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Standortmarketing : Charmeoffensive, zweiter Teil

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Los geht es mit einer kleinen Spitze. "Meine Herren des Vorstands", beginnt Frankfurts Oberbürgermeisterin Rothihre Rede bei der 100-Jahr-Feier der Deutschen Bank Frankfurt - und betont „Herren“ so auffällig, daß es fast einem augenzwinkernden Anmahnen einer Frauenquote für Führungskräfte gleichkommt.

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          Los geht es mit einer kleinen Spitze. "Meine Herren des Vorstands", beginnt Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) ihre Rede bei der 100-Jahr-Feier der Deutschen Bank Frankfurt - und betont "Herren" dabei so auffällig, daß es fast einem augenzwinkernden Anmahnen einer Frauenquote für Führungskräfte gleichkommt. Obwohl die Deutsche Bank ja mal eine Frau im Vorstand hatte, Ellen-Ruth Schneider-Lenne, aber das war wohl eher Zufall und ist auch schon lange her. Daß er die Anspielung verstanden hat, gibt Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in seiner Rede sofort zu erkennen und betont das "Frau" vor "Oberbürgermeisterin" gleichermaßen spitz.

          Ansonsten aber ist man ganz nett zueinander. Ackermann setzt seine Charmeoffensive aus der Feierstunde der Hochschule für Bankwirtschaft fort. Er lobt den Standort und formuliert Kritik eher konstruktiv. Etwa so: Wenn man wolle, daß nach internationalen Fusionen der Sitz der neuen Unternehmen in Frankfurt sei, dann müsse man bei den Steuern etwas tun. Und er berichtet davon, daß man sich bei der "Initiative Finanzstandort Deutschland" darum gekümmert habe, wie man Geschäft von London nach Frankfurt zurückholen könne. "Wir brauchen einen starken Heimatmarkt, sonst kann man in Lateinamerika nicht erzählen, daß man die beste Bank sei." Es müsse in Deutschland zumindest eine Bank geben, die international mitspielen könne: "Wir können zum Beispiel den Frankfurter Mittelständler unterstützen, wenn er eine Akquisition in Australien macht und sich darüber beim Frühstück in den Zwillingstürmen mit jemandem auf Deutsch unterhalten will."

          Ackermann räumt ein, daß zu den Ursachen für die schwierige Situation der Banken in Deutschland neben strukturellen und konjunkturellen Gründen auch Managementfehler gehörten. Er zählt das "Verharren der Banken auf dem Ruhekissen der stillen Reserven" und das übertriebene "Drängen nach Größe" dazu. Das habe die Konzentration auf den Gewinn beeinträchtigt. Gleichwohl solle man keine Zeit mit Debatten darüber verbringen, ob das Glas halb voll sei oder halb leer, sondern "gemeinsam Sorge tragen, daß es sich füllt".

          Roth bedankt sich bei Ackermann, auch für die andere nette Rede, neulich in der Bankhochschule, in der er - voll Leidenschaft und ohne Manuskript - sein Bekenntnis zum Standort abgelegt und alle Abwanderungsgerüchte um die Deutsche Bank ins Reich der Märchen verwiesen hatte. Sie dankt aber auch für alles, was die Deutsche Bank für die Stadt getan habe, das Mäzenatentum, die Arbeitsplätze, und sie zitiert Goethe und Schiller zu dem nicht immer einfache Verhältnis von "Geld und Geist".

          Ackermann wird grundsätzlich und spricht davon, das sei die sogenannte zweite Dividende, die im modernen Management zu berücksichtigen sei: das, was ein Unternehmen nicht an die Eigentümer, sondern an die Gesellschaft als Ganzes ausschütten müsse. 13 Millionen Euro beispielsweise habe die Deutsche Bank, alles in allem, für Südostasien gespendet. Das liege ihm persönlich sehr am Herzen, er sei selbst dort gewesen. "Die Geschlossenheit, mit der Deutschland hilft, hat das Bild des Landes im Ausland wieder verändert", meint er festgestellt zu haben. "Das ist sicher gut." CHRISTIAN SIEDENBIEDEL

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