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Sommer-Bilanz : So viele heiße Tage wie noch nie

Sonne pur, keine Wolke in Sicht: Abkühlung versprach in diesem Sommer oft nur der Sprung ins kühle Wasser. Bild: dpa

Dieser Sommer war außergewöhnlich. Die Temperaturrekorde von 2003 hat er zwar nicht gebrochen – aber dafür könnte es zum Jahresende einen Spitzenplatz geben.

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          Auf dem Höhepunkt der Hitzewelle Ende Juli hatte der Leiter eines Supermarktes in Friedberg die geniale Idee: Gegen eine kleine Gebühr ließ er seine Kunden ins Kühlhaus seines Marktes, damit diese sich bei Temperaturen zwischen fünf und acht Grad für ein paar Minuten erfrischen. Dafür ließ er von Mitarbeitern ein paar Gartenstühle in dem Lagerraum und ein Schild vor dem Eingang des Marktes aufstellen – und schaffte es so im Handumdrehen auch in die Radionachrichten und in die Meldungsspalten der Zeitungen.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Geschichte ist nur eine von vielen Hitze-Anekdoten dieses Sommers. Und sie macht mehr als deutlich, wie außergewöhnlich die vergangenen Monate aus meteorologischer Sicht tatsächlich waren. Dabei beschränkten sich Hitze und Trockenheit, die das Bild dieses Sommers geprägt haben, nicht auf jene drei Monate, die gemeinhin der warmen Jahreszeit zugerechnet werden: Die große Wärme mit Temperaturen über der 30-Grad-Marke setzte schon im Mai ein – und wie es aussieht, wird sie sich auch im September noch ein wenig fortsetzen. Dies aber nicht mehr in der extremen Form, wie sie zwischenzeitlich im Juli herrschte und mancherorts zu aufplatzenden Asphalt-Fahrbahnen, Fischsterben in Teichen und Flüssen und der Absage von Sportveranstaltungen und Feuerwerken geführt hat. Aber immerhin prognostiziert der Deutsche Wetterdienst für diese Woche Höchstwerte von 30 und mehr Grad.

          Das extreme Wetter erfasste Deutschland schon Wochen vor dem offiziellen Sommeranfang mit hochsommerlicher Hitze, ungewöhnlicher Trockenheit und heftigen Gewittern, und auch in Hessen wurden im Mai flächendeckend Temperaturhöchstmarken übertroffen. Frankfurt war mit einem Monatsmittel von 18,2 Grad zusammen mit Berlin-Tegel sogar der wärmste Ort der Republik. Mit solchen Durchschnittswerten rechnen die Meteorologen normalerweise erst im Juli und August – aber die lieferten später ihre eigenen Ausrufezeichen.

          Eine Statistik der Spitzenwerte

          Die Mitarbeiter an der Wetterstation am Frankfurter Flughafen haben eine Statistik der Spitzenwerte zusammengestellt: Der Mai war mit seinen 18,2 Grad 4,5 Grad wärmer als üblich und damit der wärmste seit Aufzeichnungsbeginn 1936. Der Juni lag mit 20,5 Grad immerhin auch 3,4 Grad über dem langjährigen Mittelwert und war der viertwärmste seit 1936; auf den dritten Platz seiner Rangliste schaffte es der Juli mit 23,2 Grad und einem Plus von 4,3 Grad; und noch etwas näher an der Spitze positionierte sich schließlich der August mit einer Mitteltemperatur von 22,0 Grad und einem Plus von 3,7 Grad. Noch wärmer war es nur im Rekordjahr 2003, als das Augustmittel 23,7 Grad erreichte.

          Fügt man zu dieser Reihe noch den April hinzu, der mit 14,3 Grad im Mittel und einem Plus von 5,1 Grad zusammen mit dem April des Jahres 2007 der wärmste seit Beginn der regelmäßigen Aufzeichnungen war, dann war der August in Frankfurt – und nicht nur dort – schon der fünfte deutlich zu warme Monat in Folge. Und nimmt man zusätzlich den extrem milden Januar mit seinem Mittel von 6,0 Grad und dem sagenhaften Plus von 5,3 Grad in den Blick, dann ist im Grunde kaum daran zu zweifeln, dass 2018 als wärmstes Jahr seit mindestens acht Jahrzehnten in die meteorologischen Annalen eingehen wird.

          Ersten Platz knapp verfehlt

          Der Sommer als solcher hat diesen Spitzenplatz verfehlt – wenn auch denkbar knapp – und das gilt sowohl deutschlandweit als auch in Frankfurt. An der Messstation am Flughafen fehlten bei einem Sommerdurchschnittswert von 21,9 Grad nur 0,3 Grad, um den Rekord des „Jahrhundertsommers“ 2003 einzustellen. Das langjährige Mittel bringt es gerade einmal auf 18,1 Grad. Allerdings stammt dieser Wert aus der international noch immer als Referenzperiode definierten 30-Jahr-Spanne zwischen 1960 und 1991 und bildet die stetige Erwärmung der vergangenen drei Jahrzehnte nicht ab. Spätestens seit dem Ende der achtziger Jahre hat es in Frankfurt keinen Sommer mehr gegeben, dessen Mittel unter diesem Normalwert lag (siehe Grafik).

          Auch wenn dem Sommer 2018 in Sachen Temperatur schließlich nur der zweite Rang blieb, zwei bemerkenswerte Rekorde hat er dennoch gebrochen: Zwischen dem 23. Juli und dem 9. August stieg die Höchsttemperatur an 18 Tagen hintereinander auf 30 oder mehr Grad. Eine solche Reihe von sogenannten heißen Tagen hat es in Frankfurt noch nie gegeben. Der eingestellte Rekord stammte aus dem Jahr 1976, als die Meteorologen 16 heiße Tage in Folge zählten.

          Überhaupt haben die vergangenen drei Monate so viele heiße Tage geliefert wie noch nie: Normalerweise bringt es ein Frankfurter Sommer auf acht Tage mit 30 oder mehr Grad. Im Rekordjahr 2003 waren es 30, und diesmal sogar 36. Wobei auch damit noch nicht die absolute Spitze erreicht war: In Darmstadt haben die Meteorologen tatsächlich unglaubliche 44 heiße Tage und damit den Deutschland-Rekord dieses Sommers registriert.

          „Alles vertrocknet“

          In Erinnerung bleiben wird der Sommer 2018 aber nicht nur wegen seiner ungewöhnlichen Wärme. Mindestens ebenso bemerkenswert – und vor allem für die Landwirtschaft folgenreich – war seine enorme Trockenheit. Mit einer Niederschlagsmenge von 56,8 Millimetern erreichte er nicht einmal 30 Prozent des Normalwertes und wurde so mit Abstand der trockenste Sommer, der seit Aufzeichnungsbeginn in dieser Kategorie im Jahr 1949 am Frankfurter Flughafen registriert wurde.

          Deutschlandweit waren die vergangenen Monate sogar die trockensten seit mehr als einem Jahrhundert. Kein Wunder, dass Astronaut Alexander Gerst vor ein paar Tagen schockiert aus der Raumstation ISS funkte: „Alles vertrocknet und braun, was eigentlich grün sein sollte.“

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