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Commerzbank-Arena : Stadion soll 15 Millionen Euro mehr einbringen

Die Stadiongesellschaft und die Commerzbank streiten über zusätzliche Werbeflächen Bild: F.A.Z. - Frank Röth

Wieviel Werbung verträgt die Commerzbank-Arena? Die städtische Besitzgesellschaft schätzt die Verluste durch nicht genutzte Werbeflächen auf 15 Millionen Euro. Die Commerzbank hingegen pocht auf ihre Namensrechte an dem Stadion.

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          Die Stadt verzichte auf 15 Millionen Euro, die sie in den nächsten acht Jahren aus dem Betrieb der Commerzbank-Arena einnehmen könnte. Diese Summe nennt die Geschäftsführung der städtischen Stadionbesitzgesellschaft in einer Vorlage zur Aufsichtsratssitzung, die am 20. November stattfinden sollte, dann aber kurzfristig auf Mitte Dezember verschoben wurde.

          Matthias Alexander
          Stellvertretender Ressortleiter im Feuilleton.

          In dem Papier, das der F.A.Z. vorliegt, werden die Mitglieder des Aufsichtsgremiums darauf aufmerksam gemacht, dass sie sich der Vermögensgefährdung schuldig machten, falls sie den Missstand nicht abstellten. Es stelle sich die Frage, ob der Tatbestand der Untreue erfüllt werde.

          Strittige Megabanner

          Nach Ansicht der Geschäftsführung könnten mit Werbung an den beiden sogenannten Medientürmen vor der Haupttribüne des Stadions jährlich zwischen 600.000 und 800.000 Euro eingenommen werden. Bisher sei auf die Vermarktung dieser Flächen verzichtet worden, weil die Commerzbank auf dem Standpunkt beharre, dass dadurch ihr Namensrecht am Stadion beeinträchtigt würde. Die Geschäftsführung der Stadiongesellschaft hält die Position des Geldinstituts für nicht haltbar und weist darauf hin, dass die Fläche mit den beiden Medientürmen aus dem Gebiet herausgenommen worden sei, für das der Vertrag über die Namensrechte gelte. Die Medientürme dienen der Be- und Entlüftung der Tribünengebäude, ihren Namen tragen sie mit Blick auf die mögliche Nutzung als Werbefläche.

          Strittig zwischen Stadiongesellschaft und Commerzbank ist auch, ob an der Arena sogenannte Megabanner mit Werbung angebracht werden dürfen. Die Stadiongesellschaft hat nach eigenen Angaben 160.000 Euro in Vorrichtungen investiert, um solche Banner während der Fußball-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr befestigen zu können. Die Commerzbank hat einer derartigen Nutzung während des regulären Bundesliga-Spielbetriebs jedoch widersprochen. Nach Ansicht der Stadiongesellschaft lässt sich das aus dem Vertrag zum Benennungsrecht des Stadions aber nicht ableiten. Das Namensrecht schließe Werbung am Stadion nicht aus, sofern das Namensrecht „in seiner Gesamtwirkung“ nicht beeinträchtigt werde. Bannerwerbung könnte geschätzte 150.000 Euro im Jahr an Einnahmen bringen.

          Umstritten ist weiterhin auch die Gewährung von Freikarten für die Eintracht. Der Nutzungsvertrag zwischen der Eintracht Frankfurt Fußball AG und der Betreibergesellschaft sieht vor, dass von den Business-Sitzen auf der Haupttribüne ein Freikartenkontingent für Ehrengäste „im üblichen Rahmen“ zur Verfügung gestellt werde. Die private Stadion-Betreibergesellschaft stellt der Eintracht 292 Sitze zur Verfügung, was der städtischen Besitzgesellschaft, die an den betreffenden Einnahmen zu 30 Prozent beteiligt wird, deutlich überzogen erscheint. Sie verweist darauf, dass es in der Bundesliga keineswegs üblich sei, solche Business-Sitze dem Verein unentgeltlich zu überlassen. Den Einnahmeausfall für die städtische Gesellschaft beziffert deren Geschäftsführung auf mindestens 300.000 Euro im Jahr, auf die gesamte Vertragslaufzeit hochgerechnet, ergebe sich daraus ein Betrag von vier Millionen Euro.

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