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Slums von Nairobi : Wie der Wunsch der Piloten zur Wirklichkeit wurde

Die Anfänge: Fokko Doyen lässt sich im Frühjahr 2007 von Nelius N’Muhoho erläutern, was im Mothers Mercy Home am dringendsten gebraucht wird. Bild: Jochen Remmert

Als sich Fracht-Piloten der Lufthansa während ihrer Flugpausen in den Slums von Nairobi umschauen, entsteht das Bedürfnis, zu helfen. Zehn Jahre später ist der Wunsch zur Wirklichkeit geworden.

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          Im Mai 2007 erfahren Leser dieser Zeitung zum ersten Mal von einem Hilfsprojekt für Aidswaisenkinder in den Elendsvierteln der kenianischen Hauptstadt Nairobi. Das Besondere daran: Es sind Piloten der in Frankfurt beheimateten Lufthansa Cargo AG, die in ihrer Freizeit gemeinsam mit Ärzten aus Deutschland diesen Kindern helfen wollen. Sie sind während der verordneten Flugpausen in Nairobi auf ein Mothers Mercy Home genanntes Wellblechhüttenlager gestoßen, in dem Frauen der anglikanischen Gemeinde versuchen, Kindern, die nichts und niemanden mehr haben, einen Ort zu geben, wo sie Geborgenheit und Hilfe finden.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Fokko Doyen, Pilot und damals Flottenchef der MD-11 Lufthansa-Frachter, entschließt sich zusammen mit Kollegen, „Cargo Human Care“ zu gründen, um helfen zu können. Für die medizinische Leitung steht Doyen von Beginn an der frühere Chefarzt Sven Sievers zur Seite, der im Sommer 2015 an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben ist.

          Ein steinernes Waisenhaus für 120 Jungen und Mädchen

          Zehn Jahre nach der Gründung von Cargo Human Care sind die Wellblechhütten verschwunden. Wesentlich haben die Spenden der Leser dieser Zeitung dazu beigetragen, ein steinernes Waisenhaus für 120 Jungen und Mädchen zu bauen. Daneben ist eine Medizinstation entstanden, in der rund 50 Ärzte aus Deutschland regelmäßig in ihrer Freizeit den Kindern und den Bewohnern der umliegenden Elendsviertel medizinische Hilfe leisten. Sie unterstützen die inzwischen zwölf lokalen Helfer. Allein 2016 haben Ärzte und Helfer rund 7000 mittellose Patienten versorgt, viele mehrmals. Daher weist die Buchhaltung für das vergangene Jahr mehr als 25 000 Behandlungen aus.

          Dabei ist zu bedenken, dass in Kenia mit seinem maroden Gesundheitssystem nach wie vor gilt, dass ärztliche Hilfe nur bekommt, wer Geld hat. Für Mittellose bedeutet selbst eine beherrschbare Infektionskrankheit nicht selten den Tod. Um auch Slumbewohnern die bestmögliche medizinische Hilfe geben zu können, verfügt die Krankenstation des Mothers Mercy Home inzwischen über ein Labor. Für den Fall, dass Operationen nötig sind, hat Cargo Human Care Kooperationsverträge mit benachbarten Krankenhäusern geschlossen.

          Auch Lufthansa Cargo unterstützt den Verein uneingeschränkt

          „Als wir Cargo Human Care vor zehn Jahren gegründet haben, hätte ich im Leben nicht geglaubt, dass wir dorthin kommen, wo wir heute stehen“, sagt Doyen, der am Mittwochabend eine Bilanz der ersten zehn Jahre zog. Inzwischen zählt der Verein 560 Mitglieder und fördert 220 Kinder und Jugendliche bis zum Schulabschluss und auch noch während der Berufsausbildung. Doyen und seine Mitstreiter haben rasch erkannt, dass es zwar zunächst darum geht, die Kinder von der Straße zu holen und ihnen einen Schulabschluss zu ermöglichen. Doch die Schützlinge brauchen auch nach dem Schulabschluss noch Unterstützung, um eine Berufsausbildung und damit die Möglichkeit zu bekommen, sich selbst eine Zukunft aufzubauen.

          Rund 3,5 Millionen Euro an Spenden wurden in den vergangenen zehn Jahren gesammelt. Lediglich 0,6 Prozent davon kostet nach Angaben des Vereins die Verwaltung. Mehr als 99 Prozent fließen direkt in die Hilfsprojekte. Zu diesen gehört inzwischen die John Kaheni Residence, ein ebenfalls mit Hilfe spendenwilliger Leser entstandenes Wohnheim für ehemalige Kinder aus dem Mothers Mercy Home, die eine Ausbildung absolvieren. Von dort aus koordinieren Cargo-Human-Care-Mitarbeiter die Berufsausbildung für die jungen Männer und Frauen. Neues Projekt des Frankfurter Vereins ist der Bau einer Schule für Kinder aus den Elendsvierteln. Das Grundstück ist gefunden, für den Bau fehlt aber noch Geld.

          Dass die Spendengelder nahezu vollständig den hilfsbedürftigen Menschen zugutekommen, ist auch der Tatsache geschuldet, dass auch Lufthansa Cargo den Verein uneingeschränkt unterstützt. Sowohl die Kosten für die Tickets der Ärzte wie auch die für den Transport der medizinischen Geräte und Hilfsgüter trägt die Fracht-Airline.

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