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Stadtentwicklung : Durch das Ostend wird ein Ruck gehen

Bauplatz: Hinter dem Zaun soll in vier Jahren der mit der Großmarkthalle verbundene EZB-Turm stehen Bild: Frank Röth

Die Großmarkthalle hält ihren letzten Winterschlaf. Im April 2009 beginnt die EZB mit dem Bau ihrer neuen Zentrale. Von der Entwicklung wird auch das Ostend profitieren. Allerdings erst nach Jahren.

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          Die Baustelle an der Großmarkthalle liegt im tiefen Winterschlaf. Die Jalousien der Baucontainer sind heruntergelassen, Bodendecker wuchern in der schon zur Hälfte ausgehobenen Baugrube. Auf einer zugefrorenen Pfütze könnten die Main-Enten ungestört Eishockey spielen. Dies ist der letzte Winterschlaf der Großmarkthalle. Im Frühjahr sollen die Bagger anrollen und die Baugrube für den Büroturm ausheben, in den die Mitarbeiter der EZB in vier Jahren einziehen wollen.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bis das Ostend von der EZB profitiert, wird es wohl noch etwas länger dauern. Die kürzeste Zeiteinheit der Stadtentwicklung ist ohnehin das Jahr. Und mehrere Jahre werden wohl verstreichen, bis die geplante Mainbrücke zwischen Oberrad und Osthafen gebaut wird und die Blumen im geplanten Hafenpark blühen. Die Entwicklung auf den gewerblichen Baubrachen im Ostend könnte von der Ansiedlung der EZB profitieren. Gastronomie und Einzelhandel rechnen ebenfalls damit, dass sich die 1.400 EZB-Mitarbeiter rund um ihren neuen Arbeitsplatz auch versorgen werden.

          Wohnungsbau ermöglichen

          Stadtplaner und Projektentwickler hoffen, dass mit dem Bau der EZB ein Ruck durch das Ostend geht. Doch einige bezweifeln, dass die segensreichen Wirkungen tatsächlich eintreten. Zu den Optimisten zählt der frühere Planungsdezernent und heutige Projektentwickler Martin Wentz. „Die EZB wird vor allem die mittlere Hanauer Landstraße beflügeln“, prognostiziert Wentz, der mit dem Feuerwachen-Areal selbst ein Bauvorhaben in der Nachbarschaft betreut.

          Er glaubt daran, dass sich das Ostend zum „starken Unterzentrum“ im Vergleich etwa zu Sachsenhausen entwickeln wird. Um die EZB-Mitarbeiter im Ostend zu halten, müsste die Stadt nun auch Wohnungsbau ermöglichen. Dies ist beidseits der stadtauswärts überwiegend gewerblich genutzten Hanauer Landstraße bisher nicht möglich, für Wentz aber „die logische Konsequenz“.

          Vermischung zwischen EZB und Nachbarschaft

          Ardi Goldman, der sich als Projektentwickler den Ruf eines Pioniers im Ostend erarbeitet hat, ist nicht erpicht auf „lauter kleine Banker, die durch das Ostend laufen“, wie er sagt. Doch er rechnet auch gar nicht damit, dass sich die EZB-Mitarbeiter im Ostend ausbreiten werden. „Die werden in ihrem EZB-Quartier bleiben.“ Goldman freut sich dennoch über die verbesserte Anbindung des Viertels. Der Übergang zwischen Innenstadt und Ostend werde durch den neuen EZB-Turm fließender.

          Auch Immobilienmakler beurteilen die Entwicklungschancen des Ostends eher verhalten. Carsten Ape, Frankfurter Niederlassungsleiter von CBRE, rechnet zwar mit einem Schub für die Hanauer Landstraße, will die Wirkung jedoch nicht überbewerten. Sein Kollege Oliver Barth von BNP Paribas ist noch vorsichtiger. „Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Bankenlage nun nach Osten verlagert, ist gleich null.“ Er rechnet schon wegen des hohen Sicherheitsbedürfnisses der Notenbank nicht mit einer Vermischung zwischen EZB und Nachbarschaft. „Die EZB wird sich in einem abgeriegelten Bereich einrichten.“

          Reihe von Einzelprojekten

          Barth trauert auch den verpassten Chancen des Großmarkthallen-Areals hinterher. Zwar sei der EZB-Neubau eine Augenweide und für die Stadtentwicklung wichtig. „Doch es ist schade, dass dort eine weitere Gewerbenutzung gebaut wird, während anderswo in der Innenstadt große Gewerbebrachen stehen.“ Die Stadt habe sich mit der Ansiedlung der EZB nur bedingt einen Gefallen getan. „Wohnungsbau hätte dort am Main hervorragend funktioniert“, glaubt der Makler.

          Doch die Stadt ist für solche Kritik zumindest vorübergehend nicht erreichbar. Denn der Tag, an dem sich die EZB für den Neubau entschieden hat, ist für den Magistrat ein Feiertag. „Es ist entscheidend, dass die EZB in Frankfurt Flagge zeigt“, sagt der Sprecher des Planungsdezernenten. Er rechnet mit einer Reihe von Einzelprojekten, die dem Neubau folgen werden. Die Entwicklung des Honsell-Dreiecks, die wieder an Fahrt aufgenommen hat, zählt er dazu. Die Stadt werde bei der Verkehrserschließung und der Gestaltung der Grünflächen ihren Beitrag leisten. „Wir setzen das um, was wir uns vorgenommen haben.“

          Davon aber, dass große Ereignisse im Ostend ihre Schatten voraus werfen, kann am Tag der Entscheidung noch keine Rede sein. Die Großmarkthalle liegt im winterlichen Idyll.

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