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Wann öffnen Erotik-Bars? : Zukunftssorgen im Frankfurter Rotlichtmilieu

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Die Stripperin Kate arbeitet normalerweise in einer Table-Dance-Bar im Frankfurter Rotlichtviertel. Bild: dpa

Die Neonröhren sind ausgestellt, die Etablissements geschlossen: Die Corona-Krise trifft das Frankfurter Bahnhofsviertel besonders hart. Betroffene Frauen erzählen.

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          Eigentlich ist Kate ein Nachtmensch. Zur Zeit hat die Tänzerin allerdings weitaus mehr Ruhe, als ihr lieb ist – und weiß nicht, wann sie wieder auf der Bühne des Frankfurter Nachtclubs stehen wird, auf der die dunkelblonde Frau mit den hohen Wangenknochen bisher ihren Lebensunterhalt verdiente. Denn auch wenn es nun weitere Lockerungen gibt – Betreiber und Mitarbeiter von Nachtclubs und Erotik-Bars, von Bordellen und „Massagesalons“ müssen wohl noch lange warten, bis im Frankfurter Rotlichtviertel die Lichter wieder angehen.

          Das Aus kam zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. „Das sind jetzt Zeiten, wo gerade Hochbetrieb wäre und viel Geld zu verdienen“, sagt Kate, die mit bürgerlichem Namen anders heißt und an ihrem Wohnsitz in Rheinland-Pfalz eine gewisse Distanz zum Job im Nachtleben hat. „Jetzt wird’s warm – die Leute wollen raus, die wollen feiern – aber das geht halt alles nicht.“

          Langzeitfolgen für die Branche

          Anders als manche ihrer Kolleginnen konnte Kate, die zudem fahrende Kosmetikerin ist, Soforthilfe beantragen, um die wirtschaftliche Durststrecke zu überbrücken. Aber wie lange noch? Die Tänzerin fürchtet, dass nicht nur die Bordelle im Bahnhofsviertel, sondern auch GoGo-Bars und Nachtclubs als letzte wieder öffnen dürfen. „Und ich denke, selbst dann werden die Leute Angst haben und Abstand halten wollen“, befürchtet sie Langzeitfolgen für die Branche.

          Die Bühne, die Kolleginnen, die Shows, die Zuschauer – all das fehlt Kate derzeit. „Wir sind ja Künstler – und von daher ein bisschen Rampensäue“, lächelt sie. „Da sagen viele: ich brauch das, ich muss raus, ich muss mich auf der Bühne bewegen.“ Auch für sie seien Tanz und Kostüme eine Möglichkeit, in immer wieder andere Rollen zu schlüpfen, sich auszuprobieren, mit Phantasien zu spielen.

          Derzeit dagegen könne sie nur versuchen, fit zu bleiben, sich zu bewegen und an den ungewohnten Lebensrhythmus der „Tagaktiven“ zu gewöhnen. „Ich habe keine eigene Stange zu Hause, im Gegensatz zu einigen Kolleginnen, die auch zu Hause üben und trainieren können“, bedauert sie. Da merke man schon, dass Kondition oder auch das Muskelgewebe nachlassen.

          Frauen in der Existenzkrise

          „So von hundert auf null, das ist schwierig“, räumt Kate ein. Sie steht telefonisch in Kontakt mit befreundeten Kollegen, aber das sei nicht dasselbe wie das gemeinsame Training, die Atmosphäre auf und hinter der Bühne. Nicht alle könnten die derzeitige Lage gleich gut bewältigen. „Ich bin eine starke Person, ich bin nicht so leicht runterzuziehen“, betont sie. „Aber es gibt Frauen, die haben nicht diese Stärke, sind vielleicht auch noch alleinerziehend und wissen nicht mehr weiter. Das ist dann auch psychisch schwierige Sache.“

          Zumal längst nicht alle Frauen, die im Rotlichtviertel ihr Geld verdienen, ein stabiles Umfeld und ihr soziales Netz haben. Die Beratungsstelle „Frauenrecht ist Menschenrecht“ (FIM) kümmert sich um Frauen, die unter anderem auf dem Straßenstrich arbeiten und überwiegend aus Rumänien und Bulgarien kommen. Sie wollten der Armut in ihren Heimatländern entkommen – nun sehen sie sich erneut in einer Existenzkrise.

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