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Streit in Frankfurt : „Auch eine Sanierung der Städtischen Bühnen ist möglich“

Am 30. Januar hatten die Stadtverordneten beschlossen, dass die Theater-Doppelanlage zugunsten eines Neubaus verschwinden soll. Bild: Picture-Alliance

Die Zweifel an der „Unsanierbarkeit“ der Städtischen Bühnen in Frankfurt werden lauter. Außer Denkmalschützern stellen nun auch Architekten den Beschluss der Stadt in Frage, die Bühnen abzureißen.

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          Eine Sanierung der Städtischen Bühnen in Frankfurt wäre nicht nur aus baukulturellen Gründen geboten, sondern auch ökologischer und womöglich sogar wirtschaftlicher als ein Neubau. Zu diesem Schluss kommt die Initiative „Zukunft Städtische Bühnen“, die in der Evangelischen Akademie zu einer Podiumsdiskussion eingeladen hatte, der 170 Zuhörer im Internet folgten. Die Initiative wendet sich gegen den Beschluss der Stadt, das Gebäude abzureißen.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Am 30. Januar hatten die Stadtverordneten beschlossen, dass die Theater-Doppelanlage am Willy-Brandt-Platz zugunsten eines Neubaus von Schauspiel und Oper verschwinden soll. Aufwendige Untersuchungen hätten ergeben, „dass selbst eine Basissanierung der Theaterdoppelanlage keine Kostenvorteile gegenüber dem Neubau von Schauspiel und Oper bietet und zudem mit erheblichen baulichen Risiken verbunden wäre“, heißt es in dem beschlossenen Koalitionsantrag, dem auch fast alle anderen Fraktionen zustimmten. Eine Sanierung könne daher ausgeschlossen werden.

          Um die Untersuchungsergebnisse zu überprüfen, hatte die Stadt ein Planerteam mit einem „Validierungsgutachten“ beauftragt. Zu dessen Verfassern gehört Astrid Wuttke, die in der Geschäftsleitung des Architekturbüros Schneider und Schumacher sitzt. „Auch eine Sanierung ist grundsätzlich möglich“, sagt sie. Die Möglichkeiten, das Gebäude zu erhalten, seien jedoch bislang nicht ausgeschöpft worden. Außerdem sei der Denkmalwert des Foyers im Rahmen der ersten Untersuchung gar nicht berücksichtigt worden.

          Dem Baudenkmal respektvoll, aber mutig begegnen

          Wuttke meint, der Aspekt des „Weiterbauens“ komme zu kurz. „Weiterbauen bedeutet weit mehr als Bestandserhalt. Dem Baudenkmal respektvoll und gleichzeitig mutig zu begegnen, Potentiale zu erkennen und daraus mit Geschick individuelle unverwechselbare und eigenständige Lösungen zu entwickeln, bei denen vermeintliche Nachteile zu Qualitäten werden, erfordert mindestens so viel Kompetenz und Kreativität wie jedes Neubauprojekt“, meint sie. Das Gebäude sei schon einmal weitergebaut worden, daran könne man anknüpfen. „Wir haben hier ein bauliches Erbe, das steht für etwas.“ An dem Standort sei ein zukunftsweisendes Gebäude möglich, das den Bestand aufgreift.

          Die Architektin nennt im persönlichen Gespräch und in der Podiumsdiskussion eine Reihe von Punkten, die in dem ersten Gutachten nicht abschließend beantwortet worden seien. Es sei klar, dass das Gebäude nicht im laufenden Betrieb umgebaut werden könne. Die Haustechnik müsse komplett getauscht werden, verbrauche aber weniger Platz als bisher angenommen. Es sei möglich, die Kulissen platzsparender zu lagern. Zudem seien die Anforderungen an die Interimsspielstätten unangemessen hoch. Ob die Ausweichspielstätte für die Oper tatsächlich eine Drehbühne benötigt, stellt Wuttke in Frage.

          Als Standorte für eine temporäre Spielstätte bringt sie den Grüneburgpark, den Kulturcampus oder die Wallanlagen ins Gespräch. Auch ein Risikozuschlag von 30 Prozent für die Sanierungsvariante sei nicht verhältnismäßig. Für die Architektin Maren Harnack ist vor allem die Frage offen, „was wir uns unter diesem neuen Haus vorstellen“. Der Architekt Claus Anderhalten wirbt ebenfalls für eine Weiterentwicklung des Bestands. „Weiterbauen ist eine Herausforderung, wenn man mit ruinösen Gebäuden umgehen muss. Aber es lohnt sich.“ Hinter und in der Fassade der Doppelanlage steckten viele erhaltenswerte Bausteine wie das Foyer und die Reste des historischen Schauspielhauses, die man freilegen, ergänzen und neu interpretieren könne. „Ich kenne wenige Häuser, die in dieser Komplettheit erhalten sind.“

          Baudezernent Jan Schneider (CDU) spricht sich für einen Neubau der Bühnen im Osthafen aus. Das bisherige Gebäude sei eine „absolute Spezialimmobilie“, in der die unterschiedlichen Anforderungen nur sehr schwer abgebildet werden könnten. „Ich verstehe, dass man an diesem Ort hängt“, sagt der Dezernent. Der Willy-Brandt-Platz habe städtebaulich aber die Qualität einer großen Straßenbahnhaltestelle. Eine wie auch immer geartete Lösung an dieser Stelle sei weder funktionaler noch günstiger oder von größerem künstlerischen Mehrwert für die Bühnen. Die Stadt habe sich weniger gefragt, wie man Bestehendes weiterentwickeln, sondern wie für 1100 Mitarbeiter eine zukunftsfähige Arbeitsstätte entstehen könne. Das sei in einem gemeinsamen Neubau für Theater und Oper am ehesten der Fall, zumal dann auch die Interimsspielstätten entfielen. Eine Spartentrennung führe zu logistischen Problemen.

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