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SPD Frankfurt : Eine Partei unter Schock

„Die Niederlage war so deftig, alle halten jetzt erst einmal inne”: Frankfurts SPD-Chef Gernot Grumbach Bild: Florian Sonntag

Die Frankfurter SPD ist nach der Landtagswahl keine Volkspartei mehr. „Die Niederlage war so deftig, alle halten jetzt erst einmal inne“, meint Parteichef Grumbach. Immerhin reden Rechte und Linke wieder ernsthaft miteinander.

          Schockstarre in der Frankfurter SPD. 19,8 Prozent bei der Landtagswahl. Gerade einmal 300 Stimmen mehr als die Grünen. In der Sitzung des Beirats am Dienstagabend haben der Parteivorstand, die Ortsvereinsvorsitzenden und interessierte Mitglieder drei Stunden lang Scherben gezählt. „Die Niederlage war so deftig, alle halten jetzt erst einmal inne“: So beschreibt der Parteivorsitzende Gernot Grumbach die Stimmung.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Viele haben sich in der nichtöffentlichen Sitzung im Parteihaus an der Fischerfeldstraße zu Wort gemeldet. Man möge sich nicht selbst zerfleischen, sondern den anderen zuhören, appellierte der Netzwerker Eugen Emmerling zu Beginn an die Versammlung. Und tatsächlich: Zum ersten Mal, so wird berichtet, hätten die Vertreter der drei Parteiflügel wieder einmal miteinander geredet statt gegeneinander intrigiert. Diese neue Kommunikation zu einem Dauerzustand zu machen, ist wohl die wichtigste Aufgabe des alten Vorsitzenden Gernot Grumbach – der auch wieder der neue sein könnte.

          Clauss verlangt Abgang Grumbachs

          Grumbach steht zwar unter Druck, weil er einer der engsten Berater der gescheiterten Parteichefin Andrea Ypsilanti war und für das katastrophale Wahlergebnis der SPD deshalb nach Meinung vieler eine große Mitverantwortung trägt. Schon hat der frühere Fraktionschef im Landtag, Armin Clauss, den Rücktritt der Parteispitze und damit auch den Grumbachs verlangt. Doch wer kann Grumbach als Frankfurter Parteichef ersetzen? Im März auf dem Parteitag muss der Landtagsabgeordnete und Vorsitzende der SPD Hessen-Süd eine Mehrheit finden, will er weiter Parteivorsitzender bleiben. Ambitionen auf den Posten sagt man Peter Feldmann, dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden im Römer, nach.

          Heute trifft sich die Parteilinke, bei der Feldmann die Fäden zieht. Dann könnte sich entscheiden, ob er eine Kandidatur gegen Grumbach wagt. Eventuell könnte er einen Teil der Parteirechten für sich mobilisieren, denn deren graue Eminenz, Hans Busch, ist kein großer Grumbach-Freund, weil dieser seiner Tochter Ursula den ihr angeblich versprochenen Landtagswahlkreis weggenommen hat. Sollte sich Feldmann aber tatsächlich zu einer Bewerbung um den Parteivorsitz entschließen, dürfte der Bundestagsabgeordnete Gregor Amann, der Chef der pragmatischen Netzwerker, mit einer Gegenkandidatur antworten.

          Grumbach will indes vorerst jede Personaldebatte vermeiden. Die Partei müsse zuerst einmal das miserable Wahlergebnis verdauen, sagt er. Im Beirat waren sich fast alle einig, dass die Niederlage der SPD auf einen Vertrauensverlust bei früheren Wählern zurückzuführen ist. Stichwort: Wortbruch. Die Partei müsse jetzt in Frankfurt zuallererst ihren Status als Volkspartei zurückgewinnen, glaubt Grumbach.

          „SPD braucht keine Flügelkämpfe“

          Dies kann nach Meinung Amanns nur gelingen, wenn die SPD wieder stärker auf die Bevölkerung hört und sich mehr zur Mitte orientiert. „Wir haben uns zu weit von den Sorgen und Nöten der normalen Menschen entfernt.“ Und es gibt nach der Analyse Amanns zu viele interne Diskussionen in der Partei, die Außenstehende nicht nachvollziehen könnten. „Die SPD braucht alle Strömungen – aber keine Flügelkämpfe“, sagt Amann, der in Frankfurt der einzige Abgeordnete ist, der seinen Wahlkreis direkt gewonnen hat.

          Doch derartige Erfolge zählen wenig in der zerstrittenen Frankfurter SPD. So seufzt denn Petra Tursky-Hartmann, die Vorsitzende von Sachsenhausen: „Mögen sich doch alle Flügel auflösen.“

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