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Für Autos gesperrte Straße : Stadt Frankfurt lässt Mainkai-Sünder blitzen

  • -Aktualisiert am

Unmissverständlich: Ein Teil der nordmainischen Uferstraße in Frankfurt ist für Kraftfahrer gesperrt – Ausnahmen bestätigen die Regel Bild: Lucas Bäuml

Die Stadt Frankfurt hat einen Teil der nordmainischen Uferstraße für Autos und Motorräder gesperrt. Weil die Sperrung der Straße oft missachtet wird, kontrolliert die Verkehrspolizei jetzt häufiger. Und blitzt.

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          Klaus Oesterling hat es eilig, aber irgendwie auch nicht. Der Verkehrsdezernent ist auf dem Weg zu einem Termin, nimmt sich jedoch die Zeit und bleibt für ein paar Minuten am nördlichen Mainufer stehen. Dort, wo sich die Kurt-Schumacher-Straße und der Mainkai kreuzen. „Das mache ich immer so, wenn ich hier vorbeikomme“, sagt der SPD-Politiker und dreht sich nach rechts. Er schaut nun von der kleinen Anhöhe vor der Alten Brücke zu der für ein Jahr probeweise gesperrten Straße hinab.

          Fast regungslos nimmt er zur Kenntnis, was sich vor seinen Augen abspielt. Ein Auto nach dem anderen umfährt die massiven Betonklötze, die aufgestellt wurden, um die Spur abzuriegeln. Auch die beiden Durchfahrt-verboten-Schilder schrecken nicht jeden ab. Doch wer sie ignoriert, bekommt Ärger. Unten, vor dem Maincafé, steht gerade die Verkehrspolizei. Der Blitz zuckt beinahe im Sekundentakt.

          Eine gewisse Genugtuung

          Vermutlich scheint es deshalb so, als verspüre Oesterling eine gewisse Genugtuung. Denn die Stadt hat auf die sich häufenden Fälle von Missachtung reagiert – mit Kontrollen. 20 Euro kostet die verbotene Auffahrt auf den Mainkai, der in der Gegenrichtung übrigens regulär befahrbar ist. „Bis keiner mehr in die Straße hineinfährt, wird es aber noch mehrere Monate dauern“, sagt Oesterling. Allein in den wenigen Minuten, in denen der Verkehrsdezernent an diesem Mittag an Ort und Stelle ist, rollen etwa zehn Autos den kleinen Hügel herunter und geraten in die Falle – den gesamten Tag über ist das nicht viel anders.

          Viele der Verkehrssünder kommen aus östlicher Richtung und sind offenbar ortskundig. „Das sind meistens Taxifahrer oder Pendler“, berichtet Hans Preißl, Referent im Verkehrsdezernat. „Der Anfangsverdacht, dass Leute durch ihr Navi fehlgeleitet werden und deshalb die Straße befahren, hat sich nicht bestätigt.“ Das Problem sei der Stadt schon seit einiger Zeit bekannt, die Kontrollen liefen inzwischen seit anderthalb Wochen. Belastbare Zahlen liegen allerdings noch nicht vor, weil die Auswertung eine Tücke birgt.

          „Wir blitzen ja nicht nach Geschwindigkeit, sondern alles, was in die Straße fährt, also auch Fahrradfahrer“, erläutert Rainer Michaelis, Leiter der Abteilung Verkehrssicherheit im Straßenverkehrsamt. „Die müssen dann natürlich wieder aussortiert werden.“ Trotzdem nennt er einen kleinen Richtwert. „Am vergangenen Donnerstag haben wir in etwas weniger als zwei Stunden 41 Autofahrer geblitzt.“ In nächster Zeit gingen die Kontrollen sporadisch weiter.

          Autofahrer fotografiert Verbotsschild

          Am Dienstagmittag sind allerdings nicht nur Ortskundige in die Falle gefahren. Ein Auto mit französischem Kennzeichen hat es erwischt, ein anderer Verkehrssünder kommt aus dem Kreis Gütersloh in Nordrhein-Westfalen. Er hat gedreht und wartet vor der Alten Brücke hinter einem kleinen, silbernen Lieferwagen. Dessen Fahrer ist ausgestiegen und fotografiert gerade das Schild, das die Durchfahrt verbietet, geht kurz ans Fenster des Hintermannes und wechselt ein paar Worte mit ihm. All das geschieht vor den Augen Oesterlings.

          Dabei sind die Schilder nicht zu übersehen. „Die Stadt hat alles getan, um zu kennzeichnen, dass die Durchfahrt dort verboten ist“, sagt Martin Daum, verkehrspolitischer Sprecher der CDU, und ergänzt: „Dass es Menschen gibt, die das ignorieren, ist bedauerlich, in dieser Thematik aber ein Nebenaspekt.“ Daum sieht die gesamte Mainkai-Sperrung weiterhin kritisch. In der verkehrspolitischen Runde der Römerkoalition will er heute Abend erwirken, dass Dezernent Oesterling nach zwei Monaten – also spätestens Anfang Oktober – eine Zwischenbilanz zieht. Daum fordert „Zahlen, Daten und Fakten“. Wolfgang Siefert, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen, ist indes optimistischer als der Dezernent. Nach der Einführung der Kontrollen vermutet er, „dass das Problem in ein paar Tagen gelöst ist“.

          Oesterling selbst ist skeptisch, glaubt aber an den Lerneffekt. „Ich denke nicht, dass die noch mal hier reinfahren“, sagt er und deutet auf den Lieferwagen und das Auto aus Gütersloh. Dann überquert er die Straße und geht in Richtung Sachsenhausen. Er muss schließlich noch zu seinem Termin.

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