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Stadtentwicklung : Urban Entertainment Center: Von Wolkenkratzern und Luftschlössern

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Es dürfte auf der ganzen Welt nur wenige Luftschlösser geben, in deren Planung so viel echtes Geld investiert worden ist wie in das "Urban Entertainment Center" auf dem früheren Hauptgüterbahnhofsareal südlich der Messe.

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          Es dürfte auf der ganzen Welt nur wenige Luftschlösser geben, in deren Planung so viel echtes Geld investiert worden ist wie in das "Urban Entertainment Center" auf dem früheren Hauptgüterbahnhofsareal südlich der Messe. Mehr als 50 Millionen Euro an Berater- und Architektenhonoraren sowie an Personalkosten der beteiligten Unternehmen hat das Vorhaben nach Meinung von Insidern mittlerweile verschlungen. Mehrfach ist der Baubeginn als unmittelbar bevorstehend angekündigt worden, doch bisher ist nichts geschehen.

          Nun sind lange Vorbereitungsphasen mit etlichen Rückschlägen bei Projekten dieser Größenordnung nichts Ungewöhnliches. Der Markt ändert sich mitunter rascher, als die Planer folgen können. Und doch gilt: Wird ein Großprojekt bis zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht ins Werk gesetzt, verliert es an Ausstrahlungskraft, und das gilt in der Branche als tödlich.

          Erste, kurzlebige Planungen für eine Umnutzung des Hauptgüterbahnhofs mit seinen unansehnlichen Lagerhallen gab es Mitte der achtziger Jahre. Die Stadt platzte aus allen Nähten, und das Areal schien für entlastende Expansionspläne geeignet. Stadt und Bahn beauftragten das Büro von Albert Speer, ein städtebauliches Konzept zu entwickeln. Später war sogar kurz von einem "Westend 2" die Rede. Danach wurde es wieder ruhig um das Areal.

          Erst 1996 entschloß sich die Deutsche Bahn dann endgültig, den Rangier- und Güterbahnhof südlich der Messe aufzugeben. Der damalige Planungsdezernent Martin Wentz (SPD) wollte der Bahn sogar das exklusive Baurecht für Hochhäuser zugestehen. Auf diese Weise sollte der Bahn die Möglichkeit gegeben werden, den geplanten Tunnel unter der Innenstadt zu finanzieren. Dazu kam es nicht. Doch seit jener Zeit war - wie in Frankfurt üblich - die einmal gegebene Zusage einer überaus dichten Bebauung nicht mehr aus der Welt zu schaffen. Im Jahr 1997 tauchte dann die Idee auf, ein Musicalhaus auf dem Areal zu errichten. Schnell wuchsen sich die Pläne zu einem "Erlebnispark" aus. Die Stella AG und die Eisenbahn-Immobilien-Management GmbH (EIM) wollten an der Güterstraße einen Komplex mit Musical-Theater, Kino, Einkaufszentrum, Hotelhochhaus sowie Restaurants und Geschäften errichten. Der Baubeginn wurde für das nächste Jahr angekündigt. Es war das erste Mal, daß ein kühner Termin genannt wurde. Viele weitere Ankündigungen sollten folgen, alle erwiesen sich als haltlos.

          In seiner ursprünglichen Gestalt entsprach das "Urban Entertainment Center" der klugen Konzeption des Planungsdezernenten Wentz, das ungewöhnlich zentrumsnah gelegene Messegelände stärker zur Stadt hin zu öffnen. Den Messebesuchern sollte für den Abend ein attraktives Unterhaltungsangebot gemacht werden, um sie in der Stadt zu halten. Es ging ausdrücklich nicht um ein hochkulturelles, sondern um ein populäres Angebot. Hotel- und Einkaufsflächen - später kamen noch Büros hinzu - sollten nach der Konzeption Wentz' vor allem dafür sorgen, daß sich das Musicaltheater rentierte.

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