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Günthersburghöfe : Sollbruchstelle der Frankfurter Grünen

Grüne Lunge Frankfurt: Bürgerinitiative gegen den Bau der Günthersburghöfe Bild: dpa

Bezahlbarer Wohnraum und Klimaschutz: In ihrem Wahlprogramm wollen die Frankfurter Grünen die Anliegen zusammenbringen. Doch der Streit um die „Grüne Lunge“ zeigt einen tiefen Graben zwischen Führung und Basis.

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          Die Frankfurter Grünen haben sich mit ihrem Programm für die Kommunalwahl am 14. März als die Partei profilieren wollen, die zentrale Anliegen der Bürger der Stadt zusammenführt: Das dringend notwendige Bauen von bezahlbaren Wohnungen unter Berücksichtigung des Klimawandels. Anders als Bewohner im Umland sehen die Frankfurter die Folgen nicht nur am Zustand der Bäume, sie spüren ihn auch, wenn sie in heißen Sommernächten keinen Schlaf finden, weil die Luft nicht abkühlt, nicht unter 20 Grad sinkt.

          Darum wissend, hatte der Parteivorstand das Wahlprogramm geschrieben und noch einmal die Forderungen festgehalten, die vom SPD-geführten Planungsdezernat erfüllt sein müssten, damit das seit Jahren in der Frankfurter Grünen-Hochburg Nordend umstrittene Neubaugebiet „Günthersburghöfe“ zum Vorzeigeprojekt werden kann. Doch die Basis der Partei ist der Parteiführung nicht gefolgt. Im Gegenteil. Sie haben die Bebauung, deren Planung weit fortgeschritten ist – im nächsten Jahr sollte die Offenlage des Bebauungsplans erfolgen –, grundsätzlich in Frage gestellt und damit auch die Fraktion der Grünen im Römer, die Teil der Regierungskoalition in dieser Stadt ist, mindestens düpiert.

          Bauen und Klima gehen offenbar bei den Grünen in Frankfurt eben nicht zusammen. Anders ist die Entscheidung der Parteibasis vom Samstag nicht zu bewerten. Zumindest geht es dann nicht, wenn die Gärten, und seien noch so verwildert, vor den Toren des Nordends liegen und jeder Grüne in diesem Stadtteil mit Sicherheit einen kennt, der dort ein Stückchen Land besitzt oder zumindest einen Anteil daran hat.

          Das Areal der „Grünen Lunge“, wie die Bebauungsgegner es nennen, entwickelt sich zur Sollbruchstelle für die Grünen. Schon bei der Kommunalwahl 2016 war die damals noch vom Grünen-Planungsdezernenten Olaf Cunitz vorangetriebene Bebauung – damals hieß es Innovationsquartier – mitverantwortlich für das schmerzliche Ergebnis der Ökopartei, das sie zwei Stadträte kostete und beinahe die Oppositionsbank im Römer eingebracht hätte. Auch die Entscheidung am Samstag wird Wählerstimmen kosten. Zumal die Grünen sich jenseits des Nordends Wohnbebauung vorstellen können, etwa beiderseits der A 5 im Nordwesten der Stadt. Wollen die Grünen in einer Großstadt erfolgreich sein, sollten sie dringend ihr Verhältnis zum Bauen klären.

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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