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Sicherheit in Hessen : In einem anderen Land

  • -Aktualisiert am

Die Bürger dürfen von der Politik mehr erwarten als väterliche Ratschläge, wo sie die vorweihnachtliche Freizeit verbringen sollen.

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          Wer will eigentlich in diesem Jahr noch Silvester auf dem Eisernen Steg in Frankfurt feiern? Wo früher einmal dank der tollen Aussicht auf das Feuerwerk die Stimmung besonders ausgelassen war, wird es nach den Übergriffen von wohl vorwiegend aus Nordafrika stammenden jungen Männern diesmal eine Art Belagerungszustand mit Zugangskontrollen geben, wodurch zwar eine Wiederholung der widerwärtigen Ereignisse vor Jahresfrist unwahrscheinlich wird, der Jahreswechsel aber zugleich alles Unbeschwerte verliert.

          Ähnliches droht nun nach der Berliner Gewalttat den Weihnachtsmärkten. Von Sicherheitssperren ist die Rede, Polizisten patrouillieren, die Zugänge zu dem schönen Sternschnuppen-Markt in Wiesbaden sind gestern brachial mit Zugmaschinen verriegelt worden. Frankfurter kennen so etwas schon: Weil das Museumsuferfest wenige Wochen nach dem Anschlag in Nizza stattfand, hatte man kurzfristig noch allerhand Zufahrtssperren aus Beton aufgestellt.

          Es war auch gestern wieder zu hören, die Menschen sollten sich in Besonnenheit üben, sie sollten trotz Berlin feiern, Ministerpräsident Bouffier gab sogar die Parole aus, gerade jetzt sollten die Hessen auf die Weihnachtsmärkte gehen, schließlich wollten diejenigen, die Anschläge verübten, ja eben, dass die Angst um sich greife. Doch es hilft nichts: Das unschuldige Vergnügen, einen Weihnachtsmarkt zu besuchen, ist für lange Zeit perdu, so wie auch Silvester vorerst nicht mehr sein wird, wie es war.

          Das Land hat sich verändert. Auch Politikern ist zuzugestehen, dass sie nach einem Anschlag erst einmal nur entsetzt sind. Aber auf Dauer erwarten die Bürger von Regierungen und Parlamenten mehr als Aufrufe zur Besonnenheit, Allgemeinplätze wie den, es ließen sich eben nicht alle Anschläge verhindern, und väterliche Ratschläge, wo die vorweihnachtliche Freizeit zu verbringen sei. Sie erwarten eine Neubestimmung der Sicherheitspolitik. Das Unbeschwerte in der Zeit vor dem Jahresende wird trotzdem nicht rasch zurückkehren.

          Manfred Köhler
          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

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