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Stadtgeschichte : Föderalismusreform am Main

Auf Seite 22 der Goldenen Bulle taucht der Name Frankfurt zu ersten Mal auf Bild: F.A.Z. - Foto Michael Löwa

Sieben Exemplare existieren von der Goldenen Bulle. Das jüngste, aber wichtigste Exemplar liegt normalerweise im Stadtarchiv. Zur Großausstellung „Die Kaisermacher“ in Frankfurt wird das historische Dokument zu sehen sein.

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          Die Goldene Bulle - Angela Merkel wird sie vielleicht kennen, Franz Müntefering vermutlich auch, aber wie tief dieses Wissen geht, ist bei den beiden ebenso fraglich, wie das Maß der Kenntnis der meisten Ministerpräsidenten über dieses zentrale Dokument deutscher Geschichte.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dabei haben die Kanzlerin und die anderen politischen Granden sich doch in den vergangenen Wochen intensiv mit der Föderalismusreform befaßt, die das Gleichgewicht zwischen Bund und Ländern, zwischen Zentralmacht und Partikularmächten neu austarieren soll. Gewisse Kenntnisse von der Goldene Bulle, die unter anderem die Wahl des Kaisers und das Machtverhältnis zwischen ihm und den Kurfürsten regelte, wären also nicht von Schaden gewesen. Immerhin hat dieses föderalistische Grundgesetz des alten Reichs knapp fünf Jahrhunderte lang recht gut funktioniert.

          Eine derart lange Lebensdauer werde der gestern im Bundestag diskutierten neuen Föderalismusregelung nicht beschieden sein, scherzte Sylvia Schenk gestern. Die frühere Sportdezernentin sprach nicht als Rechtsanwältin, die sie jetzt im Hauptberuf ist, sondern als Vorsitzende der Gesellschaft für Frankfurter Geschichte - gegründet 1837 und somit der älteste Geschichtsverein Deutschlands. Und dieser Verein wird angesichts der für den Herbst vom Historischen Museum, dem Jüdischen Museum, dem Dommuseum und dem Institut für Stadtgeschichte geplanten Großausstellung „Die Kaisermacher“ in seinem Programm die Goldenen Bulle herausheben, nach deren Anleitung die Kaiser in Frankfurt gewählt wurden.

          Nachlesen der Vorschriften

          Zum einen in zwei Vorträgen im Institut für Stadtgeschichte, wobei am 6. April Fritz Backhaus über „Die Frankfurter Juden und ihr Verhältnis zum Kaiser“ spricht und am 27. April Barbara Dölemeyer über „Reichsrecht, politische Propaganda und Festbeschreibung in den Wahl- und Krönungsdiarien“. Zum anderen widmet die Gesellschaft den neuen Band in ihrer Reihe „Archiv für Frankfurter Geschichte und Kunst“ der Goldenen Bulle. Das Werk erscheint als einer von zwei Katalogbänden zur Ausstellung.

          Überhaupt hat sich die bisher etwas verstaubte Gesellschaft viel vorgenommen. Sie möchte stärker in der Öffentlichkeit in Erscheinung treten, sich, wie Vorstandsmitglied Thomas Rautenberg angab, vor allem auch an Kinder und Jugendliche wenden: zum Beispiel mit Unterrichtseinheiten zur Frankfurter Historie oder mit einem Frankfurter Geschichtsbuch für Kinder. Beides gibt es laut Rautenberg noch nicht. Auch arbeitet man in der Gesellschaft, die etwa 1000 Mitglieder besitzt, an einem neuen Logo und einem modernen Erscheinungsbild. Vorgesehen ist ferner eine Kooperation mit der Historisch-Archäologischen Gesellschaft und den örtlichen Geschichtsvereinen.

          Doch vorerst dreht sich alles um die Goldene Bulle. Anfassen darf man das Buch aus Pergament nur mit Handschuhen - was in der Vergangenheit nicht der Fall war, weshalb der Einband abgewetzt ist und die ersten Seiten an der unteren Ecke abgegriffen wirken. Sieben Exemplare gibt es von diesem deutschen Grundgesetz, das Frankfurter ist das jüngste, erst 1366, also zehn Jahre nach Abschluß der Vereinbarung, ausgefertigt. Aber es ist das wichtigste, weil es in der Folgezeit als Reichsexemplar angesehen und zum Nachlesen der Vorschriften verwendet wurde. Normalerweise liegt es in einem Safe im Stadtarchiv, wer es sehen will, hat die Gelegenheit vom 30. September an in der Ausstellung „Die Kaisermacher“.

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