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Städtische Bühnen in Frankfurt : Druck und Drohung

Die Denkmalschützer machen darauf aufmerksam, dass das Foyer der Bühnen unter Schutz gestellt worden sei. Bild: dpa

Denkmalschützer möchten keinen Neubau der Städtischen Bühnen. Doch die große Frage lautet, wie lange sich der Spielbetrieb noch aufrechterhalten lässt, ohne dass die Bauaufsicht einschreitet.

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          Der Druck auf die Stadt wächst: Denkmalschützer machen sich für den Erhalt der Städtischen Bühnen stark. Verschiedene Verbände haben einen offenen Brief an die Stadt unterzeichnet, die sich im April gegen eine Sanierung der Theater-Doppelanlage entschieden hatte. Vor allem wegen der unkalkulierbaren Kosten.

          Die Denkmalschützer machen darauf aufmerksam, dass das Foyer der Bühnen durch ein im Mai veröffentlichtes Gutachten des Landesdenkmalamts unter Schutz gestellt worden sei. Damit wurde der Denkmalwert des herausragenden Glasbaus erkannt. Denkmalschutz bedeute Substanzschutz, heißt es. Den transparenten Charakter in ein neues Gebäude zu überführen, das ein gläsernes Foyer bekäme, sei nicht dasselbe.

          Aber auch geschützte Denkmäler können abgerissen werden, wenn sie sich aus bauphysikalischen Gründen nicht erhalten lassen oder der Erhalt gegenüber einer anderen Lösung unverhältnismäßig wäre. Die Stadt hat diese Abwägung getroffen. Lange wurde um den Erhalt der Bühnen gerungen, aber am Ende haben sich die Stadtverordneten doch für einen Neubau entschieden. Die alte Theateranlage ist dermaßen verbaut, dass eine Sanierung mit schwer kalkulierbaren Kosten verbunden wäre. Ein Neubau besäße eine hohe Kostensicherheit.

          Das Geld ist ohnehin nicht übrig

          Man kann nicht ernsthaft verlangen, das Gebäude so zu belassen, wie es ist. Natürlich tun das die Denkmalschützer auch nicht: Sie plädieren für ein Weiterbauen im Bestand und weisen darauf hin, dass vor allem die „Backstage“-Bereiche saniert werden müssen. Allerdings ist schwer vorstellbar, dass das Foyer erhalten bleibt, während dahinter ein neues Gebäude entsteht. Das könnte zu einem großen Gebastel führen, um das Foyer funktional und technisch sinnvoll mit dem Neubau zu verbinden.

          Ob für Neubau oder Sanierung, Frankfurt wird das Geld ohnehin so bald nicht übrig haben. Die Wette gilt: Oper und Schauspiel werden auch in zehn Jahren noch in der alten Doppelanlage spielen. Die große Frage lautet, wie lange sich der Spielbetrieb noch aufrechterhalten lässt, ohne dass die Bauaufsicht einschreitet.

          Zum Schluss macht der auch von Icomos unterzeichnete offene Brief noch eine Rechnung auf: Die Stadt habe doch Ambitionen, ihre Siedlungen der Moderne als Welterbe anerkennen zu lassen. „Ein Erbe von Weltrang zu besitzen ist das eine, sich als Hüterin dieses Erbes als würdig zu erweisen ist das andere“, heißt es. Da werden Themen vermischt, die nichts miteinander zu tun haben. Das ist besonders pikant, weil Icomos die Unesco beim Weltkulturerbe berät – und eine klare Drohung. Nach dem Motto: Wenn Ihr die Bühnen abreißt, könnt Ihr Euer Welterbe vergessen.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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