https://www.faz.net/-gzg-11ekv

Stadtentwicklung : Auf dem Weg zum „Lyoner Viertel“

Olivetti-Türme in Niederrad: Bald Wohnungen in der Nachbarschaft? Bild: Wonge Bergmann

In der Bürostadt Frankfurt-Niederrad könnten 3.000 Wohnungen entstehen. Die Umwandlung der Arbeitsstadt in ein lebendiges Quartier ist ein städtebaulich höchst spannendes Experiment.

          6 Min.

          Sie heißen Campus Carré, Solitaire oder schlicht Bürocenter Hahnstraße. Nur wenige Fenster in den Bürogebäuden sind erleuchtet, obwohl es draußen novemberhaft düster ist. Doch hinter den Fassaden in der Bürostadt Niederrad arbeiten nicht nur umweltbewusste Stromsparer. Etliche Gebäude stehen zu weiten Teilen leer. „Riskieren Sie einen Blick“: Die großen Stelltafeln vor den Bürohäusern werben um Mieter. Sogar provisionsfrei. „Alles ist möglich“, heißt es auf einer Tafel. Wirklich alles? Auch Wohnungen? Die Stadt will den monofunktional geprägten Stadtteil jedenfalls in ein gemischt genutztes Quartier umwandeln.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          300.000 Quadratmeter Bürofläche stehen in der Bürostadt leer. Das ist rund ein Drittel der Gesamtfläche in dem Quartier, das in den sechziger und siebziger Jahren sein Gesicht als Arbeitsort und „Bürostadt im Grünen“ bekam, wie es damals hieß, und bis über die Jahrtausendwende hinaus weiterwuchs. Wer durch die Bürostadt flaniert, lernt ein bizarres Stück Frankfurt kennen. Eine Arbeitsstadt mit einer eigenen kleinen Skyline und vereinzelten architektonischen Höhepunkten wie den Olivetti-Türmen von Egon Eiermann. Große Unternehmen wie IBM, Nixdorf oder Nestlé errichteten hier einst ihre Verwaltungsgebäude.

          Attraktive Flächen

          Doch außerhalb der Arbeitszeiten liegt die Bürostadt wie ausgestorben da. Die gastronomischen Angebote wie der Imbiss „Ützel Brützel“ und der dünn gesäte Einzelhandel – im Bürohaus „Herriot’s“ gibt es ein Reisebüro und einen Weinladen – zielen auf die Versorgung der Büroangestellten. Eine gewisse Attraktivität hat die Bürostadt mittlerweile für Hotelbetreiber, die dort insgesamt sieben Häuser unterhalten.

          Die Struktur der Bürostadt ist geprägt von großen, unzusammenhängenden Freiflächen und solitärartigen Bürogebäuden. Da viele dieser Häuser nicht mehr den modernen Anforderungen genügen, sind sie nicht mehr zu vermieten. Andere, neuere Bauten sind zwar noch in gutem Zustand, aber dennoch zurzeit nicht besetzt. Angesichts eines Überangebots an Büroflächen auch in besseren Lagen – zwei Millionen Quadratmeter stehen in Frankfurt leer, attraktive Flächen sind in der Innenstadt im Entstehen oder zum Beispiel im Stadtteil Gateway Gardens am Flughafen oder im Europaviertel geplant – ist höchst ungewiss, ob sich das ändern wird.

          Neue Standorte erschließen

          Die leerstehenden Büros könnten Wohnungen Platz machen. Ziel ist es, die monofunktionale Struktur aufzubrechen und das Viertel zu einem lebendigen Stadtteil zu entwickeln: zum „Lyoner Viertel“, wie es in einer aktuellen Studie des Stadtplanungsamtes heißt. Auch angesichts eines heiß umkämpften Wohnungsmarkts, knapp werdender Wohnbauflächen und des zumindest bis 2020 zu erwartenden Bevölkerungswachstums erscheint eine Umwandlung der Bürostadt sinnvoll.

          Zwar entwickelt die Stadt schon jetzt neue Wohnquartiere, etwa auf dem Riedberg, im Europaviertel oder in Preungesheim. Doch der Frankfurter Planungsamtsleiter Dieter von Lüpke ist der Meinung, dass die Stadt schon jetzt über diese Phase hinausblicken und neue Standorte erschließen müsse, wenn sie keine weitere Verknappung von Wohnraum riskieren wolle. „Das Thema Transformation und Entwicklung innerstädtischer Lagen wird in diesem Zuge an Bedeutung gewinnen.“

          Durch Bäume begrünt

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Putin am Montag zu Besuch beim saudischen König Salman in Riad.

          Russland und die Kurden : Syrien ist jetzt Putins Spielfeld

          Russlands Präsident ist die Spinne im Netz der Konflikte des Nahen Ostens. Sein Triumph hat auch damit zu tun, dass die Amerikaner ihn in Syrien lange Zeit gewähren ließen.
          Sogenannte Fußballfans in Bulgarien, einem „der tolerantesten Länder der Welt“?

          Gegen den Hass : Die Strafen müssen weh tun

          Im Fußball hat sich ein Klima entwickelt, in dem sich Rassisten und Nazis ungeniert ausleben. Sanktionen schlugen bislang fehl. Ohne Punktabzüge und Disqualifikationen wird es nicht gehen. Aber selbst das reicht nicht.
          Wer zu den Besten in der Forschung gehören möchte, muss sich den Platz hart erkämpfen. Auch in Deutschland gibt es hierfür inzwischen Graduiertenschulen, die die Promovierenden unterstützen.

          Spitzenforschung : Wo die Promotion zur Selektion wird

          Amerikas Dominanz in der Spitzenforschung hat auch die hiesige Nachwuchsförderung kräftig umgekrempelt. Wer oben mitspielen will, muss an eine Graduiertenschule und sich von dort aus die begehrten Plätze erkämpfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.