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Sport-Verbot im Park : Sanfter Protest mit Sonnengruß

  • Aktualisiert am

Auf der Matte: Yoga-Kurs im Holzhausenpark Bild: Wonge Bergmann

Zum vorerst letzten Yoga-Kurs im Holzhausenpark kamen deutlich mehr Menschen als sonst. Der Grund: Die Stadt Frankfurt will das Sport-Angebot unter freiem Himmel verbieten. Das letzte Wort ist dazu aber noch nicht gesprochen.

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          Ein kleiner Junge düst auf seinem Fahrrad über den Weg, vorbei an der Gruppe, die auf dem Rasen auf Yogamatten sitzt, die Arme weit in den Himmel gestreckt. „Mama guck mal, das wär doch was für dich“, ruft er. Mama, einen Fußball unter den Arm geklemmt, lacht. Es ist Sonntagabend im Holzhausenpark. Noch ist es ziemlich warm. Die Wiese ist voll wild kickender Jungs-Gruppen, unter einem Baum feiert ein Kind Geburtstag, ein Vater sucht mit seinem Sohn nach einem Platz zum Federballspielen. „Ooooommmmm“, summen die Yogis auf ihren Matten im Chor, die Hände haben sie vor der Brust aneinandergelegt.

          Was der Kleine auf dem Fahrrad vermutlich nicht weiß: Wenn es nach der Stadt geht, gibt es den Kurs zum letzten Mal. An diesem Abend ist er unentgeltlich, damit er überhaupt stattfinden darf. Bisher haben die Teilnehmer jedes Mal eine Spende in die Schachtel der Trainerin getan. Das aber hieß: Die Kurse sind gewerblich. Und eine solche Nutzung erlaubt die Grünanlagensatzung der Stadt nicht.

          Polizei nahm Personalien auf

          Vor etwas mehr als zwei Wochen verschickte die Verwaltung daher Briefe an vier Trainer, die den Holzhausenpark für Sportkurse nutzen. Sollten sie damit weitermachen, hieß es darin in den Schreiben, werde man die Stadtpolizei informieren und ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einleiten.

          Auch Nadine Gerhardt, die das Yoga im Holzhausenpark im Schnitt vier bis fünf Mal in der Woche anleitet, bekam ein solches Schreiben. Die Polizei war da längst dagewesen und hatte ihre Personalien aufgenommen. Und auch am Sonntagabend tauchen wieder zwei Stadtpolizisten auf, als der Kurs vorbei ist. Sie hätten wieder Personalien aufgenommen, erzählt Gerhardt am nächsten Tag, und die Genehmigung sehen wollen. Die hatte die Trainerin – am Freitagnachmittag war sie per Mail vom Grünflächenamt gekommen. Im CC stand das Ordnungsamt, zu dem die Stadtpolizei gehört. Damit auch diese informiert sei, wie es in der Mail heißt.

          All das ärgert Gerhardt gewaltig. Und nicht nur sie: Zwischen 70 und 80 Menschen waren am Sonntagabend da, mehr als doppelt so viele wie sonst im Schnitt, darunter auch andere Sporttrainer. Ein ruhiger Protest gegen die Art und Weise, in der die Stadt plötzlich durchgreift. Das Verbot gewerblicher Aktivitäten in Grünanlagen gibt es zwar seit 1997. Bisher hat das, wurde es – was Sport betrifft, – aber offenbar niemand nicht durchgesetzt. Im Juli 2017 bekam Gerhardt sogar eine Nachricht vom Stadtmarketing, man wolle auf Social-Media über den Trend berichten.

          Zu voll, zu laut, zu viel Müll

          Irgendwann aber wurde es einem zu viel: Clemens Greve von der Frankfurter Bürgerstiftung im Holzhausenpark forderte die Stadt auf, zu intervenieren. Zu viele Sportkurse fänden im Park statt, manche hätten bis zu 200 Teilnehmer. Die Kurse seien laut, verdrängten andere Nutzungen, und die Sportler hinterließen Müll. Gerhardt sagt, sie habe nur einmal zur Mondfinsternis im Juli 200 Kursteilnehmer gehabt. Einen Gong habe sie den ganzen Sommer über nur an zwei Abenden gehabt, und nicht wie behauptet durch Lautsprecher verstärkt. Sie sagt, sie hätte sich gewünscht, dass Greve vorbeigekommen wäre und persönlich mit ihr gesprochen hätte.

          Die Stadt hat Gerhardt inzwischen ein erstes Gesprächsangebot für diese Woche gemacht, um sie „über die rechtliche Situation zu informieren“. Ihr letztes Gespräch mit einem Mitarbeiter dort – sie war hingefahren, kurz nachdem sie die Bußgelddrohung im Briefkasten fand – habe mit der Empfehlung geendet, sie solle sich vom Holzhausenpark fernhalten. „Ich wünsche mir, dass die Stadt auf uns eingeht“, sagt sie. „Der Bedarf an solchen Angeboten ist riesig.“ Sport im Freien fördere nicht nur die Gesundheit ganz anders als drinnen, vor allem bei Menschen, die den ganzen Tag am Computer sitzen. Auch das Miteinander werde gestärkt.

          In ihren Kursen seien Studenten und Banker, Rentner und Mütter, Arbeitslose und sogar Obdachlose, sagt Gerhardt. „Das hat man im Yogastudio einfach nicht, weil das für viele zu teuer ist.“ Deshalb findet sie es auch nicht gerechtfertigt, Sondergenehmigungen für Sport abzulehnen mit dem Argument, dann forderten sofort Flohmarktbetreiber, Fressbudenbesitzer und große Unternehmen dasselbe für sich ein. „Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht.“ Vom Gespräch mit der Stadt erhofft sie sich „eine klare, offizielle Lösung für beide Seiten“. Sie sei kompromissbereit, was Gebühren, Gruppengrößen, Musik und andere Regeln angeht.

          Greve hat inzwischen gemerkt, dass seine Intervention wohl bei so manchem nicht gut ankam. Deshalb hat er vorgeschlagen, möglichst bald ein Treffen von Bürgern, Trainern und Teilnehmern im Holzhausenschlösschen abzuhalten und eine Bürgergruppe zu gründen. So könne man Vorschläge zur Grünanlagensatzung erarbeiten und diese dem Ortsbeirat und dem Grünflächenamt vorlegen.

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