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Stadtplanung : Frankfurt soll „Ökotropolis“ werden

Modellquartier: Heinrich-Lübke-Siedlung in Praunheim Bild: Felix Seuffert

In Frankfurt soll in den nächsten Jahrzehnten neuer Wohnraum geschaffen werden. Außerdem sollen ökologische Projekte umgesetzt werden. In schwierigen Stadtteilen sollten „Leuchtturmschulen“ entstehen. Das sind drei Ideen aus einer langen Reihe von Vorschlägen, die in der Denkschrift „Frankfurt für alle“ zu finden sind.

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          Für die Schaffung von neuem Wohnraum in Frankfurt in den nächsten Jahrzehnten solle ein Masterplan erarbeitet werden. Frankfurt solle sich mit ökologischen Projekten als eine Art „Ökotropolis“ profilieren. In schwierigen Stadtteilen sollten „Leuchtturmschulen“ eingerichtet werden. Das sind drei Ideen aus einer langen Reihe von Vorschlägen, die in der Denkschrift „Frankfurt für alle“ zu finden sind. Die rund 200 Seiten starke Studie, die Handlungsperspektiven bis zum Jahr 2030 geben soll, wurde Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) überreicht. Roth kündigte an, dass die Ergebnisse der Studie in politische Initiativen münden sollen. Auch sei beabsichtigt, mit den Bürgern darüber zu diskutieren.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Laut Albert Speer, dessen Büro AS&P die Denkschrift federführend erstellt hat, gab die wachsende Städtekonkurrenz Anlass, sich über die Zukunft Frankfurts systematisch Gedanken zu machen. Es gehe darum, die Anziehungskraft der Stadt auf die kreativen Eliten der Wissenschaftsgesellschaft zu stärken. Nur dann könnten auch künftig Unternehmen erfolgreich angesiedelt werden. Gleichzeitig dürfe man über die „Wissensnomaden“ aber nicht die übrige Gesellschaft aus dem Blick verlieren, daher der Titel „Frankfurt für alle“. Gemeinsam mit Vertretern der Polytechnischen Gesellschaft und deren Stiftung habe man ein Jahr lang rund 130 Experten aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Bildung, Wissenschaft und Kultur befragt. Die Studie wurde von Unternehmen finanziert. Zu den Geldgebern gehören die Deutsche Immobilien Chancen, die UBS und die Steubing AG. Auch die Interessengemeinschaft Frankfurter Geldinstitute, die Handwerkskammer Rhein-Main und die Industrie- und Handelskammer Frankfurt haben sich an der Finanzierung beteiligt.

          Beleuchtete Joggingpfade

          Die Autoren der Studie haben fünf Themenschwerpunkte, für die sie jeweils Thesen formulieren. Zum Fokus „Lebensqualität“ etwa ist zu lesen, dass mehr preiswerter Wohnraum für Familien geschaffen werden müsse. Auch unkonventionelles Wohnen, etwa Mehr-Generationen-Häuser oder Atelierwohnungen, sollte gefördert werden. Anhand von Modellquartieren wie der Heinrich-Lübke-Siedlung in Praunheim könne gezeigt werden, wie ökologische, soziale, technische, wirtschaftliche und gestalterische Neuerungen miteinander verbunden werden könnten. Zusätzlicher Wohnraum solle vor allem durch Verdichtung vorhandener Quartiere geschaffen werden.

          Der öffentliche Raum sei aufzuwerten, etwa durch ein besseres Fußwegenetz in der Innenstadt oder durch „Shared Space“ in den Stadtteilen, also die gemeinsame Nutzung des Straßenraums durch Autofahrer, Fußgänger und Benutzer anderer Verkehrsmittel. Die Tatsache, dass Frankfurt eine Sportstadt sei, müsse stärker ins allgemeine Bewusstsein gerückt werden, sagte Speer. Das könne etwa durch beleuchtete Joggingpfade geschehen.

          Kaehlbrandt: „Bewusste Zuwandererstadt“

          Speer hob hervor, dass sich Frankfurt noch stärker als Stadt der Künste profilieren müsse. So sollte nach Amsterdamer Vorbild eine Agentur eingerichtet werden, die Künstlern günstige Ateliers beschaffe. Im Osthafen könnte ein Campus für Musik und Darstellende Künste entstehen; dort sei auch neben klassischen Hafennutzungen Platz für „experimentelle Stadtbausteine“ mit Kultureinrichtungen und Wohnungen. Speer schwebt ferner eine schwimmende Bühne im Fluss vor. In der Kultur sollte Frankfurt eine enge Zusammenarbeit mit Offenbach anstreben. Das könnte auch der Ausgangspunkt für eine stärkere regionale Zusammenarbeit sein, die in die gemeinsame Ausrichtung einer Internationalen Bauausstellung münde.

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