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Der Charme des „Neuen Frankfurt“

Foto: Alexander Jürgs


15. Januar 2021 · Die Reihenhäuser aus der Ära des Stadtbaurats Ernst May sind heute so beliebt wie vor 100 Jahren. „Das hat May schon genial gemacht“, findet der Chef der städtischen ABG, der die meisten Wohnsiedlungen gehören. Aber viele der in den zwanziger Jahren entstandenen Siedlungen sind in keinem guten Zustand. Damit sie Unesco-Welterbe werden können, muss sich das dringend ändern.


Nächstes Kapitel:

Bunt, bunt, bunt sind alle meine Häuser


Foto: Frank Röth


Bunt, bunt, bunt sind alle meine Häuser

Von ALEXANDER JÜRGS

Mit der Siedlung Praunheim begann das Wohnungsbauprogramm Neues Frankfurt

Orange, Violett, Knallgelb, ein dunkles Blau: Die Farben der Häuserfassaden im Damaschkeanger könnten kaum unterschiedlicher sein. Und die Wintersonne lässt sie leuchten, diese bunte Reihe. Aber auch die Eingänge zu den Häusern unterscheiden sich sehr. Einer hat sich einen Windfang aus Glasbausteinen gebaut, ein anderer hat eine rustikale Tür aus dunklem Holz, wieder ein anderer eine Kunststofftür mit Milchglas. Dass dieser Straßenzug zu einer Mustersiedlung des modernen Bauens zählt, lässt sich kaum mehr erkennen. Deutlich machen es eigentlich nur noch die flachen Dächer der bunten Häuser. 

Foto: Hannah Aders


Erst Plastik, dann Holz

Von RAINER SCHULZE

Die Römerstadt wird von der städtischen ABG langsam, aber leider nicht einheitlich saniert

In der Römerstadt gibt es Licht und Schatten: Frisch sanierte Reihenhäuser mit gedämmten Fassaden, hellblauen Holzfenstern und ebensolchen Türen stehen neben Gebäuden, die in einem bemitleidenswerten Zustand sind. Dass die gesamte Siedlung unter Denkmalschutz steht, mag man an einigen Stellen kaum glauben. Viel besser in Schuss ist die Siedlung Höhenblick in Ginnheim, obwohl sie privatisiert wurde. Aber am anderen Niddaufer soll auch die Römerstadt wieder glänzen: Die städtische ABG saniert die Siedlung seit Jahren. Langsam, Stück für Stück, soll sie instandgesetzt werden. Doch nach welchem Konzept die Wohnungsgesellschaft dabei vorgeht, ändert sich immer wieder. 

Blaue Türen und Fenster aus Holz: Nach einem mit dem Denkmalschutz abgestimmten Konzept wird die Siedlung Römerstadt saniert.
Blaue Türen und Fenster aus Holz: Nach einem mit dem Denkmalschutz abgestimmten Konzept wird die Siedlung Römerstadt saniert. Foto: Hannah Aders
Foto: Frank Röth


Wie in den Zwanzigern

Von ALEXANDER JÜRGS

Das Ernst-May-Haus zeigt den alten Zustand

Wer in dem schmalen Hausflur mit seiner engen Treppe steht, wer durch die Zimmer streift und ins Bad hineinschaut, der denkt bald: Wie klein, wie beengt und spartanisch hier alles wirkt. Doch dieser erste Eindruck täuscht, zumindest aus der historischen Perspektive. Denn als diese Wohnung zum ersten Mal bezogen wurde, da dürfte sie ihren Bewohnern luftig, großzügig und hervorragend ausgestattet vorgekommen sein. Damals, 1928, war dieses Haus im Vergleich zu den beengten Wohnungen in der Innenstadt geradezu luxuriös, ausgerüstet mit Zentralheizung, elektrischem Heißwasserspeicher, Herd mit Bratrohr und, im Wohnzimmer, sogar einem Radioanschluss. 

Foto: Simon Keckeisen/Ernst-May-Gesellschaft
Foto: Wonge Bergmann
Einblick in die Wohnkultur des Neuen Frankfurt: Heizkörper im May-Haus und Treppe im klassischen Stil.
Foto: Lando Hass


„Es wohnt sich gut hier“

Von RAINER SCHULZE

Die Architektin Roswitha Väth hat ein Reihenhaus des Neuen Frankfurt in Oberrad an ihre Wohnbedürfnisse angepasst

Das Haus erkennt man gleich. Die Siedlung Nonnenpfad in Oberrad ist ein ziemlich verbautes Kunterbunthausen, aber ein Reihenhaus hebt sich ab: Mit seiner strengen, grauen Fassade, der hellen Holztür und den rhythmisch gegliederten Fenstern wirkt es auf dezente Art modern und doch irgendwie zeitlos. Hier wohnt Roswitha Väth mit ihrer Familie.
Die Architektin – schwarzer Pulli, dunkel gerahmte Brille, Pferdeschwanz – hat das Gebäude 2012 erworben und erst einmal ein halbes Jahr saniert. Für rund 150 000 Euro. Alle Türen und Fenster wurden entfernt und auch die eine oder andere Wand durchbrochen. Die Außenwände wurden von innen gedämmt, sämtliche Leitungen erneuert, das Wohnzimmer bekam einen Kamin. Im Erdgeschoss wirkt es beinahe so, als wäre man in einem Neubau. Väth ist begeistert, wie wandlungsfähig die May-Häuser innen sind. „Keine Innenwand ist tragend. Man kann alles rausnehmen. Das erlaubt viel Freiheit.“ Nur eine Stütze hat sie stehen gelassen. 

„Die May-Siedlungen haben mir schon immer gut gefallen“: Architektin Roswitha Väth wohnt in Oberrad.
„Die May-Siedlungen haben mir schon immer gut gefallen“: Architektin Roswitha Väth wohnt in Oberrad. Foto: Lando Hass

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