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SPD-Spitzenkandidat Josef : Boxen und schuften

Der Frankfurter SPD-Parteivorsitzende Mike Josef wurde zum Spitzenkandidaten für die Kommunalwahl bestimmt. Bild: Aders, Hannah

Die Frankfurter SPD hat ihren Parteichef Mike Josef zum Spitzenkandidaten der Kommunalwahl gewählt. Seine Kandidatenliste stößt bei einigen altgedienten Genossen auf Unmut.

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          Nach ungefähr vier Stunden Parteitag hat Mike Josef durchgeatmet. In der einen Hand hielt er Blumen, in der anderen Boxhandschuhe. Es waren Geschenke der Frankfurter SPD für ihren Parteichef und Spitzenkandidaten, der sich in seiner Rede kampfeslustig gegeben hatte. Und der bis zur Kommunalwahl im März darum wird kämpfen müssen, dass die SPD in Frankfurt weiter mitregieren kann. Die Sorge, dass CDU und Grüne das auch allein hinbekommen, ist groß.

          Deshalb hat Josef gegen erhebliche parteiinterne Widerstände eine Kandidatenliste durchgeboxt, die auf etliche Mitglieder der bisherigen Römer-Fraktion verzichtet. Die Kandidaten sind im Schnitt zehn Jahre jünger als beim vorigen Mal, viele haben einen Migrationshintergrund. Der 37 Jahre alte Parteivorsitzende setzt alles daran, damit die SPD als moderne Großstadtpartei punktet. Das wollen die Konkurrenten von CDU und Grünen aber auch. Von beiden grenzt sich Josef ab, indem er sich als Kandidat der ehrlich schuftenden Arbeitnehmer darstellt, die sich in Frankfurt keine Wohnung mehr leisten können.

          „167 Tage Volldampf“

          Die Koalitionspartner stellt Josef dagegen als verliebt ins „Bling-Bling“ des großbürgerlichen Kapitals dar. Während er mit den Grünen weiter liebäugelt, nennt er die Union verlogen und bigott. Wer weiß, dass viel auf dem Spiel steht, attackiert gern besonders hart. Von den Genossen bekommt Josef Beifall, wenn er der Union „Geplänkel“ vorwirft. Sein Ergebnis von 91,6 Prozent ist in Ordnung, auch wenn es deutlich niedriger ist als vor fünf Jahren. Josef hat mit seiner Liste einige Altgediente vor den Kopf gestoßen, dabei aber so elegant geboxt, dass am Ende doch alles halbwegs einvernehmlich scheint.

          Und dann ist da noch der angeschlagene Oberbürgermeister, der im Wahlkampf untergehakt werden muss, der Partei aber nicht schaden darf. Das hat am Samstag nicht ganz geklappt: Feldmann, von dem es vorher geheißen hatte, er werde bloß ein Grußwort sprechen, nahm sich im Stadion alle Redezeit der Welt.

          Ein SPD-Slogan lautet „167 Tage Volldampf“. Den hat Josef mit seinen Angriffen auf die Union versprüht, der er Inhaltsleere vorhält. Wenn sich die heiße Parteitagsluft lichtet, muss die SPD beweisen, dass die eigenen Inhalte bei den Frankfurtern besser ziehen. Falls nicht, hat Josef immerhin einen sehr sicheren Listenplatz.

          Florentine Fritzen
          Korrespondentin im Hochtaunuskreis

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