insbesondere mit zwei neuen Marken. Die eine ist „Maxx by Steigenberger“, die wir 2018 auf den Markt gebracht haben. Die andere ist die Marke Zleep, mit derzeit 16 Häusern in Skandinavien, die wir in diesem Jahr erworben haben. Mit ihr steigen wir ins Economy-Geschäft ein, in dem wir bis jetzt nicht tätig waren.

          Zleep gibt es noch nicht in Deutschland.

          Das wird sich bald ändern. Mit „Maxx“ und auch mit Zleep wollen wir im Franchisegeschäft wachsen. Dafür sprechen wir Häuser an, die nach Anschluss suchen, bei Buchungssystemen, im Einkauf. Wir haben viele, die sich dafür interessieren, in der Pipeline.

          Was sind das für welche, inhabergeführte Hotels, kleine Gruppen?

          Kleine Gruppen wären perfekt.

          Warum sollen die zu Ihnen wechseln wollen?

          Wir beobachten gerade einen Wandel bei inhabergeführten Häusern. Die Generation, die den Babyboomern nachfolgt, will oft nicht mehr dieselbe Arbeit in ein Hotel investieren wie die Eltern. Gleichzeitig wird die Welt immer digitaler, auch im Hotelvertrieb, es ist schwierig, da alleine zurechtzukommen, das können Familienbetriebe kaum leisten. Viele wollen sich einer Gesellschaft anschließen, sie suchen aber bewusst nicht nach einem der großen amerikanischen Unternehmen.

          Wie viele solcher Interessenten haben Sie aktuell?

          Bei unserer Aufsichtsratssitzung im März hatten wir 18 neue mögliche Projekte auf der Agenda, mit denen wir uns beschäftigt haben, im Juni waren es 13. Nicht jedes Projekt wird realisiert, aber im Durchschnitt planen wir gerade mit einem Hotel pro Monat. Solch eine Entwicklung hat natürlich auch ihre Herausforderungen, den Personalmangel in unserer Branche vor allem. Es ist im Moment fast leichter, Gäste zu finden als Mitarbeiter.

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