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Spahn gegen Schnellzulassungen : Corona-Impfstoff soll aus Frankfurt kommen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (vorne links) startet in Frankfurt eine Anlage zur sterilen Abfüllung des potentiellen Impfstoffs gegen COVID-19. Bild: dpa

Gesundheitsminister Jens Spahn eröffnet eine Abfüllanlage des Sanofi-Konzerns für einen Corona-Impfstoff. Bei der Gelegenheit betont er, dass es „keine Schnellzulassungen“ geben werde.

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          Eröffnungsfeiern zu inszenieren ist in Coronazeiten nicht einfach. Da hatten sich sowohl der Bundesgesundheitsminister als auch der hessische Wirtschaftsminister zur Eröffnung einer neuen Corona-Impfstoff-Abfüllanlage bei Sanofi in Frankfurt-Höchst angesagt. Doch die Fotografen bekamen sie erst einmal nur auf einer Leinwand zu sehen, wie auch viele Sanofi-Mitarbeiter. Sie alle sahen eine stumme Liveübertragung, wie der Gast aus Berlin durch die neue Anlage geleitet wurde und Glasfläschchen in einem Sortierkarussell zuschaute. Auf der Leinwand waren zudem nur ein paar blau gekleidete Männer zu sehen. Nur die fingerbreiten Namensschilder auf der Brust verrieten, bei wem es sich um „J. Spahn“ respektive „T.Al-Wazir“ handelte.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das wäre auch ohne Corona kaum anders gelaufen, erklärte Jochen Maas, der Entwicklungsleiter bei Sanofi. Denn die Abfüllanlage ist ein Reinraum. Bis zu 200 Millionen Dosen Corona-Impfstoff im Jahr könnten dort künftig abgefüllt werden. Erforscht und hergestellt wird er jedoch nicht in Frankfurt, sondern in der Nähe von Paris. Höchst ist als einer von mehreren „Fill&Finish“-Standorten für die Impfstoffproduktion in Europa vorgesehen. Auf dem Industriegelände am Main sollen die Dosen abgefüllt und für den Versand vorbereitet werden. Frankfurt sei logistisch ideal, sagt Maas. „Selbst bei größten Verkehr brauchen wir nur fünf Minuten bis zum Flughafen.“ Das sei in Paris undenkbar. Bis zu 80 Mitarbeiter werden in der weitgehend vollautomatisierten Anlage die Impfstoffe abfüllen.

          Für die 7750 Sanofi-Mitarbeiter am Standort wird die Eröffnung der Anlage nur ein kleiner Trost sein. Erst vor zwei Monaten hatte der Konzern mitgeteilt, dass er bis 2022 in Deutschland 800 Arbeitsplätze abbauen will, die meisten davon wahrscheinlich in Frankfurt-Höchst. Dort hatte das Unternehmen bislang Insulin produziert, seit dem Auslaufen des Patents rechnet sich dies jedoch deutlich weniger. Vor allem in der Forschung sollen Stellen wegfallen, während die Produktion fortgeführt wird. Sanofi will sich künftig auf die Wachstumsfelder Onkologie und Immunologie konzentrieren. Auf der Abfüll-Linie – einer von mehreren in der Anlage –, die nun für den künftigen Corona-Impfstoff vorgesehen ist, wurde zuvor Insulin abgefüllt.

          Impfstoff könnte im Sommer 2021 ausgeliefert werden

          Wie viel die Umrüstung gekostet hat, konnte das Unternehmen nicht beziffern. Wann tatsächlich die ersten Dosen produziert und dann in Höchst verpackt werden, steht noch nicht fest. Vorerst wird die Anlage stillstehen. Sanofi arbeitet zusammen mit dem Konzern GlaxoSmithKline an zwei Impfstoffkandidaten, der schnellere von beiden könnte eventuell in Deutschland im Sommer 2021 ausgeliefert werden, sagte der für die Impfstoffentwicklung zuständige Sanofi-Manager Thomas Triomphe.

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          Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hob hervor, in der Bundesrepublik werde es „keine Schnellzulassungen“ geben. Vorsorglich haben aber sowohl die Vereinigten Staaten als auch die Europäische Union jeweils mehrere hundert Millionen Dosen bei Sanofi reservieren lassen. Weltweit will der Konzern bis zu eine Milliarde Impfstoffdosen im Jahr produzieren lassen. Es sei jetzt darum gegangen, Produktionskapazitäten zu sichern, sagte Spahn. „Ich freue mich, wenn der Impfstoff auch in Deutschland entwickelt und produziert wird.“

          Der Konzern ist dabei nicht der einzige, durch den Hessen an der Produktion eines Impfstoffes beteiligt wird. In Marburg will der Mainzer Entwickler Biontech seine Impfstoffe produzieren, und in Langen sitzt das Paul-Ehrlich-Institut, das sowohl für die Zulassung der Teststudien als auch der Impfstoffe zuständig ist. „Hessen wird eine bedeutende Rolle bei der Impfstoffentwicklung spielen“, zeigte sich darum Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) sicher.

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