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Mainufer für Autos gesperrt : Ende eines Frankfurter Experiments

  • -Aktualisiert am

Wird bald wieder den Autos gehören: Die Sperrung des Frankfurter Mainkais soll aufgehoben werden. Bild: dpa

Noch ist der nördliche Mainkai in Frankfurt Fußgängern und Radlern vorbehalten. Vom nächsten Dienstag an rollen dort aber wieder Autos – gegen den Willen von SPD und Grünen in der Römer-Koalition.

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          Die umstrittene Sperrung des nördlichen Mainufers in Frankfurt für den Autoverkehr nähert sich ihrem Ende. Ein Jahr lang war der Straßenabschnitt zwischen Untermainbrücke und Alter Brücke „probeweise“ Fußgängern und Radfahrern vorbehalten. Vom nächsten Dienstag an sollen dort nun wieder Autos fahren dürfen. Die im Römer regierende Koalition aus CDU, SPD und Grünen bleibt bei diesem Thema uneins: Während Sozialdemokraten und Grüne den Verkehrsversuch fortsetzen wollen, spricht sich die Union strikt dagegen aus. In einem solchen Fall, so hatte es das Bündnis festgelegt, werde das Experiment abgebrochen. Zumindest vorläufig. „Die Entscheidung, ob der Mainkai auf Dauer gesperrt wird, fällt bei der Kommunalwahl im März nächsten Jahres“, sagt Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD).

          Ralf Euler
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Dreierbündnis aus CDU, SPD und Grünen hatte gemeinsam beschlossen, den Mainkai versuchsweise für ein Jahr zu sperren. Je nachdem, wie der Test ausfallen würde, sollte er nach zwölf Monaten abgebrochen werden oder der Straßenabschnitt auf Dauer autofrei bleiben. Schnell wurde klar, dass der Versuch, so wie er angelegt war, scheitern musste: Gleich nachdem die Sperren aufgestellt waren, kam es südlich des Mains in Sachsenhausen zu Staus, weil sich Pendler dort Ausweichrouten suchten. Entspannung brachte erst wieder die Corona-Pandemie und die damit verbundene Verringerung des Verkehrsaufkommens.

          Eine Verlängerung des Versuchs

          SPD und Grüne im Römer zogen daraus die Erkenntnis, dass sich viele Autofahrer inzwischen neue Ost-West-Verbindungen gesucht hätten und dass eine dauerhafte Mainkai-Sperrung doch vertretbar sei. Auch der Städtebaubeirat, ein Gremium, das sich aus Architekten, Stadt-, Verkehrs- und Freiraumplanern zusammensetzt, sprach sich für die Verlängerung des Versuchs am Main aus. Auf diese Weise könne aus dem Verkehrsexperiment ein „Stadtraumexperiment“ werden. Mit seinem Vorstoß reagierte der Städtebaubeirat auf die Kritik an Verkehrsdezernent Oesterling: Dieser habe den Mainkai für Autos gesperrt, aber kein Konzept vorgelegt, wie die Fläche zwischen dem historischen Teil der Innenstadt und dem Mainufer belebt werden könne. Am Ende, so die Kritik, sei der Mainkai zu einer bloßen „Rennstrecke für Radfahrer“ verkommen. Oesterling hatte allerdings stets darauf hingewiesen, dass die Stadtverordneten ihm keine baulichen Veränderungen während des Verkehrsversuchs zugebilligt hätten.

          Die CDU hingegen schloss sich schon bald nach Beginn des Versuchs der Auffassung der Sachsenhäuser „Initiative Verkehrswende Frankfurt“ an. Die setzt sich für ein integriertes Verkehrskonzept ein, das der Mobilität aller Bürger, auch der Autofahrer, Rechnung trage. „Wir fordern eine Verkehrswende für alle, nicht nur für die Bürger einer einzigen Straße“, sagt Herbert Schmoll, Gründer und Sprecher der Initiative, die ursprünglich „Sachsenhausen wehrt sich“ hieß.

          Die CDU hält den Verkehrsversuch für gescheitert. Daran ändert nach Ansicht von Fraktionschef Nils Kößler auch die Tatsache nichts, dass Oesterling den Test „um jeden Preis“ zu einer Erfolgsgeschichte umschreiben wolle. Appelle der Grünen an die CDU, sich doch noch auf eine Verlängerung des Versuchs einzulassen, verhallten in der Juli-Sitzung der Stadtverordneten ungehört. Ein Antrag, in dem die Linken-Fraktion die Fortführung des Tests über Ende August hinaus forderte, wurde bis zur nächsten Sitzung am 3. September zurückgestellt. Dann aber wird die Straße bereits wieder von Autos befahren.

          Die SPD will mit dem Thema Mainkai-Sperrung offensiv in den Kommunalwahlkampf gehen. Die Position seiner Partei sei in dieser Frage unmissverständlich, sagt Verkehrsdezernent Oesterling: „Wir wollen die Straße dauerhaft sperren.“ Aus Sicht der Sozialdemokraten ist der Verkehrsversuch „ein großer Erfolg“. Auch Planungsdezernent Mike Josef (SPD) wirbt dafür, aus der dreispurig von Autos befahrenen Straße eine Zone zum Radfahren, Flanieren und Verweilen zu machen.

          Wenn das nördliche Mainufer wieder für den Kraftfahrzeugverkehr freigegeben und die Corona-Krise überwunden ist, kehrt der Flohmarkt von dort an den Schaumainkai am Südufer zurück. Der Markt soll dann wieder im wöchentlichen Wechsel in Sachsenhausen und an der Lindleystraße am Osthafen stattfinden. Die meisten der rund 250 Aussteller wird das freuen, weil ihnen am Nordufer weniger als die Hälfte der Fläche zur Verfügung stand.

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