https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt/sprachliches-dilemma-die-antifa-und-der-bastard-14880129.html

Sprachliches Dilemma : Die Antifa und der Bastard

  • -Aktualisiert am

„All cops are bastards“: Die queere Antifa findet den beliebten Demo-Schlachtruf problematisch. Bild: dpa

In der Asta-Zeitung der Frankfurter Uni geht man der Frage nach, ob man als Linker „All Cops Are Bastards“ sagen darf. Die Antwort ist nein. Aber aus anderen Gründen, als man vielleicht meint.

          1 Min.

          Warum gehört es sich für einen Linken nicht, „All cops are bastards“ zu brüllen? Dieser für den Demonstrationsalltag hochrelevanten Frage geht in der jüngsten Ausgabe der Frankfurter Uni-Asta-Zeitung ein anonymes Autorenkollektiv der queer-feministischen Antifa nach. Unter der Überschrift „Sexismus in der linksradikalen Szene“ stellen die Verfasser erst mal eines klar: „Selbstverständlich geben Polizist*innen und besonders deren Struktur tagtäglich legitimen Anlass, sie zu beleidigen.“ Zu diesem Zweck allerdings das Wort „Bastard“ zu verwenden, ist nach Auffassung der Autoren politisch inkorrekt: Wer sich dieser Bezeichnung für eine „Mischform“ bediene, verteidige damit eine „rassistische und sexistische Ideologie von Reinheit“, die unehelich gezeugte Kinder ebenso stigmatisiere wie die Nachkommen hetero-ethnischer Partnerschaften.

          Sascha Zoske
          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nun möchte aber auch der queer-feministisch aufgeschlossene Linke nicht auf die notwendige Beleidigung faschistischer Polizist*innenstrukturen verzichten. Was also tun? „Hurensohn“ respektive „Schlampe“ sind nach Auffassung der Autoren keine brauchbaren „Bastard“-Ersatzvokabeln, weil es sich hierbei ebenfalls um Ausdrücke handele, die bürgerlich-reaktionäre Moralvorstellungen perpetuierten.

          Wie wäre es denn mit „Bullenschwein“? Hierzu schweigt das Kollektiv. Aber wir ahnen, dass die vegane Antifa-Fraktion auch dagegen ihr Veto einlegen wird: inakzeptable Herabwürdigung nichthumaner Lebensformen! Bleibt womöglich nur, ganz auf die Beleidigung von Polizisten zu verzichten. Doch bevor eine solch kühne These Eingang in die Asta-Zeitung findet, wird in Frankfurt eher ein bekennender Queerfeminist Polizeipräsident.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Überklebtes Straßenschild an der Thomas-Mann-Straße in Prenzlauer Berg (Archivaufnahme)

          Kampf um die Sprache : Gendern diskriminiert

          Woher rührt das Unbehagen, wenn es um das Gendern geht? Viele Frauen (und auch viele Männer) ahnen, dass es nur eine neue Art der Diskriminierung ist.
          Wohin mit dem Geld? 50-Euro-Scheine und ein 20-Euro-Schein in einer Hemdtasche

          Mit Gewinn investieren : Die Krise als Anlagechance

          Der Kapitalmarkt ist durch ein tiefes Tal gegangen. Doch jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, um Mut zu zeigen – und das gilt vor allem für eine Anlageklasse.

          Vor dem zweiten WM-Spiel : Keine deutsche Extrawurst

          Der DFB gibt vor dem Duell mit Spanien keine gute Figur ab und verstößt gegen eine FIFA-Regel. Der Antwort auf die Frage, ob sein Team noch zu den WM-Topfavoriten gehört, weicht der Bundestrainer aus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.