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Spendenaktion : Ein Zuhause für Elisabeth

Hat schon viele Freunde gefunden: Elisabeth, zusammen mit Paula, der Leiterin des Waisenhauses Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

Elisabeth hat ihre Eltern verloren, sie sind an Aids gestorben. Bei ihrer Geburt wurde die Achtjährige von ihrer Mutter infiziert. Mit Medikamenten kann ihr jedoch ein würdiges Leben ermöglicht werden.

          Elisabeth beißt in einen Keks. Es ist einer von sechsen, die sie in ihrer linken Hand hält, um sie - einen nach dem anderen - langsam und genüsslich zu verspeisen. Den kleinen Mund voll vom süßen mürben Gebäck, wandelt sich der skeptische Blick in ein strahlendes Lächeln. Ein Schluck aus dem großen Milchbecher in der rechten Hand, ein zweiter Bissen, das Lächeln scheint aus dem Gesicht der Achtjährigen nicht mehr weichen zu wollen.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Es braucht nicht viel, um das Mädchen im pinkfarbenen Strickpullover und die anderen 83 Kinder im Mothers Mercy Home vor Freude strahlen zu lassen. Denn alle Kinder in dem Waisenhaus am Rande Nairobis haben in den wenigen Jahren ihres Lebens schon sehr viel Leid und Härte gesehen, nicht selten Siechtum und Tod der an Aids erkrankten Mütter und Väter unmittelbar miterlebt.

          Weder fließendes Wasser noch Strom

          Deshalb ist auch das karge Heim aus Wellblechhütten, an dessen Stelle die von Piloten der Lufthansa Cargo und Ärzten gegründete Hilfsinitiative Cargo Human Care mit Hilfe der Leser der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein modernes Haus mit einer Medizinstation bauen will, für diese Kinder ein echtes Zuhause geworden. Dort finden sie die Geborgenheit wieder, die sie spätestens mit dem Tod der Eltern verloren hatten.

          Auch Elisabeth und ihre siebzehn Jahre alte Schwester Esther haben ihre Eltern durch Aids verloren. Allerdings hatten die beiden das Glück, von einer Tante liebevoll aufgenommen zu werden. In anderen Fällen werden Aidswaisen in Kenia, zumindest in den Armenvierteln rund um Nairobi, von den verbliebenen Verwandten entweder gar nicht angenommen oder allenfalls geduldet - als Kinder zweiter Klasse.

          Bei Elisabeth war das nicht so. Die Tante wohnt in einer Armensiedlung rund zehn Kilometer vom Waisenhaus entfernt. Zwei kleine Räume hat das Haus, die Sperrholzwände sind mit dicker hellblauer Ölfarbe gestrichen. Kalenderbilder, Strohblumen und ein paar alte Stofftiere dienen als Wandschmuck. Auf der Holzkiste, die der Tisch ist, weist eine einfache kleine Spitzendecke darauf hin, dass die Hausherrin es gerne hübsch hat. Doch das Häuschen, das mehr Hütte als Haus ist, hat keinen Stromanschluss, Wasser muss in Kanistern herbeigeschafft werden, Sanitärräume gibt es nicht. Trotzdem ist es blitzsauber, der Fußboden ist frisch gewischt, auf den abgewetzten Polsterstühlen liegen bunte Tücher - alles zusammen ein harter Kontrast zum Schmutz und Staub der Umgebung.

          Medikamente helfen der kleinen Elisabeth

          Mehr als die kleine Decke kann sich die Erntehelferin, die gerade vom Kirchgang kommt und noch ihr blau geblümtes Sonntagskleid trägt, an Luxus nicht leisten. Einen Ehemann gibt es nicht. Sie musste allein ihre eigene Tochter, dann noch deren Kind und schließlich auch noch Elisabeth und deren ältere Schwester durchbringen, nachdem die Eltern der beiden gestorben waren. Und sie hat diese Aufgabe allem Anschein nach mit Bravour gelöst: Im nächsten Jahr will Esther die Schule abschließen - Ärztin würde sie gerne werden, sagt sie. Doch ein Studium kostet auch in Kenia viel Geld. Für Leute aus den Armenvierteln rund um Nairobi ein schier unerreichbares Ziel.

          Elisabeths Tante musste erkennen, dass sie nicht alle Kinder und Enkel würde ernähren können. Zudem stellte sich heraus, dass Elisabeth - anders als ihre gesunde Schwester - bei der Geburt von ihrer Mutter mit dem HI-Virus infiziert worden war und nur mit einer genauen und stetigen Medikamentierung eine normale Lebenswartung haben würde.

          Paula Karanja, eine von drei Frauen, die das Mothers Mercy Home mit minimalem Etat im Auftrag der anglikanischen Kirche Kenias betreiben, bot der Tante an, Elisabeth aufzunehmen. Die Kleine habe sich inzwischen sehr gut eingelebt, sagt Karanja. Mit ihrem fröhlichen Wesen sei es ihr besonders leichtgefallen, rasch Freundinnen und Freunde zu finden - ohne den Kontakt zu Tante und Schwester zu verlieren, die sie fast jedes Wochenende sehe. Vor allem aber ist es nun möglich, Elisabeth so zu versorgen, dass sie ein ganz normales Alter erreichen kann und jedenfalls nicht an der Krankheit wird sterben müssen, die ihr Mutter und Vater genommen hat, wie Paula Karanja sagt.

          Spenden für das Projekt „F.A.Z.-Leser helfen“

          Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ und die „Frankfurter Allgemeine / Rhein-Main-Zeitung“ bitten um Spenden, die dem Projekt „Leben mit Krebs“ und einem Waisenhaus in Nairobi/Kenia zugute kommen.

          Spenden für das Projekt „F.A.Z.-Leser helfen“ bitte auf die Konten:

          Nummer 11 57 11 bei der Frankfurter Volksbank (BLZ 501 900 00).

          Nummer 97 80 00 bei der Frankfurter Sparkasse (BLZ 500 502 01).

          Die Namen der Spender werden in der Zeitung veröffentlicht. Selbstverständlich wird auch der Wunsch respektiert, auf eine Namensnennung zu verzichten. Spenden können steuerlich abgesetzt werden. Allen Spendern wird, sofern die vollständige Adresse angegeben ist, eine Spendenquittung zugeschickt.

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