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Ausbau des ÖPNV in Frankfurt : Nur noch drei Varianten für U4 -Lückenschluss

Weiterfahrt geplant: Die Strecke der U 4 soll in einigen Jahren über die Bockenheimer Warte hinaus weiter nach Ginnheim führen, um die bestehende Lücke zu schließen und das Frankfurter U-Bahn-Netz weiter auszubauen. Drei Trassenvarianten werden jetzt tiefergehend untersucht. Bild: Michael Braunschädel

Wird die U4 entlang der Zeppelinallee gebaut, auch wenn es dort alle Bäume kostet, oder es geht unter dem Grüneburgpark durch: Die Stadt lässt beides prüfen.

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          Die Planung wird immer konkreter, welche Strecke eines Tages die U-Bahnen von der Bockenheimer Warte aus weiter in Richtung Ginnheim nehmen werden, um eine wichtige Lücke im Frankfurter U-Bahn-Netz zu schließen. Denn derzeit gibt es nur eine zentrale Verbindung aus dem Norden in die Innenstadt, und zwar über die U-Bahnen, die auf der Eschersheimer Landstraße fahren. Mit dem ge­planten Lückenschluss der U 4 würde, da­von ist man im Römer überzeugt, eine „zweite attraktive Verbindung“ geschaffen, die zudem bei Störungen auf der Eschersheimer Landstraße eine Alterna­tive böte. Und die so entstehende neue Strecke könnte einen großen Teil der Stadt direkt mit dem Hauptbahnhof verbinden.

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seitdem im Jahr 2017 die Stadtverordneten das Verkehrsdezernat beauftragt ha­ben, die Verlängerung der U4 vertiefend zu prüfen, sind insgesamt 16 Trassenvarianten ins Gespräch gebracht worden. Dabei kam schnell die zentrale Frage auf: Soll der kürzeste und damit für die U-Bahnen schnellste Weg von der Bockenheimer Warte in Richtung Norden gesucht werden, indem die Strecke dem Straßenverlauf der Zeppelin- und Miquelallee sowie weiter der Rosa-Luxemburg-Straße folgt? Oder wird der Campus Westend der Goethe-Universität mit seinen rund 40 000 Studenten und Universitätsbeschäftigen angebunden? Dazu wäre allerdings die Untertunnelung eines Teils des Palmengartens und des gesamten Grüneburgparks notwendig.

          Das Mobilitätsdezernat hat jetzt angekündigt, nur drei Varianten in einer „tie­fergehenden Machbarkeitsstudie gleichwertig und ergebnisoffen“ zu untersuchen, und hat diese am Donnerstagabend auf Einladung der beiden betroffenen Ortsbeiräte der Öffentlichkeit vorgestellt.

          Kritik an geplanter U-Bahn-Station „Botanischer Garten“

          Danach ist eine Variante, formal die 3 i, die U-Bahn-Strecke unter dem Grüne­burgpark hindurchzuführen mit einer U-Bahn-Station am Theodor-W.-Adorno-Platz. Die wäre also zentral auf dem Campus-Gelände gelegen. Die Trasse würde weiter unter der Miquelallee hindurchgeführt, um im westlichen Teil des Miquelparks aufzutauchen und dann oberirdisch entlang der Rosa-Luxemburg-Straße zur U-Bahn-Station in Ginnheim geführt zu werden. Der Tunnel würde mit einer so­genannten Tunnelvortriebsmaschine ge­bohrt werden, wie dies bereits im Europaviertel bei der U5 geschah, um von der Europaallee unter den Häusern hindurch am Platz der Republik zu enden.

          Die anderen beiden Varianten, 1a und 1d, gehen zurück auf die allerersten Überlegungen: Sie würden eine direkte Verbindung entlang beziehungsweise so­gar unter der Straße von der Bockenheimer Warte nach Ginnheim darstellen. Dabei würde die 1a in offener Bauweise realisiert. Das ist kostengünstig, würde aber den Verlust praktisch aller Bäume an der Zeppelinallee bedeuten. Neu hinzugekommen ist deshalb die von den Planern vorgeschlagene Variante 1d. Sie folgt derselben Stecke wie 1a, nur eben unterirdisch durch einen Tunnel. Bei beiden Varianten würde der Botanische Gar­ten in Mitleidenschaft gezogen, da die U-Bahn am Rand des mittlerweile städtischen Parks auftauchen müsste.

          Wolfgang Siefert, persönlicher Referent von Mobilitätsdezernent Stefan Majer (Die Grünen), kündigte als nächsten Schritt an, dass auf der Grundlage der drei Varianten die Machbarkeitsstudie weiter vorangetrieben werde. Dazu seien umfassende Baugrund- und Grundwasseruntersuchungen erforderlich, mit denen zum Teil schon im Sommer begonnen wurde. Ergänzt werde die Untersuchung durch ein Baumgutachten. Außerdem würden die möglichen Varianten hinsichtlich der ökologischen Nachhaltigkeit und der CO2-Bilanz analysiert. Auch dazu, so Siefert, werde es ein unabhängiges Gutachten geben sowie Abstimmungen mit Behörden und Fachämtern, nicht zuletzt mit dem Land Hessen und dem Bund. Schließlich wird das Projekt, das im Jahr 2020 auf Kosten von 200 bis 300 Millionen Euro geschätzt wurde, wesentlich von Land und Bund finanziert. Er gehe davon aus, sagte Siefert, dass in eineinhalb Jahren, also An­fang 2024, die Machbarkeitsstudie vorliege. „Damit gibt es dann Fakten, die belegen, welche Trasse die beste ist.“

          Auf die Frage, wann die Strecke fertig sei, sagte Siefert: „Da wird sicher eine drei bei den Jahrzehnten vorne stehen.“ Bei weiteren Nachfragen der rund 100 anwesenden Bürger wurde die Sorge um die Zukunft des Parks deutlich. „Die meisten sind hier aus Angst, dass der Grüneburgpark am Ende nicht mehr die grüne Lunge in der Innenstadt sein wird, wie er es derzeit ist“, sagte ein Teilnehmer. Mit Blick auf den Klimawandel brauche die Stadt Grünflächen und „noch mehr davon“. Und er ergänzte, dass die Bürger Angst hätten, „vor vollendete Tatsachen bei diesem Großprojekt gestellt zu werden“.

          Andere Redner forderten, gleich auf die Parkuntertunnelung zu verzichten und stattdessen eine der beiden direkten Va­rianten von Bockenheim nach Ginnheim zu wählen. Einige plädierten dafür, zur Ergänzung eine neue Straßenbahn auf dem Reuterweg zu schaffen, um die große Zahl der Studenten vom Campus Westend an die S-Bahn zu bringen. Siefert verwies darauf, dass das Mobilitätsdezernat dafür keinen Auftrag habe.

          Kritik gab es an der vorgesehenen U-Bahn-Station „Botanischer Garten“, da nicht zu erkennen sei, was dadurch besser erreicht werden könne. „Was liegt denn da in der Nähe?“, fragte ein Zuhörer. Und eine Politikerin aus dem Ortsbeirat, der auch für Escherheim zuständig ist, sagte: „Mein Rat ist, so weit wie möglich unter der Erde zu bleiben, bei diesem Lückenschluss. Wir sind geplagt von der durch die U-Bahn-Trasse zerschnittenen Eschers­heimer Landstraße.“

          Informationen zum U4-Lückenschluss gibt es auf der VGF-Homepage unter www.vgf-ffm.de.

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