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Verschärfung der Corona-Regeln : In Frankfurt gilt von Freitag an eine Sperrstunde

Auf Abstand verkündet: Peter Feldmann bei der Pressekonferenz zu weiteren Corona-Maßnahmen der Stadt Frankfurt Bild: Marie Lisa Kehler

Harte Maßnahmen in Frankfurt: Weil die Zahl der Corona-Fälle steigt, verhängt die Stadt vorübergehend eine Sperrstunde und weitere Maßnahmen zur Eindämmung des Virus.

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          Frankfurt wird wegen der Entwicklung der Corona-Zahlen eine Sperrstunde einführen. Von Freitag an dürfen Restaurants, Bistros und Kneipen nicht mehr nach 22 Uhr geöffnet haben. Für die Bewegungsfreiheit auf den Straßen hat die Sperrstunde darüber hinaus keine Folgen. Das verkündete Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) am Dienstag. Außerdem sollen beispielsweise private Feiern auf zehn und auf 25 Personen in öffentlichen oder angemieteten Räumen begrenzt werden, in Einkaufszentren oder hochfrequentierten Einkaufsstraßen muss der Mund-Nase-Schutz getragen werden. Alle Maßnahmen sollen von Freitag an bis zunächst zum Sonntag kommender Woche (18. Oktober) gelten.

          Marie Lisa Kehler
          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
          Kim Maurus
          Volontärin.
          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Stadt erwägt zudem, den Start von „Herbst in der Stadt“ zu verschieben. Von Donnerstag an sollte 40 Schaustellern die Möglichkeit geboten werden, an zentralen Plätzen wie dem Römer ihren Geschäften nachzugehen. Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) kündigte an, dass man „wegen des Hygienekonzepts nachsitzen“ müsse bis Donnerstag.

          Die Nachricht, dass die Eröffnung verschoben werden könnte, traf Thomas Roie, Vorsitzender des Schaustellerverbands Frankfurt und Rhein-Main, am Dienstagnachmittag unvermittelt. „Wir haben Stand 17:30 Uhr noch keine offizielle Rückmeldung von der Stadt, sondern die Neuigkeiten nur aus den Medien erfahren.“ Das Hygienekonzept für den „Herbst in der Stadt“ sei stimmig, sagte er. „Wir haben eher strenge Regeln, lassen beispielsweise nur 250 Menschen auf den Roßmarkt statt möglicher 500. Was man nachlegen möchte, muss man uns mitteilen.“ Am Mittwoch ist ein finaler Rundgang mit den Behörden geplant. Danach wird entschieden, in welcher Form das Event stattfinden kann. Auch ein Alkoholverbot im öffentlichen Raum an noch festzulegenden Plätzen steht im Raum.

          Inzidenz 50 wird wohl Mittwoch übertroffen

          Weil sich in der Stadt der sogenannte Inzidenzwert, also die Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen, dem Grenzwert 50 angenähert hat, haben sich Stadt, Gesundheitsamt und der Planungsstab des Hessischen Sozialministeriums auf strengere Maßnahmen geeinigt. Am Dienstagvormittag wurde der Inzidenzwert noch offiziell mit 46,5 angegeben. Aufgrund des Wissens um weitere Fälle errechnete die Stadt zur Pressekonferenz bereits einen Wert von 49,2. Tendenz steigend. Gesundheitsdezernent Majer deutete an, dass man mit einem Übertreffen des Werts am Mittwoch rechne. In der Stadt seien demnach rund 300 Menschen aktuell infiziert.

          „Die Botschaft ist relativ einfach und klar: Corona ist weiter da und Corona ist weiter gefährlich“, sagte Oberbürgermeister Feldmann bei einer Pressekonferenz in den Räumen der Frankfurter Branddirektion. „Wir stehen kurz vor der Eskalationsstufe rot. Die Maßnahmen, die wir heute beschlossen haben, sind teilweise heftig. Da werden viele erst einmal schlucken, das ist uns auch nicht leicht gefallen.“ Ziel sei es, durch die Maßnahmen einen allgemeinen Lockdown zu verhindern.

          „Wir machen uns damit nicht beliebt, aber es geht anders nicht mehr“, sagte Feldmann, der für Freitag eine Konferenz mit zehn der größten Städte in Deutschland ankündigte, um Maßnahmen abzugleichen. „Der letzte Anstieg zwingt uns dazu, Maßnahmen zu ergreifen, die deutlich in das Leben der Bürger eingreifen“, sagte Feldmann.

          Gesundheitsdezernent Majer verwies auf ein Infektionsgeschehen, „das uns voraussichtlich morgen über die Schwelle von 50 bringen wird.“ Bei diesem Inzidenzwert gilt die sogenannte Eskalationsstufe Rot, die schärfere Maßnahmen erfordert. Majer betonte aber auch, dass alle Regulierung nicht ausreiche.

          „Durch keine Maßnahme dieser Welt werden wir diese Kehrtwende hinkriegen“, sagte Majer. Stattdessen komme es auf die Vernunft jedes Einzelnen an. „Ich hoffe, dass die Menschen in Frankfurt mitgehen.“ Majer appellierte in diesem Zusammenhang auch an die Menschen, die Schutzmaßnahmen ernst zu nehmen und einen geeigneten Mund-Nase-Schutz zu tragen als Prävention für eine Verbreitung des Virus. „Kinnvisiere stellen keine Infektionsschutzmaßnahme dar. Wenn jemand ein Kinnvisier trägt, trägt er gar nichts. Das ist ein kosmetisches Accessoire“, sagte der Grünen-Politiker. Die Stadt werde auch deshalb an die großen Arbeitgeber appellieren, die Regeln verbindlich einzuhalten.

          Mahnung an Gastronomie

          Majer ermahnte zudem vor allem die Gastronomie, wieder ernsthafter auf die Verhaltensregeln zu achten: „Im Bereich der Gastronomie wurde in den letzten Wochen zurückgemeldet, dass es zwar Konzepte gibt. Aber wir mussten zur Kenntnis nehmen, dass die Einhaltung zu wünschen übrig lässt.“ Empörung über diese Aussage war schon kurz nach Bekanntwerden der geplanten Maßnahmen vom Hessischen Hotel- und Gastronomieverband zu hören. „Bisher hatten wir an vielen Stellen Verständnis. Aber das versteht keiner mehr“, sagte Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer des Dehoga Hessen. Durch die Regelung müssten die Wirte zwei Wochenenden in Folge Umsatzeinbußen hinnehmen. Das sei nur schwer zu vermitteln. „Die Gemüter kochen hoch“, fasste Wagner die Stimmung unter den Gastronomen zusammen.

          Der stellvertretende Präsident des Verbands Robert Mangold äußerte sein Unverständnis noch deutlicher: Bislang gebe es keinen Ausbruch, der auf einen Besuch in einer Gaststätte zurückzuführen sei. Die Sperrstunde, die große wirtschaftliche Einbußen bedeute, sei darum unverhältnismäßig. Gerade, als viele Gastronomen wieder begonnen hätten, sich „langsam aufzurichten“, werfe die Maßnahme sie zurück.

          ​„Wir nehmen die Pandemie ernst. Keine Frage“, sagte derweil René Gottschalk, Leiter des Gesundheitsamts, der vor wenigen Tagen noch mit einem Diskussionsbeitrag für Aufsehen gesorgt hatte, in dem er die Verbreitung des Virus durch Aerosole anzweifelte. „Der Maßnahmenkatalog dient zum Schutz der vulnerablen Gruppe.“

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