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Soziale Angebote : Vertrauen ist gut, Controlling ist besser

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Franz Frey (SPD) ist nicht nur Sozialdezernent. Im Nebenberuf ist er Pharmazeut - bildlich gesprochen. So wie dieser nämlich die Wirksamkeit von Medikamenten sicherstellen und verbessern will, versucht jener auf seinem Sektor zur Zeit genau dasselbe.

          Franz Frey (SPD) ist nicht nur Sozialdezernent. Im Nebenberuf ist er Pharmazeut - bildlich gesprochen. So wie dieser nämlich die Wirksamkeit von Medikamenten sicherstellen und verbessern will, versucht jener auf seinem Sektor zur Zeit genau dasselbe. Freys Medizin sind die sozialen Angebote in der Stadt - solche freier Träger, die er bezuschußt, oder solche des Kommunalen Eigenbetriebs Kinder-, Jugend- und Familienhilfe. Allein dessen Haushalt umfaßt rund 24 Millionen Euro, und auch andere Beträge können sich sehen lassen: Etwa 14Millionen Euro bekommen Einrichtungen der Jugendarbeit. Etliche kleinere Beträge kommen hinzu. Kein Wunder, daß in den vergangenen Jahren - verstärkt durch den immensen Sparzwang - die Frage aufkam, ob die vielen Zuschüsse auch sinnvoll eingesetzt werden. "Wir wollen künftig die Wirksamkeit der Angebote besser bewerten", sagt Frey.

          Das ist nicht leicht, denn es muß zunächst einen Kriterienkatalog geben, mit dem die Effektivität einer Einrichtung gemessen werden kann. Das ist in der Jugend- und Sozialarbeit schwieriger als etwa in einem Produktionsbetrieb. Das Jugend- und Sozialamt ist gegenwärtig dabei, solche Indikatoren zu entwickeln und sie gemeinsam mit bezuschußten Trägern abzustimmen. Frey ist wie die sozialpolitischen Sprecher aller Parteien des Viererbündnisses im Römer der Meinung, daß solche Kriterien tatsächlich entwickelt werden können. Mit ihnen sollen auch die Rechenschaftsberichte, die die Zuschußempfänger dem Sozialamt abgeben müssen, aussagekräftiger werden. Bisher hatten es die Einrichtungen relativ leicht: Zwar mußten sie schon immer nachweisen, wie Zuschüsse verwendet wurden, "aber die Sachberichte enthielten viel Prosa", bilanziert Inge Köhler, stellvertretende Leiterin des Jugend- und Sozialamts.

          Damit soll Schluß sein. Um anhand jener Kriterien später die Arbeit in Einrichtungen wie Jugendhäusern überprüfen zu können, schließen die Politiker im Römer auch unangemeldete Besuche nicht aus. "Was soll daran unanständig sein", fragt Marcus Bocklet (Die Grünen), und auch die SPD ist nach Auskunft ihres sozialpolitischen Sprechers Peter Feldmann dafür, "ohne daß wir einem Kontrollwahn verfallen sollten".

          Stephan Siegler (CDU) bringt das Ziel solcher und anderer Controlling-Mechanismen auf die Formel: "Geld für Leistung". Wobei für Frey beim "Leistungscontrolling" nicht ein insgesamt größerer Spareffekt im Vordergrund steht, der ja schon durch die Haushaltslage vorgegeben sei, sondern eine Hilfe für Entscheidungen, "wo wir eher hinfassen und wo nicht". Doch so weit ist es noch nicht. Denn es fehlt der Katalog überprüfbarer Kriterien, mit denen die Qualität von Einrichtungen bemessen werden kann.

          Vertreter freier Träger befürchten jedoch, die Stadt sei eher an einer Kostensenkung zu Lasten der Qualität interessiert, wie Jürgen Lilischkies, Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, Stadtverband Frankfurt, formuliert. Der Stadtverband vertritt die Interessen von 145 Mitgliedern, die in der Wohlfahrtspflege tätig sind. Mit ihnen arbeitet die Stadt genauso zusammen wie mit anderen, etwa der Caritas oder dem Evangelischen Regionalverband. Wie Lilischkies fordert auch der Frankfurter Caritasdirektor Hartmut Fritz außerdem, daß die Stadt die Kosten in ihrem Eigenbetrieb Kinder-, Jugend- und Familienhilfe offenlegen müsse. "Dessen Leistungen sind teurer als die freier Träger, und keiner weiß, warum", beklagen Lilischkies und Fritz. "Zum Controlling gehört nicht nur Kontrolle, wie mancher meint, sondern auch Transparenz", sagt Lilischkies. Daran zu arbeiten, verspricht Frey.

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