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Speed-Dating : Verlieben im Sieben-Minuten-Takt

  • -Aktualisiert am

Runde für Runde: Beim Speed-Dating lernen sich viele Singles in kurzer Zeit kennen. Bild: ddp

Um die Partnersuche zu beschleunigen, gibt es Speed-Datings. Ob das rasche Kennenlernen eher Liebe oder eher Frust bringt, hängt auch hier vom Gegenüber ab. Ein Selbstversuch im Land der Singles.

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          Immer wieder stupst mein Gegenüber seine Fingerspitzen aneinander. Er zieht die Mundwinkel nach oben, Lachfalten um die dunkelbraunen Augen hinter der rahmenlosen Brille bilden sich nicht. Er räuspert sich, fährt die Spitze seines Kugelschreibers aus und lehnt sich so weit über den Tisch, dass ich seinen Atem riechen kann. „Naaa, wer bist du denn?“ In krakeliger Schreibschrift notiert er sich „Rojita“ auf seiner Bewertungskarte, ich schreibe „brain.Frankfurt“ in das Feld für den Nickname. Sein rechter Mundwinkel zuckt. „Meine Freunde nennen mich nämlich ,The brain‘“, sagt er und lehnt sich grinsend zurück. „Ja – wow“, sage ich. Auf meine Karte kritzele ich ein „No“.

          Es ist ein Samstagnachmittag, an dem ich meinen Traummann kennenlernen soll. Ich habe mich bei dem Unternehmen Speed-Dating für ein Blind-Date angemeldet. Seit 2002 arrangiert die Firma Treffen für Singles zwischen 18 und 65 Jahren, dabei werden die Altersklassen jeweils in Zehnerschritten gebildet; ich bin in der Klasse 22 bis 32. Das Konzept sieht vor, dass sieben Frauen jeweils sieben Minuten Zeit haben, um sieben Männer kennenzulernen. Am Ende entscheidet jeder Teilnehmer, ob er einen oder mehrere andere wiedersehen will.

          „Meine Freundin hat sechs Mal mitgemacht, bis sie dann ihren jetzigen Partner kennengelernt hat“

          Schon als ich die Stufen zum Café am Schweizer Platz hochsteige, sehe ich durch die Glastür eine Gruppe von sieben Männern an einem Tisch sitzen. Um sie herum plaudern andere Gäste. Dampf schwebt aus weißen Tassen, es riecht nach Kaffee. Die Speed-Dating-Herren scheinen alle Anfang 30 zu sein – fast zehn Jahre älter als ich. Einer mit Glatze lugt zu mir herüber, als ich Eingangstür schließe. Ich bleibe stehen und schaue mich um. Er lächelt. Eine Frau hastet mit einem Strahlen im Gesicht auf mich zu und flötet: „Hallo, ich bin der Dating-Engel Yvonne. Schön, dass du zum Speed-Dating gekommen bist.“ Sie reicht mir eine Bewertungskarte, auf der ich mir später Notizen zu den Kandidaten machen kann.

          Noch herrscht Geschlechtertrennung. Vier Teilnehmerinnen sitzen an einem Tisch – in Sichtweite der Männer. Ich geselle mich zu ihnen. Sie sind alle Mitte 20 und machen so etwas zum ersten Mal. „Meine Freundin hat sechs Mal mitgemacht, bis sie dann ihren jetzigen Partner kennengelernt hat“, erzählt eine von ihnen. In den Jahren 2008 und 2009 haben nach Auskunft des Veranstalters jeweils zwei Paare, die sich auf diesem Weg kennengelernt hatten, geheiratet – in diesen Tagen kommt das erste „Speed-Dating-Baby“ Deutschlands zur Welt.

          Der Löffel am Prosecco-Glas gibt den Startschuss

          Eigentlich hätte es schon vor zehn Minuten losgehen sollen. Dating-Engel Yvonne eilt an den Frauentisch, dieses Mal strahlt sie nicht. „Wir haben ein Problem, meine Damen“, sagt sie und ihr Blick wird ernst. Zwei Teilnehmerinnen haben das Café sofort wieder verlassen, die Männer sind nun in der Überzahl. Für uns Mädels ist das kein Problem, schließlich sind es immer zwei Männer, die in jeder Runde aussetzen müssen.

          Dann schlägt Dating-Engel Yvonne mit einem Löffel an ein Prosecco-Glas – das Startsignal. Kandidat Nummer eins – Nickname „Zukunft“. Bevor er sich auf dem Stuhl mir gegenüber niederlässt, wandern meine Augen vom Scheitel bis zur Fußspitze. Die Negativliste in meinem Kopf füllt sich blitzschnell: Er hat keine Haare auf dem Kopf, durch das weiße, enge Hemd zeichnet sich ein übertriebener Eifer an der Hantelbank ab, und an seiner Hose prangt ein Gürtel mit handgroßem D&G.

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