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Spezial: Frankfurter Neubaugebiete : Die Stadt hebt die Reserven

Auch im Schatten des Henninger Turms in Sachsenhausen sollen zahlreiche Wohnungen entstehen Bild: Wonge Bergmann

Es wird eng auf dem Frankfurter Wohnungsmarkt. Im Europaviertel, auf dem Campus Bockenheim und am Henninger-Turm erschließt die Stadt in den nächsten Jahren die letzten größeren Flächen, die derzeit noch verfügbar sind. Mit diesem Ausblick endet unsere Serie über neue Wohnviertel.

          5 Min.

          Hinter der Emser Brücke beginnt die Steppe. Die Sandhügel und das Gestrüpp warten auf die ersten "Siedler", die hier ihre Häuser bauen und ihre Kinder großziehen werden. Das geht schon einige Jahre so. Immerhin ist die Kulisse imposant. Wie ein langgezogener Keil schiebt sich das Europaviertel zwischen die Messehallen und die Konzernzentrale der Deutschen Bahn, die wie eine Trutzburg aus Beton die Grenze zum Gallusviertel markiert.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Europaviertel, das sich, beginnend im Osten an der Friedrich-Ebert-Anlage, zwischen Messe und Gallusviertel unter der Emser Brücke hindurch bis zum Rebstockpark und fast bis zur Autobahn 5 zieht, ist die größte der drei Freiflächen im Stadtgebiet, die noch ihrer Erschließung als Wohnviertel harren. Dort sowie auf dem Campus Bockenheim und auf dem Henninger-Areal in Sachsenhausen soll Wohnraum für zusammengerechnet rund 16000 Einwohner entstehen. Es sind drei Zukunftsprojekte, die das Gesicht der Stadt entscheidend verändern werden. Die Stadtplaner können bei der Erschließung auf Erfahrungen zurückgreifen, die sie in den anderen Vierteln, die längst im Bau sind - also am Riedberg, am Frankfurter Bogen, an der Friedberger Warte und am Rebstockpark -, gemacht haben.

          Ein Vorteil bei der Erschließung des Europaviertels ist die überschaubare Eigentümerstruktur. Östlich der Emser Brücke entwickelt die Vivico das gesamte Gelände. Hier sind neben Bürogebäuden und Hochhäusern auch insgesamt 780 Wohnungen für rund 2000 Einwohner geplant. Und auf der westlichen Seite der Emser Brücke plant die Projektentwicklungsgesellschaft Aurelis, der ein Großteil des ehemaligen Gleisvorfeldes gehört, die Bebauung. In den nächsten Jahren entsteht dort Wohnraum für 2500 bis 3000 Menschen. Am Ende soll das Viertel sogar Platz für 9600 Frankfurter bieten.

          Die Europaallee, die einst die Hauptverkehrsader des Viertels sein soll, steht schon seit zwei Jahren zur Verfügung. Bisher führt sie westlich der Emser Brücke zwar noch einsam durch die Wüstenei. Aber östlich der Eisenbahn- und Autobrücke tut sich schon einiges. In diesem Quartier, das die Vivico unter dem Namen "Boulevard" erschließt und vermarktet, zeigen an der mit doppelten Baumreihen und Rasenflächen gesäumten Straße schon einige Schilder, was hier entstehen soll: Südlich der Europaallee sind achtgeschossige Wohnhäuser, nördlich davon Büro- und Geschäftsgebäude geplant, die Arbeiten haben schon begonnen.

          Die Verkehrsanbindung des Europaviertels ist vergleichsweise günstig. Sowohl durch die U-Bahn-Linie 4 als auch über zwei S-Bahn-Linien ist das Viertel erschlossen. Die Verlängerung der Linie 5 mit den Haltestellen Emser Brücke und Güterplatz ist geplant. Die Nahversorgung soll neben dem wenige Meter entfernt gelegenen Einkaufszentrum "Skyline Plaza", mit dessen lange umstrittenem Bau die Vivico noch in diesem Jahr beginnen will, ein Supermarkt abdecken. Für Kindergärten und Schulen müssen sich die Bewohner allerdings in den angrenzenden Vierteln umschauen.

          Das sieht im Westen des Europaviertels anders aus. Hier, wo die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft Hessen (GWH) und die Nassauische Heimstätte im Herbst an der Idsteiner Straße mit dem Bau von 350 neuen Wohnungen beginnen wollen, soll in jedem der drei Quartiere nördlich und südlich des Europagartens eine Kindertagesstätte entstehen. Auch eine Grundschule ist vorgesehen. Die Grundstückseigentümerin Aurelis baut im Unterschied zur Vivico nicht selbst, sondern veräußert baureife Grundstücke ihres rund 67 Hektar großen Areals an Investoren. Der zentral gelegene Europagarten ist als Verbindung zum Rebstockpark geplant. Von der zweiten Jahreshälfte 2009 an, wenn der Rückbau der Bahnflächen abgeschlossen ist, sollen die ersten Abschnitte des Grünzugs angelegt werden.

          Auf dem Campus Bockenheim ist die Entwicklung durch die neuen Mehrheitsverhältnisse nach der Landtagswahl ins Stocken geraten. Die Wohnungsgesellschaft ABG Holding und die OFB Projektentwicklung wollen das bisher von der Universität genutzte, rund 17 Hektar große Gelände vom Land Hessen erwerben und im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft (PPP) gemeinsam mit der Stadt entwickeln, sobald die Uni wie geplant im Jahr 2014 ihren Umzug auf den Campus Westend beendet hat. Das Land hofft, mit dem Verkauf des Geländes knapp 200 Millionen Euro zu erlösen. Die schon mehr als zwei Jahre dauernden Gespräche drehten sich derzeit um "eine Reihe von Sachproblemen" wie Altlasten auf dem Gelände, sagt Gerhard Grandke, Geschäftsführer der OFB. Sein Kollege bei der ABG, Geschäftsführer Frank Junker, ist zuversichtlich, "dass da bald wieder Fahrt reinkommt". "Wir hegen nach wie vor große Hoffnung, dass es noch in diesem Jahr zum Abschluss kommt."

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