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Im Spiel gegen Straßburg : Antisemitismus im Eintracht-Block?

Laut der „Jüdischen Allgemeinen“ sollen Eintracht-Fans im Spiel gegen Straßburg antisemitische Kommentare geäußert haben. Bild: Helmut Fricke

Haben Fans von Eintracht Frankfurt den israelischen Schiedsrichter beim Spiel gegen Racing Strasbourg als „Judensau“ beschimpft? Nun hat der Bundesligaklub sich zum Vorfall geäußert.

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          Die Polizei versucht derzeit aufzuklären, ob es beim Eintracht-Spiel gegen Racing Strasbourg am vergangenen Donnerstag zu antisemitischen Äußerungen gegen den israelischen Schiedsrichter gekommen ist. Einem Bericht der „Jüdischen Allgemeinen“ zufolge wurde er als „Judensau“ beschimpft. Im Block 14 B habe die ganze Kurve mitgebrüllt. Die Polizei konnte einen solchen Vorfall gestern nicht bestätigen. Ein Sprecher sagte, man nehme die Behauptungen ernst und habe den Staatsschutz eingeschaltet. Allerdings gebe es bisher keinen Anhaltspunkt dafür, dass es entsprechende Rufe gegeben habe – schon gar nicht in großer Zahl, ausgehend von einem ganzen Block. „Wäre das der Fall gewesen, hätte die Polizei schon während des Spiels eingegriffen. Dann hätte es sich um einen Fall von Volksverhetzung gehandelt, der in jedem Fall verfolgt wird.“

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Sowohl während des Spiels als auch danach sei keine entsprechende Meldung bei der Polizei eingegangen. „Was jedoch wohl gerufen wurde, war das Wort ,Hurensohn‘“. Ob es sich um eine Verwechslung handele und der Begriff falsch verstanden worden sei, werde nun geprüft. Ebenso, ob das Wort „Judensau“ möglicherweise während der Halbzeitpause außerhalb des Blocks gefallen sei. Unbestätigten Berichten zufolge hat die Eintracht gestern ein Stadionverbot gegen einen Fan verhängt.

          Die Antisemitismus-Vorwürfe müssten sehr ernst genommen werden, heißt es bei den Grünen im Römer. Es dürfe keine Verharmlosung geben, sagte Natascha Kauder, die sportpolitische Sprecherin. Die Eintracht sei eine „Multikulti-Truppe“, in der jegliche Form von Diskriminierung keinen Platz habe.

          Der Verein hat mittlerweile eine Stellungnahme veröffentlicht. Laut dieser ist die Behauptung, der Schiedsrichter sei von größeren Gruppen, Tausenden oder sogar der ganzen Kurve als „Judensau“ beschimpft worden, falsch. Vielmehr sei der Unparteiische zwar beschimpft worden – jedoch ohne einen diskriminierenden oder antisemitischen Charakter. „Der in den Medien aufgegriffene Hinweis eines einzelnen Zuschauers auf antisemitische Sprechchöre im ganzen Stadion blieb tatsächlich auch der einzige dieser Art.“ Es soll demnach über den Spielverlauf hinweg einzelne Fälle antisemitischer Äußerungen von Zuschauern gegeben haben, die jedoch noch während des Spiels Konsequenzen für die Verursacher gehabt haben. „Dauerkarte, der Verhängung von Hausverboten bis hin zur Einleitung eines Vereinsausschluss-Verfahrens - sind bereits veranlasst.“

          Der Verein betonte seine abwehrende Haltung gegenüber jeglicher Form von Antisemitismus. Dies gelte auch für die zahlreichen Fans und Mitglieder der Eichtracht, die diese Haltung teilen würden.

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